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Entwicklungsminister Niebel in Kenia : Trauerspiel Ernährungssicherung

Makueni, Kenia: Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Sonntag vor einem Wasserauffangprojekt der Deutschen Welthungerhilfe. Bild: dpa

Was die Vorgängerregierung versäumt hat, will Entwicklungsminister Dirk Niebel aufholen. Es könnte noch mehr Geld für die Hungernden im Horn von Afrika mobilisiert werden, aber Hilfe braucht auch Planung, Vereinbarungen und Zeit.

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          Die SPD ist für die gegenwärtige Dürre am Horn von Afrika natürlich nicht verantwortlich. Auch kann Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die als Ministerin bis 2009 elf Jahre lang die deutsche Entwicklungspolitik gelenkt hat, nichts dafür, dass in Somalia ein Bürgerkrieg tobt, der die Lebensgrundlagen von Hunderttausenden Familien zerstört. Und doch gibt es eine Mitverantwortung der früheren Bundesregierung für die Lage in den Hungergebieten. Jedenfalls nach Einschätzung des gegenwärtig zuständigen Ministers, Dirk Niebel (FDP).

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Niebel sagt, das Thema „ländliche Entwicklung und Ernährungssicherung“ wurde unter „den Vorgängerregierungen sträflich vernachlässigt“. Erst seine Leitung des Ministeriums habe das verändert. Seit 2010 stehen etwa 300 Millionen Euro im Jahr für ländliche Entwicklungsprojekte in Afrika zur Verfügung. Das sei das Vierfache dessen, was in den zehn Jahren davor im Jahresschnitt investiert wurde.

          Bestätigt wird der Befund des FDP-Ministers von der ehemaligen SPD-Politikerin Barbara Dieckmann, die nun als Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe die Lage sehr gut überblickt. „Wir haben da ein großes Defizit gehabt“, sagt sie. Über die Gründe kann man rätseln. Nach Angaben des Ministeriums ist es auch nicht immer leicht, mit den Regierungen der Kooperationsländer diese Form der Zusammenarbeit auszuhandeln.

          Niebel mit Kenias Präsident Mwai Kibaki am Montag in Nairobi

          Auch in Äthiopien 140.000 neue somalische Flüchtlinge

          Niebel wirbt jetzt in Kenia für eine massive Ausdehnung präventiver Maßnahmen. Denn Dürreperioden kehren immer wieder. In der jetzigen Krisen- und Katastrophenregion war die Verschlechterung der Ernährungslage bereits seit einem dreiviertel Jahr vorhersehbar gewesen. Seit Januar wurden international Vorkehrungen getroffen, sagt der Minister. Überraschend war, dass im Frühjahr zum zweiten Mal hintereinander die erwarteten Regenfälle ausblieben. Das führte dann zur schlimmsten Dürre seit 1950. Bei Katastrophen müssen alle helfen, weltweit.

          Doch gegen die stets wiederkehrenden Krisen könnten sich die Betroffenen selbst besser wappnen. Beispiele dafür gibt es genug, auch in Kenia. So wird dort etwa südlich der Hauptstadt Nairobi bei Mindali ein deutsches Kooperationsprojekt zur Wasserspeicherung betrieben, das Vorbild sein könnte. In Gegenden, wo zuweilen vierzig Prozent der Ernte durch unsachgemäße Lagerung wieder verlorengehen, hilft auch die Verbesserung der landwirtschaftlichen Ausbildung.

          Insgesamt 61 Millionen Euro wurden seit 2009 in Kenia und Äthiopien für solche Projekte bereitgestellt. Der weitere Ausbau von Flüchtlingslagern sei, so Niebel, eine notwendige Nothilfe. Allein im Flüchtlingslager Dadaab an der kenianischen Grenze zu Somalia sind im Juni und Juli täglich etwa 1500 Verdurstende und Verhungernde eingetroffen. Etwa 400.000 Personen leben dort unter erbärmlichen Bedingungen. Unterdessen gelingt es aber den kenianischen und internationalen Helfern besser, den meisten zumindest das schiere Überleben zu sichern. Im benachbarten Äthiopien, selbst schwer getroffen von der Dürre, sind etwa 140.000 Somalia-Flüchtlinge eingetroffen, die unter anderem in einem Lager bei Dolo Ado im Süden des Landes notdürftig versorgt werden.

          Zwölf Millionen Menschen auf auswärtige Nahrungsmittelhilfe angewiesen

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