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Lage der Kinder in Syrien : „Wenn das Geld nicht kommt, werden Essensrationen gekürzt“

Zwei syrische Jungen gehen im Oktober 2015 Hand in Hand an zerstörten Häusern in der syrischen Stadt Douma vorbei. Bild: dpa

Entwicklungsminister Gerd Müller fordert von der Staatengemeinschaft mehr Geld für Syrien. Sechs Millionen Kinder sind dort auf Hilfe angewiesen, etwa eine halbe Million ist laut Unicef mangelhaft ernährt.

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          In Syrien sind etwa sechs Millionen Kinder auf humanitäre Hilfe angewiesen, also fast jedes zweite Kind. Zehn Jahre nach Beginn des Krieges sei „die traurige Wahrheit“, dass die Not der Kinder dort immer größer werde, sagte der deutsche Unicef-Repräsentant, Christian Schneider, am Mittwoch in Berlin.

          Peter Carstens
          Politischer Korrespondent in Berlin

          Es gebe keine Atempause. Der Krieg in Syrien sei, bedingt durch Corona, aus dem Blick geraten. Aber weiterhin würden Zivilisten getötet und Luftangriffe geflogen. Städte und Ortschaften gerieten unter Beschuss. Permanente Kriegsangst sei nun vom Kampf ums tägliche Überleben überlagert. Neun von zehn Kindern einer Schulklasse in Aleppo müssten arbeiten gehen, „immer mehr Eltern geben ihre Töchter sehr früh in Heirat“, so Schneider.

          Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sprach von einem „Schreckenstag“. 90 Prozent der Kinder in Syrien lebten unterhalb des Existenzminimums von einem Dollar pro Tag. Im Krieg seien, so Müller, 25.000 bis 30.000 Kinder ums Leben gekommen. Mehrere Millionen seien als „Kriegskinder“ in Syrien und in Flüchtlingslagern geboren worden. Der Minister teilte mit, dass Deutschland voriges Jahr im „Syrien-Krisenbogen“ mehr als 2,2 Milliarden Euro „zu den Menschen gebracht“ habe. Das gelte auch für das laufende Jahr.

          „Gewaltige Fehlbedarfe“ bei Finanzierung

          Nach Angaben von Müller könnten 700.000 syrische Kinder mit deutscher Unterstützung zur Schule gehen. Deutsche Hilfe finanziere 20.000 Lehrerinnen und Lehrer, „insbesondere in der Türkei“. Die meisten kämen „aus der Flüchtlingsgemeinschaft“. Müller richtete einen dringenden Appell an die Staatengemeinschaft und an private Spender, für Unicef mehr zu geben. Er sagte, bei der Finanzierung gebe es „gewaltige Fehlbedarfe“.

          Von 9,8 Milliarden Dollar notwendiger Hilfen seien derzeit nur 4,4 Milliarden durch Zusagen und Spenden gedeckt. „Wenn das Geld nicht kommt, das glauben viele vielleicht gar nicht, werden Essensrationen gekürzt.“ Das Geld müsse aufgebracht werden, „ansonsten sagen wir Ja zu Sterben und Verhungern“, so Müller. Nach Unicef-Angaben sind rund 500.000 Kinder in Syrien mangelhaft ernährt.

          Der Präsident des Caritas-Verbandes, Peter Neher, sagte am Mittwoch, sein Verband habe rund 70 Millionen Euro für humanitäre Hilfe aufgebracht, so viel wie kaum je für eine andere Krise. „Und doch müssen wir feststellen: Den Menschen in Syrien geht es so schlecht wie nie zuvor. Das ist extrem bitter.“

          Warnung vor „explosiven Kriegsresten“

          Mit Blick auf die Ende März in Brüssel stattfindende Geberkonferenz forderte Neher, dass „der Hilfsplan diesmal unbedingt zu 100 Prozent und nicht wie im vergangenen Jahr nur zur Hälfte gedeckt ist“. Allein in Syrien seien elf Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Etwa dreizehn Millionen Syrerinnen und Syrer sind auf der Flucht.

          Die Hilfsorganisation „Handicap International“ schrieb in einer Mitteilung, das Land sei mit „explosiven Kriegsresten verseucht“, unzählige Landminen, Blindgänger, nicht explodierte Bomben und Sprengfallen würden den Wiederaufbau und die Neuentwicklung des wirtschaftlichen und sozialen Gefüges stark behindern.

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