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Entwicklungshilfe : Ein Marshall-Plan löst Afrikas Probleme nicht

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Reaktionen in Afrika

Afrikanische Kritiker haben sich in großer Zahl gegen die gegenwärtige Praxis der europäischen und auch deutschen Entwicklungshilfe ausgesprochen. Einer der bekanntesten ist der kenianische Ökonom James Shikwati, Direktor des IREN-Instituts in Nairobi. Seit 2000 plädiert er für eine radikale Abkehr vom Konzept der Entwicklungshilfe. Sie habe Afrika nur abhängig gemacht und Machtstrukturen verfestigt, von denen wenige profitieren. Die westliche „Hilfsindustrie“ stärke lediglich tyrannische Herrscher und Korruption. „Wir haben Regierungen, die buchstäblich keine Position haben. Sie folgen alleine den Ansagen ihrer Geldgeber.“ Der besondere Einfluss der Hilfsindustrie habe zu „Museen der Schande“ geführt, gemeint sind Entwicklungsruinen. „Demgegenüber sind die Chinesen aufrichtiger. Sie nähern sich Afrika mit einer bestimmten Botschaft: Wir wollen dies, ihr gebt uns jenes, dafür kriegt ihr das. Das stellt die alten Dimensionen der Entwicklungshilfe auf den Kopf.“ Neben Shikwati, der 2015 von der Friedrich-Naumann-Stiftung den Walter-Scheel-Preis erhielt, teilen auch zahlreiche afrikanische Intellektuelle und Praktiker die geharnischte Kritik an der bisherigen Entwicklungspolitik des Westens. Die Argumentation orientiert sich zumeist, wie auch bei der Sambierin Dambisa Moyo („Dead Aid: Warum Entwicklungshilfe nicht funktioniert und was Afrika besser machen kann“) an der Überzeugung, „dass die Entwicklungshilfe jeden Anreiz zerstört, gut zu wirtschaften und die Volkswirtschaft anzukurbeln. Entwicklungshilfe zu beziehen ist einfacher, als ein Land zu sanieren“.

Prinz Asfa-Wossen Asserate, Unternehmensberater für Afrika, weist darauf hin, dass „viele afrikanische Führer ihr Volk schlimmer unterdrückt haben als die Kolonialherren. Die Auswanderung aus Afrika liegt daran, dass Gewaltherrscher und korrupte Regierungen ihren Völkern kein auskömmliches Leben  im Land ermöglichen. Deshalb machen sich Millionen auf die Wanderschaft.“ In Bezug auf die westlichen Entwicklungsgelder stellt Asserate fest, „dass der Westen etwa 800 Milliarden Euro Entwicklungshilfe nach Afrika gebracht habe (andere Schätzungen nennen den Betrag von bis zu zwei Billionen Dollar).

„Aber mehr als 600 Milliarden Euro sind in den Taschen afrikanischer Potentaten und korrupter Eliten gelandet – sie landeten dann auf Schweizer Konten oder wurden in Immobilien in Frankreich, London oder sonst-wo gesteckt.“ So schrieb Asserate jüngst in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. Und weiter: „Man sollte endlich den korrupten Regierungen die politische und wirtschaftliche Entwicklung verweigern. Wir brauchen ein radikal neue europäische Afrika-Politik. Sie muss auf ,good governance' zielen. Zusammenarbeit nur, solange die Herrscher Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte respektieren. Ansonsten sollten wir sie als Paria ächten. Europa darf seine eigenen Wertmaßstäbe in Afrika nicht verraten (...) Die Spannungen zwischen den Ethnien nehmen leider zu. Der Tribalismus ist der Tod Afrikas. Im Falle eines Marshall-Plans ist es aber wichtig, dass es eine starke Kontrolle gibt, wohin die Gelder fließen. Wenn man nicht (vorher, versteht sich!) ,good governance' durchsetzt, ist alles für die Katz.“ So sinnvoll das wäre – meine Prognose ist, dass die Einführung von „good governance“ zu hoch greift – weil sie viele Jahre bis Jahrzehnte dauern würde.

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