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Enttarnung russischer Spione : Peinlicher Dilettantismus aus dem Kreml

Ganz offen: Der Name eines der mutmaßlichen Skripal-Attentäter, A.W. Tschepiga, steht auf einem Ehrenmal der Militärschule in Blagoweschtschensk Bild: Reuters

Investigative Journalisten in Russland und anderen Ländern tragen dazu bei, Geheimdienstmitarbeiter Moskaus zu enttarnen. Manche Hinweise liegen erstaunlich offen zutage.

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          Ein Gespräch mit Roman Dobrochotow, dem Gründer des russischen Rechercheblogs „The Insider“, kann Geduld erfordern. Etwa, wenn während des Interviews gerade in Den Haag neue Spionageanschuldigungen gegen Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU bekanntgegeben werden. Dobrochotow will das unbedingt hören, an Fragen ist für die nächste Stunde nicht zu denken. Dobrochotow guckt permanent auf eins seiner zwei Handys, liest die Übersetzungen der Pressekonferenz, die ihm ein Kollege schickt. Es ist sein Partner bei „Bellingcat“, einem weiteren investigativen Netzwerk rund um den Briten Eliot Higgins, mit dem „The Insider“ zusammenarbeitet. Dobrochotow ist aufgeregt – er glaubt, dass ihre Recherchen den Niederländern geholfen haben könnten, die GRU-Mitarbeiter zu enttarnen.

          Katharina Wagner
          Wirtschaftskorrespondentin für Russland und die GUS mit Sitz in Moskau.

          Das kann tatsächlich sein. Dobrochotow und die Leute von „Bellingcat“ haben in den vergangenen Monaten viele Einzelheiten über die Machenschaften des GRU zutage gefördert. Vor allem aber haben sie bewiesen, wie schlecht der russische Staat seine Spione schützt und wie leicht es ist, an Informationen über sie zu kommen. Gleich am Donnerstagabend veröffentlichen „The Insider“ und „Bellingcat“ neue Enthüllungen: In einer offenbar leicht zugänglichen Datenbank der russischen Inspektionsstelle für die Sicherheit im Autoverkehr fanden sie eine Liste von 305 Autos, die auf eine Adresse des GRU zugelassen sind. Zugänglich waren auch die Namen, Passdaten und sogar Mobiltelefonnummern der Fahrzeughalter – nach Ansicht der Rechercheure alle Mitarbeiter des GRU. Und zwar einer Abteilung, die schon im Juli von den Amerikanern für die Cyberattacken auf die Demokratische Partei im Wahlkampf 2016 verantwortlich gemacht wurde.

          Auch einer der sieben Russen, die am Donnerstag von den Amerikanern verschiedener Hackingattacken beschuldigt wurden, taucht in der Liste der Autohalter auf. Er war auch unter den vier Spionen, die die Niederländer im April auswiesen. Die Amerikaner hatten neben diesen vieren noch drei weitere GRU-Mitarbeiter der Cyberattacken beschuldigt. Am Freitag gab auch die Bundesregierung bekannt, sie gehe „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ davon aus, dass der GRU für Hackerattacken auf Deutschland verantwortlich sei – bisher hatte Berlin dafür „staatliche Stellen“ in Russland verantwortlich gemacht.

          „The Insider“ und „Bellingcat“ teilen sich die Recherche auf. Dokumente und Daten gehen zuerst an „Bellingcat“, denn deren Mitarbeiter sitzen in Westeuropa. Für Dobrochotow, der in einem von gigantischen Wohnblocks und Einkaufszentren geprägten Vorort Moskaus lebt, wäre das viel zu gefährlich. Er kommt ins Spiel, wenn es darum geht, die gefundenen Telefonnummern auszuprobieren oder mit russischen Quellen zu sprechen. Auch mit westlichen Sicherheitsbehörden stehen die Rechercheure im Kontakt; von dort bekommen sie Hinweise, ob sie auf der richtigen Spur sind.

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