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Enthaupteter Journalist : „Er suchte das Gute in einer dunklen Welt“

  • Aktualisiert am

Gedenken an Steven Sotloff in Florida Bild: AFP

Nun hat sich auch die Familie des von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ ermordeten Journalisten Steven Sotloff zu Wort gemeldet. Sottloff sei kein „Kriegsjunkie“ gewesen. Für die Berichterstattung über die arabische Welt habe er „letztlich sein Leben geopfert“.

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          Nun hat sich auch die Familie des von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) ermordeten Journalisten Steven Sotloff zu Wort gemeldet. Ein Sprecher der Familie des Opfers erklärte in Piencrest (Florida), die Berichterstattung über die arabische Welt sei dessen Leidenschaft gewesen.

          Sotloff habe „denjenigen auf der Welt eine Stimme geben wollen, die keine hatten. Dafür habe er „letztlich sein Leben geopfert, um ihre Geschichten in die Welt zu bringen“, sagte der Sprecher. Er sei aber kein „Kriegsjunkie“ und „kein Held“ gewesen. Er habe in er „einer Welt der Dunkelheit das Gute gesucht“. Der Sprecher appellierte im Namen der Familie, es gelte, sich von der Angst, die der Terror „unserer Feinde“ schüre, „nicht in Geiselhaft nehmen zu lassen“.

          Der 31 Jahre alte Sotloff war im August 2013 in der Nähe der syrischen Grenze verschleppt worden. Am vergangenen Dienstag war ein Video im Internet aufgetaucht, auf dem die Enthauptung Sotloffs durch einen vermummten IS-Kämpfer zu sehen war. Nach den Worten des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden wird Amerika die Täter jagen. Wörtlich sagte er: „Wir werden sie bis zu den Toren der Hölle verfolgen, bis sie zur Rechenschaft gezogen werden. Denn die Hölle ist der Ort, wo sie sein werden.“

          Der amerikanische Journalist Steven Sotloff (in der Mitte mit schwarzem Helm) ist von den IS-Extremisten getötet worden (Bild vom 2. Juni 2011 im libyschen Misrata)
          Der amerikanische Journalist Steven Sotloff (in der Mitte mit schwarzem Helm) ist von den IS-Extremisten getötet worden (Bild vom 2. Juni 2011 im libyschen Misrata) : Bild: Getty Images

          Der amerikanische Präsident Barack Obama hatte am Mittwoch nach der Enthauptung Sottlofs das Ziel ausgegeben, die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ zu „zerstören“. Darunter versteht Obama eine „Schrumpfung“ der „Einflusssphäre, Effektivität, Finanzierung und militärischen Fähigkeiten“ der in Syrien und im Irak aktiven Gruppe, bis diese ein „handhabbares Problem“ geworden sei.

          Obama bekräftigte auf einer Pressekonferenz in der estnischen Hauptstadt Tallinn, dass dazu ein langfristiges Engagement einer breiten internationalen Koalition nötig sei. Die Angelegenheit sei nicht in einem halben Jahr lösbar. Auf dem Nato-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Wales will er das Militärbündnis dazu bewegen, regionale Partnerschaften zu begründen, die nicht nur dem Kampf gegen den „Islamischen Staat“ dienen, sondern auch dem Kampf gegen andere Gruppen, die „terroristische Taktik mit der Taktik kleiner Armeen kombinieren“.

          Obama Botschaft an IS : „Wir werden nicht vergessen“

          In der Nacht auf Mittwoch hatte das Weiße Haus die Echtheit des Enthauptungsvideos bestätigt. Eine Analyse durch Geheimdienstexperten habe erbracht, dass das Video authentisch sei, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden.

          Wie der Amerikaner James Foley, dessen Enthauptung die Dschihadisten vor gut zwei Wochen bekannt machten, musste auch Sotloff einen Häftlingsanzug tragen. Er wurde offenbar von derselben, maskierten Person mit britischem Akzent geköpft, die auch Foley ermordete. Der Mann bezichtigte Obama, durch die amerikanischen Luftschläge auf Stellungen des „islamischen Staats“ insbesondere nahe des Staudamms von Mossul den Tod der Amerikaner verursacht zu haben, und drohte mit der Tötung einer weiteren westlichen Geisel.

          Obama drohte in Tallinn den Mördern Sotloffs, „dass wir nicht vergessen, dass unser Arm weit reicht und dass der Gerechtigkeit Genüge getan werden wird“.

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