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Entführung in Niger : Al Qaida tötet französische Geisel

  • -Aktualisiert am

Bild: reuters

Nach einer missglückten Befreiungsaktion der französischen und der mauretanischen Armee in einem Terrorcamp der Al Qaida ist ein in Niger entführter Franzose getötet worden. Präsident Sarkozy bestätigte den Tod und kündigte Vergeltung an.

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          Nach der fehlgeschlagenen Befreiungsaktion für die französische Geisel Michel Germaneau durch mauretanische und französische Soldaten in der vergangenen Woche in Mali ist der 78 Jahre alte ehemalige Ingenieur von seinen radikalislamischen Entführern ermordet worden. Präsident Sarkozy bestätigte am Montag den Tod des Mannes, der im April von einer Gruppe namens „Al-Qaïda au Maghreb islamique“ (Aqmi) in Niger verschleppt worden war.

          Sarkozy nannte die Ermordung Germaneaus „einen barbarischen Akt“ und kündigte Vergeltung an. „Sie haben kaltblütig einen 78 Jahre alten Menschen ermordet, der krank war und dem sie zuvor die dringend benötigten Medikamente verweigert hatten. Ich kann versichern, dass dieses Verbrechen nicht ungesühnt bleiben wird“, sagte Sarkozy in einer Fernsehansprache am Montagmorgen.

          Mauretanische und französische Soldaten hatten am vergangenen Donnerstag im Norden Malis ein Lager der Islamistengruppe angegriffen und dabei eigenen Angaben zufolge sieben Terroristen getötet. Die Geisel aber hatten sie nicht gefunden. Sarkozy verteidigte in seiner Ansprache am Montag indes den Angriff. „Dieses Lager war der wahrscheinliche Aufenthaltsort von Michel Germaneau. Als Regierung hatten wir die Pflicht, zu agieren“, sagte der französische Staatschef.

          Ein undatiertes Foto des Anführers der „Al-Qaïda au Maghreb islamique”, Abdul Wadud.

          „Al-Qaïda au Maghreb islamique“ mit Ursprung in Algerien

          Bereits am Sonntagabend hatte der mutmaßliche Anführer von Aqmi, der Algerier Abou Moussab Abdel Wadud, in einer Videobotschaft die Ermordung der Geisel als Rache für den Militärschlag verkündet. Das Video war dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera zugespielt und von diesem ausgestrahlt worden. Zunächst aber hatten französische Stellen den Tod der ehemaligen Erdölingenieurs, der bis zu seiner Pensionierung in Algerien gearbeitet hatte und die Region sehr gut kannte, nicht bestätigen können.

          Ob inzwischen seine Leiche gefunden wurde, war am Montag noch unklar. Die Terrorgruppe „Al-Qaïda au Maghreb islamique“ hat ihren Ursprung in der algerischen radikalislamischen Gruppierung „Groupe salafiste pour la prédication et le combat“ (GSPC), die auch deutschen Ermittlern gut bekannt ist. Noch unter der Bezeichnung GSPC hatte diese Gruppe Anfang 2003 insgesamt 32 europäische Touristen, die Mehrzahl Deutsche, in Algerien als Geiseln genommen. 17 Geiseln kamen unter weitgehend unbekannten Umständen noch in Algerien frei, während sich ein Teil der Entführer mit den 15 anderen Geiseln trotz Beobachtung durch die algerische Armee in das Grenzgebiet nach Mali absetzen konnte.

          Damals wurde viel über ein „einvernehmliches Verhältnis“ der algerischen Armee zu den Geiselnehmern spekuliert. Eine Urlauberin aus Deutschland starb während der monatelangen Haft vermutlich an Entkräftung, die 14 Überlebenden kamen im August 2003 in Mali frei, nachdem der damalige Staatsekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, den Vernehmen nach fünf Millionen Euro Lösegeld übergeben hatte.

          Im Januar 2007 änderte die GSPC ihren Namen in „Al-Qaïda au Maghreb islamique“, angeblich mit Zustimmung von Osama bin Laden. Ihre Versuche indes, Marokko zu destabilisieren, scheiterten an der Effizienz der dortigen Geheimdienstes, woraufhin Aqmi seine Angriffe auf Mauretanien konzentrierte, das unter den islamischen Ländern am Rand der Sahara als das anfälligste für radikalen Islamismus gilt. Gleichzeitig aber nahmen die Islamisten auch immer wieder Geiseln, wie die beiden inzwischen freigelassenen kanadischen Diplomaten Robert Fowler und Louis Guay in Niger.

          Neue Einnahmequelle: Geleitschutz für Drogentransporte

          Im Januar 2009 wurde ebenfalls in Niger eine Gruppe von vier europäischen Reisenden, darunter eine Frau aus Hessen, von Unbekannten verschleppt und mutmaßlich an Aqmi „verkauft“. Während die deutsche und zwei schweizerische Geiseln unversehrt wieder feigelassen wurden, wurde die vierte Geisel, der britische Staatsbürger Edwin Dyer, ermordet.

          Die Geiselnehmer, bei denen sich um die gleiche Gruppe handeln soll, die nun Germaneau ermordet hat, sprachen damals von der „Unwilligkeit“ der britischen Regierung, auf ihre Forderungen einzugehen, was Raum für Spekulationen lässt, was die deutsche und schweizerische Regierung für die Freilassung ihrer Landsleute bezahlt haben. Im Fall von Pierre Camatte, der zweiten französischen Geisel, die im Februar nach drei Monaten Gefangenschaft von Aqmi freigelassen wurde, ist der „Preis“ inzwischen bekannt: Mali entließ auf französischen Drängen hin vier verurteilte Aqmi-Kämpfer aus der Haft.

          Neben der Entführung von Ausländern aber haben die Terroristen inzwischen ein weitere, nicht minder besorgniserregende Einnahmequelle gefunden: Geleitschutz für Drogentransporte. Seit die westafrikanische Küste mehr und mehr zum Umschlagplatz für südamerikanisches Kokain auf dem Weg nach Europa geworden ist, scheinen die kolumbianischen Kartellen und die radikalen Islamisten ein Zweckbündnis geschmiedet zu haben, um die Kokaintransporte durch die Sahara zu sichern. So meldeten mauretanische Stellen vor einiger Zeit, einen aus mehreren Geländewagen bestehenden Drogenkonvoi aufgebracht zu haben, der von schwer bewaffneten Aqmi-Mitgliedern gesichert wurde.

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