https://www.faz.net/-gpf-13get

Ende der Kaperung : „Hansa Stavanger“ erreicht Mombasa

  • Aktualisiert am

Begleitet wurde das Containerschiff von der Fregatte „Brandenburg” Bild: AP

Der vor fünf Tagen von somalischen Piraten nach einer Kaperung freigegebene Hamburger Frachter „Hansa Stavanger“ ist in den Hafen von Mombasa in Kenia eingelaufen. Sein Kapitän berichtet von Scheinhinrichtungen und „Psychoterror rund um die Uhr“.

          1 Min.

          Der vor fünf Tagen von somalischen Piraten nach einer Kaperung freigegebene Hamburger Frachter „Hansa Stavanger“ ist im Hafen von Mombasa in Kenia eingelaufen. Das Schiff wurde von der Fregatte „Brandenburg“ der Deutschen Marine begleitet. Es ging zunächst in einem Hafenbecken vor Anker, wo es nach Sprengstoff und Waffen durchsucht werden sollte. Danach machte der Frachter am Kai fest. Fachleute des Bundeskriminalamtes wollen an Bord gehen und Beweise sicherstellen.

          Die 24 Besatzungsmitglieder, darunter fünf Deutsche, sollen an einem geheimen Ort gebracht werden. Dort sollen sie nach Angaben der EU-Anti-Piraten-Mission auch medizinisch und psychologisch betreut werden.

          „Es gab Scheinhinrichtungen“

          Der Frachter war vor vier Monaten vor der Küste Somalias gekapert worden und erst am Montag gegen die Zahlung von vermutlich knapp zwei Millionen Euro Lösegeld freigekommen. Die Besatzungsmitglieder hatten nach eigenen Berichten ein viermonatiges Martyrium mit Scheinhinrichtungen und anderen Schikanen der Piraten zu erdulden.

          Versorgung des Frachters durch einen Hubschrauber der Marine

          Das Verteidigungsministerium rechtfertigte die Lösegeldzahlung. Die stattdessen zuvor geplante Befreiungsaktion, die abgebrochen wurde, hätte Menschenleben gekostet, sagte Staatssekretär Kossendey (CDU) dem NDR. Diese Gefahr bestätigte auch der Kapitän des Containerschiffes. „Es hätte ein Blutbad gegeben. Unsere ganze Mannschaft war ja auf der Brücke verteilt, es hätte viele Tote gegeben“, sagte Kapitän Kotiuk der ARD. Die Piraten hätten sich hochgradig nervös und aggressiv verhalten, wenn Hubschrauber über dem Schiff kreisten. „Sie haben uns als menschliche Schutzschilde missbraucht.“

          Vom Abbrechen der Befreiungsaktion habe er an Bord gehört, sagte der Kapitän. Die Piraten hätten das über den Sender „BBC Somalia“ erfahren. Die 24 Besatzungsmitglieder, darunter fünf Deutsche, hätten unter massivem psychischen Druck gestanden.

          „Ich war pitschnass vor Angst“

          „Nonstop waren schwere Maschinenpistolen auf unsere Köpfe gerichtet. Das war Psychoterror rund um die Uhr“, schilderte der Kapitän. Wiederholt sei es zu Scheinhinrichtungen gekommen. Zweimal sei ihm selbst die Erschießung angedroht worden. „Die Männer zielten mit Gewehren auf mich, und mir wurden die Augen verbunden. Ich war pitschnass vor Angst und stand kurz vor einem Herzinfarkt“, sagte der Kapitän. Einer seiner Offiziere sei bei einer solchen Aktion zusammengebrochen.

          Die Versorgung an Bord beschrieb Kotiuk als miserabel. „Alles war sehr dreckig. Wir mussten uns mit 40 Personen eine Toilette teilen, die war ständig verstopft und wurde nie gesäubert.“

          Weitere Themen

          Chile soll neue Verfassung bekommen

          Gewaltsame Proteste : Chile soll neue Verfassung bekommen

          Chile soll nächstes Jahr darüber abstimmen, ob es eine neue Verfassung will. Darauf haben sich Regierung und Opposition in einem Abkommen geeinigt. Auch die neue Konstitution würde demnach dem Volk zur Billigung vorgelegt.

          Topmeldungen

          Neuer Kandidat bei Demokraten : Ein Neuer für die Mitte

          Das Feld der demokratischen Präsidentschaftsbewerber ist gut gefüllt. Trotzdem macht nun noch ein Neuer mit. Der Einstieg Deval Patricks hängt auch mit der Unzufriedenheit vieler Großspender mit den bisherigen Kandidaten zusammen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.