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Kritik an Italiens Corona-App : Männer arbeiten, Frauen kümmern sich um Pflanzen

Deutsche Urlauber in Italien sind angehalten, für die Ferien im Belpaese die Immuni-App über die App-Stores von Google oder Apple herunterzuladen und während des Aufenthalts in Italien so lange die eventuell daheim schon installierte deutsche Corona-App zu deaktivieren. Denn vorerst kann jeweils nur eine (nationale) App genutzt werden.

Wird ein Nutzer der Immuni-App positiv auf das Coronavirus getestet, soll er – in einem Akt der freiwilligen Selbst- und Gemeinschaftsverantwortung – mit einem anonymen Zugangscode, der ihm vom staatlichen Sanitätsbetrieb oder seinem Hausarzt nach der dortigen Pflichtmeldung seiner Infektion mitgeteilt wird, seine Ansteckung dem Kollektiv der Immuni-Nutzer mitteilen. Daraufhin erhalten all jene Kontaktpersonen, die in den zurückliegenden zwei Wochen einen oder mehrere automatisch generierte Zahlencodes vom Handy des nun nachweislich Infizierten empfangen haben, eine Benachrichtigung.

Einen Kontakt registriert die Immuni-App als potentiell infektionsgefährdend, wenn über mindestens fünf Minuten der Mindestabstand von zwei Metern unterschritten wird. Beim einwöchigen Testlauf wurden lediglich in Ligurien drei Neuinfektionen von Immuni-Nutzern verzeichnet – und allen anderen Nutzern mitgeteilt. In den anderen drei Testregionen gab es keine neuen Fälle.

Für die Entwicklung von „Immuni“ zuständig: Die italienische Innovationsministerin Paola Pisano
Für die Entwicklung von „Immuni“ zuständig: Die italienische Innovationsministerin Paola Pisano : Bild: AP

Das mag freilich ein gutes Zeichen sein, nämlich für weiter sinkende Infektionszahlen. Für neuerliches negatives Aufsehen sorgte am Wochenende aber der Fall einer 63 Jahre alten Frau aus Bari in Apulien. Sie hatte von der Immuni-App auf ihrem Handy die Warnung erhalten, sie sei mit einer infizierten Person in potentiell gefährlichem Kontakt gewesen. Nachdem sie sich – rein freiwillig – beim staatlichen Gesundheitsbetrieb gemeldet hatte, wurde sie zu 14 Tagen häuslicher Quarantäne verpflichtet. Unter Androhung hoher Geldstrafen bei Zuwiderhandlung, denn die vielen Notstandsdekrete der Regierung in Rom unter Ministerpräsident Giuseppe Conte gelten weiter, bis mindestens Ende Juli.

„Ich bin stinksauer“

Die Frau fühlt sich gesund, zeigt keine Symptome, hat sich nach eigener Überzeugung gewiss nicht angesteckt, weil sie sich stets an die einschlägigen Hygiene- und Abstandsvorschriften gehalten habe. Außerdem brüstet sich die Region Apulien damit, faktisch frei vom Coronavirus zu sein. Doch einen Virus-Test verweigerte der staatliche Gesundheitsbetrieb der Frau, den will sie jetzt auf eigene Kosten vornehmen lassen.

„Ich bin stinksauer“, äußerte sich die Frau gegenüber lokalen Medien: „Ich habe ziviles Verantwortungsbewusstsein gezeigt, habe die App heruntergeladen und mich nach der Warnmeldung mit dem Gesundheitsbetrieb in Verbindung gesetzt.“ Wer die App gar nicht erst heruntergeladen habe, dem drohe jetzt nicht wie ihr „ein Hausarrest im Stil von Nordkorea ohne rechtsstaatliche Einspruchsmöglichkeit“. Sie jedenfalls habe die App deinstalliert und empfehle allen Verwandten und Freunden, es ihr gleichzutun: „Mir hat diese Erfahrung gereicht!“

In nationalen Umfragen sagten zuletzt nur 44 Prozent der Italiener, sie könnten es sich grundsätzlich vorstellen, die Immuni-App zu installieren. Nur 16 Prozent sagten, sie würden die App in jedem Fall herunterladen, während 24 Prozent antworteten, dies unter keinen Umständen zu tun. Ministerin Pisano zeigte sich am Wochenende zufrieden über die bisherige Nutzung und Akzeptanz der App. Man werde jetzt mit einer nationalen Werbekampagne beginnen, um die Verbreitung von Immuni zu beschleunigen.

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