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Nachfolge in Zimbabwe : Mnangagwa soll am Freitag vereidigt werden

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Emmerson Mnangagwa soll am Freitag seinem ehemaligen Vorgesetzten Robert Mugabe im Amt des Präsidenten von Zimbabwe folgen. Bild: dpa

Emmerson Mnangagwa soll laut Medienberichten am Freitag neuer Präsident von Zimbabwe werden. „Das Krokodil“ stand jahrzehntelang fest an der Seite des Despoten Robert Mugabe.

          Nach dem Rücktritt von Robert Mugabe soll der von ihm geschasste frühere stellvertretende Präsident Emmerson Mnangagwa am Freitag als neues Staatsoberhaupt von Zimbabwe vereidigt werden. Mnangagwa, der nach seiner Absetzung das Land verlassen habe, werde Mugabe ersetzen, meldete der staatliche Rundfunk am Mittwoch auf seiner Website. Neuen Angaben zufolge soll Mnangagwa am Nachmittag aus dem südafrikanischen Exil nach Harare zurückkehren.

          Der 75 Jahre alte Mnangagwa ist durch und durch ein Gewächs des Machtsystem des zurückgetretenen Staatschefs Robert Mugabe. Der Hardliner mit dem Spitznamen „Das Krokodil“ hat engste Verbindungen zum Militär. Zudem hat er den Geheimdienst und verschiedene Ministerien geleitet. Mugabe hat Simbabwe heruntergewirtschaftet – und Mnangagwa stand stramm an seiner Seite.

          Der 1942 geborene Mnangagwa beteiligte sich von den 1960er Jahren an am Guerilla-Kampf gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Wegen Sabotageakten wurde er 1965 zum Tode verurteilt, seine Strafe wurde aber in zehn Jahre Haft umgewandelt. Später wurde er nach Sambia ausgewiesen, wo er sein Jurastudium abschloss. Von 1976 an sei er der persönliche Assistent Mugabes gewesen. „Ich bin dem Präsidenten seither immer sehr nahe gewesen“, erklärte er noch Anfang November, nachdem Mugabe ihn als Vizepräsident geschasst hatte. Sein Verhältnis zu Mugabe sei wie zwischen „Vater und Sohn“.

          Die politische Karriere des „Krokodils“ begann in der Stunde Null Zimbabwes, der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980. In den Folgejahren war er Menschenrechtlern zufolge als Geheimdienstminister einer der Architekten der Massaker in der Region Matabeleland. Dabei wurden Tausende Menschen der Ndebele-Volksgruppe getötet. Mnangagwas fragwürdige Menschenrechtsbilanz bedeute, „dass Simbabwes Zukunft in einer gefährlichen Lage ist“, erklärte unlängst Analyst Charles Laurie von der Risikoberatung Verisk Maplecroft. Mnangagwa hat eine Mitverantwortung an den Massakern stets bestritten.

          Die Frage, ab wann und wieso Mnangagwa seinen Spitznamen „Das Krokodil“ bekam, ist wohl nicht eindeutig zu beantworten. Mnangagwa selbst sagte einmal, Krokodile schlügen immer im richtigen Zeitpunkt zu. Weniger freundliche Erklärungen legen nahe, dass sein Spitzname seiner Skrupellosigkeit und Aggressivität geschuldet seien. „Mnangagwa ist ein nötiges Übel“, sagte Politikwissenschaftler Alexander Rusero vom der polytechnischen Universität in Harare. „Eine schlechte Veränderung ist besser als keine Veränderung.“ Der Politiker hat nie das Rampenlicht gesucht, er ist weder mit großer Redebegabung noch mit Charisma oder gar Volksnähe gesegnet. Aber Mugabe konnte sich auf Mnangagwa verlassen, wenn es darum ging, seine politischen Direktiven auszuführen. Nach der umstrittenen Wahl 2008, bei der die Opposition wegen Gewalt gegen ihre Anhänger die Stichwahl boykottiert hatte, verhandelte Mnangagwa für Mugabe die Bildung einer Einheitsregierung. In dieser wurde er Verteidigungsminister, von 2013 an war er Justizminister, im folgenden Jahr auch Vizepräsident – womit er zum Kronprinzen wurde.

          Doch das passte Mugabes ambitionierter zweiter Frau nicht. Die beim Volk als machthungrig und verschwenderisch verschriene Grace Mugabe (52) arbeitete immer offener daran, sich die Nachfolge ihres Mannes zu sichern. Sie begann, Mnangagwa öffentlich zu kritisieren – und Mugabe ließ sie gewähren. Der Machtkampf nahm bizarre Züge an, als Mnangagwa ihr im vergangenen Monat vorwarf, sie mit Eiscreme vergiftet zu haben. Anfang November entließ Mugabe Mnangagwa, der dann aus Angst um seine Sicherheit ins Ausland floh.

          Von dort zog er erstmals öffentlich gegen Mugabe und dessen Frau vom Leder. Die Regierungspartei sei inzwischen unter der Kontrolle von „undisziplinierten, egoistischen und sich selbst dienenden“ Funktionären, die ihre Macht nicht vom Volk sondern nur von der Familie des Präsidenten hätten. „Die Partei ist kein Privatbesitz für sie und ihre Frau, um damit zu machen, was sie wollen“, erklärte er an seinen früheren Mentor Mugabe gerichtet. Mugabe glaube wohl, er „sei berechtigt, das Land bis zu seinem Tod zu führen“.

          Sein Rauswurf Mnangagwas war der Tropfen, der das Fass auch für seine engen Verbündeten im Militär zum Überlaufen brachte und schließlich zum Putsch vom vergangenen Mittwoch führte. Nach Mugabes Rücktritt gab sich Mnangagwa staatsmännisch. „Wir werden zusammen einen friedlichen Machtwechsel und die Festigung unserer Demokratie sicherstellen“, sagte er. Er wolle sich nun den „politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen“ des Landes stellen. Doch im kommenden Jahr wird er den Wählern erklären müssen, wieso sie nach fast vier Jahrzehnten Mugabe nun einen seiner engsten Vertrauten wählen sollten.

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