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Emmanuel Macron : Der Sonnyboy liest Goethe

Macron verheißt die Wiederbelebung eines alten Ideals

In seinem Buch hat er auch seine Familiensaga niedergeschrieben. Es ist die Geschichte eines Aufstiegs, der mit der Urgroßmutter in den Pyrenäen beginnt, die weder lesen noch schreiben kann. Und sich an der Großmutter, einer Lehrerin in der Picardie, kristallisiert. „Ich verdanke meiner Großmutter so viel“, sagt Macron in Lyon. Er ist eine Verheißung dafür, dass das alte Ideal vom Aufstieg über Bildung und Verdienst wieder belebt wird. Das macht ihn für so viele Franzosen attraktiv, die das Vertrauen in die traditionellen Parteien verloren haben. Der smarte und reformhungrige Macron, so hoffen sie, werde es schaffen, Frankreich aus der Abstiegsspirale zu führen. „Wir sind die Partei der Arbeit“, betont Macron. Er will nicht die Erben und Vermögensverwalter stärken, sondern diejenigen, die sich wie er mit Fleiß und Leistung nach oben arbeiten. Aber für seine Ideen wird er eine Mehrheit im Parlament brauchen, und wie soll er die ohne Partei bekommen? Der Zentristenpolitiker Jean Peyrelevade warnte in einem Meinungsartikel, Macron könne zwar Frankreich vor Le Pen retten und zum Präsidenten gewählt werden, aber er werde das Land ohne Parlamentsmehrheit in eine institutionelle Blockade führen.

Kämpfen gegen Gerüchte, Macron habe eine homosexuelle Beziehung: der Kandidat und seine Frau Brigitte im Oktober in Montpellier

Macron beschreibt sich in Lyon als Pionier, der auf den Ruinen des Zweiparteiensystems etwas Neues aufbauen will, eine Bewegung des „Wohlwollens“, wie er sagt. Er will in jedem der 577 Wahlkreise Kandidaten aufstellen. Die Hälfte sollen politische Neulinge und Frauen sein. Die andere Hälfte der Kandidaten will er von den Sozialisten, den Grünen, den Konservativen und den Zentristen abwerben. Macron verbietet dem Saal, den angeschlagenen Kandidaten der bürgerlichen Rechten, François Fillon, auszubuhen und auszupfeifen: „Seien Sie ernst, denn wir erleben ernste Zeiten.“

Schlimm sei, dass vermutlich die Rechtspopulisten vom Front National von dem Skandal um Fillon profitierten. Macron nennt den Rechtspopulismus „die Lepra der Demokratie“. Vor den Abschottungsträumen der Le-Pen-Anhänger warnt er eindringlich. „Wir gehören alle diesen Generationen an, die den Berliner Mauerfall erlebt haben. Wir sollten niemals vergessen, dass Europa Mauern gehabt hat, niemals!“ Macron hält den Rechtspopulisten „einen Verrat an der Freiheit“ vor, weil sie „unseren Horizont verengen wollen“. Sie behaupteten, im Namen des Volkes zu sprechen, „aber sie sprechen für sich selbst“. Der Front National sei die Partei eines Familienclans, von Vater zu Tochter bis zur Nichte. „Meine Freunde, lassen Sie uns ihnen zurufen, die an nichts mehr glauben: Das Beste liegt noch vor uns!“

Eine Gefahr für Marine Le Pen

Marine Le Pen weiß, wie gefährlich Macron für sie ist. Als „Kandidaten der Leere“ verspottet sie ihn. „Die neueste von der Oligarchie produzierte Medienblase ist Macron, er steht für nichts, repräsentiert niemand, hat keinerlei Idee und noch nie gewagt, sich einer demokratischen Wahl zu stellen.“

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