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Kommentar zu Macron : Im Rückwärtsgang

„Macron tritt zurück“: Große Worte auf den Protesten in Frankreich Bild: Reuters

Der Reformwille in Frankreich erlahmt, der junge Präsident ist schnell entzaubert worden. Doch Macron steht damit nicht allein: Es scheint ein Fluch auf den großen europäischen Ländern zu liegen.

          Wie oft ist nicht darüber geklagt worden, dass aus Deutschland keine substantielle Antwort auf die vielen Vorschläge des französischen Präsidenten zur Reform der EU gekommen sei. Die Klage war berechtigt. Doch jetzt droht die Zeit darüber hinwegzugehen. Unter dem Eindruck gewaltsamer Proteste (und der auf seine Person zielenden Feindseligkeit) legt Macron den Rückwärtsgang ein. Die Steuererhöhung auf Treibstoff wird erst einmal zurückgestellt; man kann annehmen, dass auch auf anderen Feldern, etwa der Bildungspolitik, der Reformwille spürbar erlahmen wird.

          Es ist sicher übertrieben, Macron schon jetzt, nach eineinhalb Jahren im Amt, als „lahme Ente“ abzuschreiben. Und doch ist der junge Präsident so schnell entzaubert worden. Wie handlungsfähig wird er künftig sein – und auf welchen Feldern? Es ist geradezu ein Fluch, dass die großen europäischen Länder so auseinanderlaufen: im Vereinigten Königreich droht der Brexit, Italien ist auf Populismuskurs, in Deutschland wird es eine neue Führung geben, Frankreich erlebt Revolte und Aufruhr. Wenn man da nicht pessimistisch wird.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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