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Putin bei Macron : Handschlag vor Siegerkulisse

Selten zuvor wurde ein Begrüßungsritual in Frankreich mit solcher Spannung erwartet: Putin bei seiner Ankunft in Versailles Bild: EPA

Dass der französische Staatschef Macron den russischen Präsidenten Putin mit allem Pomp im Schloss Versailles empfing, war mehr als nur eine prächtige Kulisse. Der Ort war mit Bedacht gewählt – und von hoher Symbolkraft.

          Noch nie wurde ein Begrüßungsritual so argwöhnisch verfolgt wie am Montag im Ehrenhof des Schlosses von Versailles. Ein Aufgebot der Garde Républicaine mit glitzernden Säbeln und glänzenden Helmen mit Schweif stand Spalier, als Emmanuel Macron den russischen Präsidenten Wladimir Putin vor seiner schwarzen Stretchlimousine (Marke Mercedes) in Empfang nahm – und mit einem kräftigen, aber sehr kurzen Handschlag begrüßte.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          In der gleißenden Mittagssonne leuchtete das Blattgold an der frisch renovierten Fassade des Schlosses besonders. Hunderte Kameras filmten die Szene, einige Kameraleute riefen den beiden Präsidenten sogar in verschiedenen Sprachen „Händeschütteln“ zu. Doch Putin und Macron entzogen sich vor der königlichen Kulisse dem vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump eingeführten Kräftemessen beim Handschlag. Über den roten Teppich verschwanden die beiden zu einem ersten Gespräch im sogenannten Cabinet d'angle. König Ludwig XV. liebte den Raum, dessen doppelte Fensterfront den Blick auf den Marmorhof und auf den Königlichen Hof freigibt.

          Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der 120 Meter langen Schlachtengalerie (Galerie des Batailles) zeigten sich die beiden Präsidenten zur Zusammenarbeit bereit, offenbarten aber auch spürbare Divergenzen. Macron wiederholte mehrmals, dass sie sich als Präsidenten in eine wesentlich längere französisch-russische Geschichte einzufügen hätten. Macron sagte, der Austausch solle verstärkt werden. Nach dem Vorbild des deutsch-russischen Forums solle ein französisch-russisches „Trianon-Forum“ geschaffen werden. Macron will zur Beilegung der Ukraine-Krise an das „Normandie-Format“ seines Vorgängers  anknüpfen. Der Name geht auf das erste Treffen des russischen, des ukrainischen und des französischen Präsidenten mit der Bundeskanzlerin in der Normandie zum 70. Jahrestag der Anlandung der Alliierten im Juni 2014 zurück.

          Macron sagte in Versailles, Putin sei der Präsident eines Landes, das im  Zweiten Weltkrieg „die Freiheit Europas“ verteidigt habe. Dieses Lob nahm Putin sichtlich geschmeichelt auf und hob sofort zu einem Appell an „alle  Journalisten“ an, sich gegen Wirtschaftssanktionen gegen Russland auszusprechen. „Sanktionen helfen nicht zur Krisenlösung“, sagte Putin. Macron stand mit erstarrter Mine neben ihm, als der russische Präsident sich rechtfertigte, Marine Le Pen im Kreml empfangen zu haben. Putin hatte die Rechtspopulistin einen Monat vor dem ersten Wahlgang in Moskau wie einen hohen Staatsgast gewürdigt. Putin sagte, es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Le  Pen im Kreml empfangen worden sei. Sie habe sich um die französisch-russischen Beziehungen sehr verdient gemacht.

          Das Loblieb auf Le Pen konterte Macron mit einer sehr deutliche Attacke gegen die vom Kreml finanzierten Medien „Russia  Today“ und „Sputnik“. Diese hätten während des Wahlkampfes in Frankreich  „infame Gerüchte“ verbreitet. Macron sagte, es handele sich nicht um Journalisten, sondern um Propaganda-Organe. Putin kommentierte diese harsche Kritik nicht.

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