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Elisabeth II. in Belfast : Historisch

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Der Besuch von Königin Elisabeth II. in Belfast zeigt, wie weit Nordirland in nur einem Jahrzehnt gekommen ist. Die Königin hat abermals ihr Gespür für Symbolik bewiesen und damit zur weiteren Entspannung beigetragen.

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          Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte Martin McGuinness kaum etwas dagegen gehabt, wenn einer seiner Genossen Königin Elisabeth II. getötet hätte. Am Mittwoch haben sich der stellvertretende Erste Minister in Nordirland und die Monarchin zu einem Gespräch getroffen und anschließend öffentlich die Hände geschüttelt.

          Und der ehemalige „Stabschef“ der Irisch-Republikanischen Armee hat Gottes Segen für die Königin erbeten. Dies zeigt, wie weit Nordirland in nur gut einem Jahrzehnt gekommen ist. Noch ist nicht alles gut in der ehemaligen Unruheprovinz. Aber niemand hält heute eine Rückkehr zum Bombenterror für möglich.

          Die Königin hat ein weiteres Mal ihr feines Gespür für Symbolik bewiesen und damit zur weiteren Entspannung beigetragen. Wie bei ihrem Staatsbesuch in der Republik Irland im vergangenen Jahr trug sie auch jetzt in Belfast grün, die Farbe der Republikaner. So etwas ist wichtig für eine Gemeinschaft, die sich nicht zu Unrecht jahrzehntelang von politischer und wirtschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen fühlte. Ebenso feinfühlig haben sich die Organisatoren der Begegnung verhalten.

          Nordirland ist auf gutem Weg

          Dieser Programmpunkt des königlichen Besuchs in der Provinz Nordirland war offiziell nicht Bestandteil der Feierlichkeiten zum sechzigjährigen Thronjubiläum Elisabeths. Dieses ist nämlich auch für einen geläuterten Martin McGuinness kein Grund zum Feiern. Denn, da ist er konsequent, er bleibt ein überzeugter Republikaner. Es ist erfreulich, dass es gerade dieser Königin im hohen Alter noch vergönnt war, diesen historischen Handschlag zu vollziehen. Elisabeth II. hat nicht nur lange Zeit damit rechnen müssen, von irischen Terroristen getötet zu werden. Sie hat während der „troubles“ auch Verwandte verloren.

          Nordirland ist auf gutem Weg. Am Ziel ist die Provinz allerdings erst dann, wenn nicht mehr wichtig ist, ob jemand aus einem „unionistischen“ oder einem „republikanischen“ Viertel einer Stadt stammt. Elisabeth II. war bei einer Initiative zu Gast, die sich zum Ziel gesetzt hat, Begegnungen zwischen den unterschiedlichen Gruppierungen zu fördern. Es ist gut, dass es so etwas gibt. Es ist schade, dass es so etwas immer noch geben muss. Aber die Größe, die britische und irische Politiker im nordirischen Friedensprozess gezeigt haben, taugt als Vorbild für andere Weltgegenden.

          Peter Sturm
          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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