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Elisabeth Borne : Eine Premierministerin, die mit Widerständen umgehen kann

Aufsteigerin: Elisabeth Borne ist neue Premierministerin. Bild: AFP

Arbeitstier und erfahrene Bürokratin: Macrons neue Premierministerin Elisabeth Borne ist eine Bildungsaufsteigerin, die Frankreichs Eliteschmieden besucht hat – und Auseinandersetzungen mit Gewerkschaften gut kennt.

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          Erst zum zweiten Mal in der Geschichte der Französischen Republik führt eine Frau die Regierungsgeschäfte. Präsident Emmanuel Macron hat am Montag die 61 Jahre alte bisherige Arbeits- und Sozialministerin Elisabeth Borne zur Premierministerin ernannt. Ihre Vorgängerin Edith Cresson, die 1991 nur elf Monate im Amt blieb, wünschte ihr viel „Courage“. Borne hat direkt nach den Gelbwestenprotesten von Juli 2019 bis Juli 2020 das Umweltministerium geleitet. Sie glättete die Wogen des Protests, die durch die schlecht vorbereitete Ökosteuer auf Treibstoff entstanden waren. Schon zuvor hatte sie als Verkehrsministerin bewiesen, dass sie Herausforderungen standhält.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Sie war es, die gegen den Widerstand der Gewerkschaften die Privilegien der Eisenbahner der staatlichen Eisenbahngesellschaft SNCF, insbesondere die vorteilhaften Ruhestandsregelungen abschafften. Damit scheint sie gestählt für Macrons Vorhaben, das Renteneintrittsalter schrittweise von 62 auf 65 Jahre anzuheben. Gewerkschaftsführer haben sie in der Streikzeit „Calamity Borne“ getauft. Doch die als eher trocken geltende Frau hat sich um üble Nachrede nie geschert.

          Verdankt ihren Aufstieg dem französischen Begabtenförderungssystem

          Die Ingenieurin hat gleich zwei Eliteschmieden absolviert, Ecole polytechnique und Ponts et Chaussées. Da sie in ihren Anfängen für den sozialistischen Premierminister Lionel Jospin und die sozialistische Umweltministerin Ségolène Royal arbeitete, gilt sie als Sozialdemokratin, auch wenn sie nie ein sozialistisches Parteibuch hatte. Die frühere Chefin des öffentlichen Nahverkehrsunternehmens RATP (2015-2017) in Paris hat frühzeitig „grüne Themen“ gefördert und für eine „Mobilitätskehrtwende" plädiert, um Klimaziele einzuhalten und den Umweltschutz zu verbessern.

          Borne verdankt ihren Aufstieg dem französischen Begabtenförderungssystem. Sie wuchs in Paris als Halbwaise auf. Die aus der Normandie stammende Mutter arbeitete als Apothekerin, ihr Vater, ein russisch-jüdischer Widerstandskämpfer, hatte die Deportation nur mit schweren gesundheitlichen Schäden überstanden und starb, als sie elf Jahre alte war. Borne fiel durch ihre herausragenden Mathematikkenntnisse auf.

          Borne gilt als Arbeitstier

          Die Spitzenbeamtin sammelte aber auch Unternehmenserfahrung bei der SNCF und bei dem Bauunternehmen Eiffage. Zwischen 2008 und 2013 wirkte sie als Urbanismus-Direktorin im Rathaus von Paris, später wurde sie Präfektin der Region Poitou-Charentes. Borne gilt als Arbeitstier. Ihre erste Korrespondenz versendet sie um sechs Uhr morgens, die letzte kurz nach Mitternacht. Die geschiedene Mutter eines Sohnes hatte bislang nicht versucht, ihr Image als trockene Bürokratin zu verändern.

          Doch jetzt soll sie die Präsidentenbewegung im Wahlkampf für die Parlamentswahlen am 12. und 19. Juni anführen. Von ihr wird erwartet, dass sie Rednertalent an den Tag legt. Viele Franzosen kannten sie bislang kaum. Das könnte sich jetzt schnell ändern. Borne wird kaum noch Zeit für ihre liebste Freizeitbeschäftigung finden, lange Wanderungen durch die Wüsten in Marokko oder Jordanien. Durststrecken ist sie bereits gewohnt.

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