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Elfenbeinküste : Weitere Sanktionen gegen Gbagbo

  • Aktualisiert am

Laurent Gbagbo, der mutmaßlich abgewählte Präsident der Elfenbeinküste Bild: dpa

Sanktionen und eingefrorene Konten in Amerika sollen den Druck auf Laurent Gbagbo, den mutmaßlich abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste erhöhen. Der neu gewählte Präsident Ouattara schlug derweil eine „Entführung“ Gbagbos vor.

          Im Machtkampf in der westafrikanischen Elfenbeinküste haben die Vereinigten Staaten ihren Druck auf den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo verstärkt und weitere Sanktionen verhängt. Allen amerikanischen Bürgern ist es nun verboten, Geschäfte mit Gbagbo, seiner Frau sowie engen Vertrauten zu machen, wie das Finanzministerium in Washington mitteilte.

          Unterdessen versuchte Gbagbo, der sich seit nahezu sechs Wochen weigert, das Amt an seien gewählten Nachfolger zu übergeben, den Botschaftern Kanadas und Großbritanniens die Akkreditierungen zu entziehen. Beide Länder unterstützen Alassane Ouattara, der als Sieger aus der Präsidentschaftswahl im November hervorgegangen ist.

          Ouattara sprach sich in einem am Freitag in der französischen Zeitung „Le Figaro“ für eine „Entführung“ Gbagbos ab. Falls ein Militäreinsatz nötig werde, so sollte er sich gezielt gegen den Präsidentenpalast richten, in dem Gbagbo sich derzeit verschanze. „Die Erfahrung zeigt, dass die Söldner in solchen Fällen eher flüchten als den Kampf zu wagen“, sagte Ouattara.

          UN-Soldaten schützen den derzeitigen Aufenthaltsort von Alassane Ouattara, ein Hotel in Abidjan.

          „Gbagbo ist jemand, der Blut an den Händen hat“

          Die westafrikanischen Staatengemeinschaft Ecowas hatte Gbagbo gedroht, ihn mit einer Militäraktion aus dem Amt zu entfernen, falls er nicht freiwillig die Macht an Ouattara übergibt. Mehrere Ecowas-Staaten, darunter Nigeria, hatten allerdings bereits einschränkend erklärt, sie könnten wegen ihrer Verpflichtungen in UN-Missionen nicht noch mehr Truppen aufbringen.

          Ouattara bot Gbagbo eine Amnestie und den diplomatischen Status eines Ex-Präsidenten an. „Aber er sollte es schnell akzeptieren, denn Gbagbo ist jemand, der Blut an den Händen hat“, sagte er. Erneut warf er Gbagbo vor, Söldner aus Liberia anzuheuern. „Seine Milizen ermorden jede Nacht unschuldige Bürger“, sagte er. Nach UN-Angaben sind in dem Machtkonflikt seit Ende November mehr als 200 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen waren Anhänger Ouattaras.

          Die britische Regierung wies die Ausweisung ihres Botschafters als „ungültig„“ zurück. Wie ein Sprecher des Außenministeriums in London in der Nacht zum Freitag mitteilte, dürfe nur Ouattara als demokratisch gewählter Präsident der Elfenbeinküste entsprechende Anweisungen erteilen.

          Alle Besitztümer Gbagbos in Amerika eingefroren

          Nach Angaben der amerikanischen Regierung werden alle Besitztümer Gbagbos, seiner Frau und seiner drei Vertrauten in den Vereinigten Staaten eingefroren. Ziel sei, Gbagbo und seine Verbündeten finanziell zu isolieren und zum Aufgeben zu bewegen. Die Vereinigten Staaten hatten zuvor bereits Reisesanktionen gegen den ehemaligen Präsidenten und viele seiner Mitstreiter erlassen. Auch die EU hat Einreiseverbote gegen Gbagbo und andere seiner Parteigänger erlassen.

          Wie die BBC am Donnerstagabend berichtete, kamen bei gewaltsamen Zusammenstößen im Westen der Elfenbeinküste mindestens 14 Menschen ums Leben. Die Vereinten Nationen befürchteten, dass nach den Zwischenfällen in der Region um Duekoue der Machtkonflikt zwischen Gbagbo und Ouattara auf weitere Landesteile übergreift. Außer rivalisierenden Milizen sollen sich auch Söldner aus dem benachbarten Liberia in dem Gebiet aufhalten.

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