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Elfenbeinküste : UN bieten Gbagbo die Stirn

  • -Aktualisiert am

Angespannte Lage in Abidjan Bild: dapd

In der Elfenbeinküste droht ein gewalttätiger Konflikt zwischen dem international nicht anerkannten Präsidenten Laurent Gbagbo und der UN-Mission Onuci. Bei gewaltsamen Ausschreitungen sind nach UN-Angaben in den vergangenen drei Tagen mehr als 50 Menschen getötet worden.

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          Bei gewaltsamen Ausschreitungen in der Elfenbeinküste sind nach UN-Angaben in den vergangenen drei Tagen mehr als 50 Menschen getötet worden. Zudem seien in diesem Zeitraum mehr als 200 Menschen verletzt worden, erklärte am Sonntag in Genf die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. In der Elfenbeinküste ist die Lage seit der umstrittenen Präsidentschaftswahl Ende November äußerst gespannt. Pillay zeigte sich besorgt über die „massiven Menschenrechtsverletzungen“ in dem afrikanischen Land.

          In der Elfenbeinküste droht ein gewalttätiger Konflikt zwischen dem international nicht anerkannten Präsidenten Laurent Gbagbo und der UN-Mission Onuci. Gbagbo forderte am Wochenende den sofortigen Abzug der UN-Mission und der französischen Militärmission „Opération Licorne“. Die Präsenz der fremden Truppen verletze die Souveränität des ivorischen Staates. Die Vereinten Nationen hatten Gbagbo zuvor aufgefordert, die Macht an den mutmaßlichen Sieger der Präsidentenwahl von Ende November, Alassane Ouattara, abzutreten.

          „Wir bereiten uns inzwischen auf alles vor“

          UN-Generalsekretär Ban Ki-moon wies die Forderung nach einem Abzug umgehend zurück. Er bekräftigte, dass die UN anstrebten, das Ende Dezember regulär endende Mandat der Onuci zu verlängern. Daraufhin beschossen „Männer in Uniformen“ am Samstagabend eine Patrouille von Blauhelmsoldaten in der ivorischen Wirtschaftsmetropole Abidjan. Auch das Gebäude der UN wurde unter Feuer genommen. „Wir bereiten uns inzwischen auf alles vor“, sagte der Onuci-Sprecher am Sonntag. Die Mission der Vereinten Nationen hat wie nahezu alle westlichen Botschaften ihr Personal in der Elfenbeinküste in Erwartung bürgerkriegsähnlicher Zustände bereits reduziert.

          Soldaten der UN-Mission Onuci

          Frankreich, das in Abidjan nach wie vor einen militärischen Stützpunkt unterhält, reagierte zunächst nicht auf die Forderung nach einem Abzug der „Opération Licorne“. Die französische Truppe steht zwar unter dem Befehl des Pariser Generalstabs, ist aber mit einem Mandat der Vereinten Nationen versehen.

          „Opération Licorne“ hatte unmittelbar nach Beginn des Bürgerkrieges 2002 mit dem Einverständnis von Gbagbo begonnen und maßgeblich dazu beigetragen, die Frontlinie zwischen Regierungstruppen und Rebellen „einzufrieren“. Auf dem Höhepunkt der Krise umfasste die französische Truppe nahezu 6000 Soldaten. Doch wurde die Truppenstärke inzwischen auf 900 Soldaten reduziert, deren Aufgabe es ist, die Onuci zu unterstützen. Die UN-Mission in der Elfenbeinküste wiederum hatte im April 2004 begonnen und zählt inzwischen rund 10.000 Soldaten, Polizisten und zivile Mitarbeiter.

          Gbagbo war nach den Wahlen Ende November vom ivorischen Verfassungsrat mit 51 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt worden. Die unabhängige Wahlkommission jedoch hatte Alassane Ouattara mit 54 Prozent der Stimmen zum gewählten Präsidenten erklärt. Das Gbagbo-Lager sprach jedoch von massiven Wahlfälschungen im Norden der Elfenbeinküste zugunsten Ouattaras. Deshalb hatte der Verfassungsrat die Ergebnisse aus drei Wahlbezirken annulliert.

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