https://www.faz.net/-gpf-ysp7

Elfenbeinküste : Mehr als 800 Tote an einem Tag

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Machtkampf in der Elfenbeinküste wird immer brutaler: Im Westen des Landes sind nach Angaben des Roten Kreuzes mehr als 800 Menschen ermordet worden. Das Massaker ereignete sich demnach in der von Anhängern des international anerkannten Präsidenten Ouattara eingenommenen Stadt Duékoué.

          2 Min.

          Im Westen der seit einer Woche schwer umkämpften Elfenbeinküste sind nach Angaben des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes (IKRK) mehr als 800 Menschen ermordet worden. Das IKRK sagte am Samstag an seinem Sitz in Genf, internationale und lokale Mitarbeiter hätten „zahlreiche Leichen“ in der Ortschaft Duékoué vorgefunden und zeigte sich bestürzt über das „Ausmaß dieser Brutalität“.

          Duékoué liegt an einer wichtigen Straßenkreuzung im Westen der Côte d'Ivoire und war am vergangenen Mittwoch von Kämpfern des international anerkannten ivorischen Präsidenten Alassane Ouattara erobert worden. Das Massaker soll sich den Angaben des IKRK zufolge am Donnerstag zugetragen haben, wobei einiges darauf hindeute, dass ethnische Rivalitäten der Anlass waren, die in dem Moment ausbrachen, als die Truppen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo aus der Ortschaft vertrieben worden waren.

          Das Ouattara-Lager ließ am Samstag mitteilen, man habe „zahlreiche Massengräber“ in der Region gefunden und machte das Gbagbo-Lager dafür verantwortlich. Ein Sprecher der Vereinten Nationen hingegen äußerte den Verdacht, dass die Ouattara-Truppen, die seit dem Bürgerkrieg von 2002 bis 2007 den Norden des Landes kontrollieren, sich bei ihrem Vormarsch auf die Wirtschaftsmetropole Abidjan schwerer Menschenrechtsverletzungen schuldig gemacht hätten.

          In Abidjan herrscht Anarchie

          In Abidjan gingen unterdessen die Kämpfe zwischen Ouattara-Truppen und denen seines Widersachers Gbagbo um die Kontrolle der Stadt am Samstag weiter, wenngleich mit weniger Intensität als noch am Tag zuvor. Die „Forces répubicianes“ genannten ehemaligen Rebellen hatten am vergangenen Montag eine Großoffensive gegen Gbagbo gestartet und dabei innerhalb von vier Tagen nahezu das ganze Land überrannt.

          Gbagbo, der nur noch auf seine rund 2000 Mann starke Präsidentengarde sowie eine unbekannte Anzahl bewaffneter Zivilisten zählen kann, hält sich angeblich in seiner heftig umkämpften Residenz in Abidjan verschanzt. In der Stadt ist Anarchie ausgebrochen, weil die bewaffneten Gbagbo-Milizen der „Jeunes Patriotes“ raubend und mordend durch die Straßen ziehen. Nach Einschätzung des französischen Generalstabes ist Abidjan inzwischen „offen für Plünderer“. Französische Soldaten patrouillieren zwar in einigen Stadtteilen der Wirtschaftsmetropole, konnten der Plünderungen aber auch nicht Einhalt gebieten.Am Freitag war bekannt geworden, dass bei einem Feuergefecht zwischen Soldaten der UN-Mission in Côte d'Ivoire, Onuci, und der Präsidentengarde fünf ivorische Soldaten getötet worden waren.

          Der Machtkampf um das Präsidentenamt in der Elfenbeinküste war unmittelbar nach den Präsidentschaftswahlen im November vergangenen Jahres ausgebrochen. Sowohl Ouattara als auch Gbagbo reklamieren seither den Sieg für sich. Die internationale Gemeinschaft erkennt hingegen nur Ouattara als Sieger an und fordert Gbagbo seither vergeblich auf, die Macht abzugeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die typische Landschaft des Teufelsmoor bei Worspwede bei Bremen.

          Bedrohte Moorgebiete : Die unterschätzten Klimaretter

          Die Moore sind gefährdet. Immer mehr dieser Feuchtgebiete trocknen aus. Dabei sind sie für das Erdklima mindestens so wichtig wie unsere Wälder, wie zwei aktuelle Studien belegen.
          Mario Draghi und seine Nachfolgerin Christine Lagarde.

          Wechsel an der EZB-Spitze : Draghi und die Deutschen

          Nirgendwo ist EZB-Präsident Mario Draghi, der am 31. Oktober abtritt, auf so viel Protest gestoßen wie in Deutschland. Am Ende hat er die Macht der Europäischen Zentralbank überdehnt. Eine Bilanz.

          Video-Filmkritik: „Terminator 6“ : Killermaschinistinnen vor!

          Der sechste Film der „Terminator“-Reihe ignoriert die Teile drei, vier und fünf zugunsten einer gigantischen Karambolage zahlreicher Gegenwartsprobleme und Zukunftsaussichten: „Terminator: Dark Fate“ ist ein Katalog der Körperpolitik für Menschen und Maschinen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.