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Elfenbeinküste : Gbagbos Residenz unter Beschuss

  • -Aktualisiert am

Bild: afp

Truppen des gewählten Präsidenten Ouattara unternehmen anscheinend in Abidjan einen „finalen Angriff“ auf die Residenz seines Kontrahenten Gbagbo. Der ivorische Machthaber verhandelt über „sicheres Geleit“ und bittet um Schutz durch UN-Truppen.

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          Nach der Weigerung des ivorischen Machthabers Laurent Gbagbo, trotz seiner militärischen Niederlage von seinem Amt zurückzutreten, haben die Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara am Mittwoch abermals die Residenz des Präsidenten im Abidjaner Stadtteil Cocody angegriffen, wo sich Gbagbo zusammen mit einigen Gefolgsleuten in einem Bunker verschanzt hält.

          „Wir werden Gbagbo aus seinem Loch herausholen und ihn dem gewählten Präsidenten der Republik überstellen. Diese Komödie hat lange genug gedauert“, sagte der Sprecher der Ouattara-Regierung, Sidiki Konaté. Neben der Residenz wurden auch wieder der Präsidentenpalast im Stadtteil Plateau sowie die große Kaserne von Agban im Stadtteil Williamsville unter Feuer genommen.

          Gbagbos Truppen hatten am Dienstagmorgen ihren Widerstand gegen die seit mehr als zehn Tagen dauernde Offensive Ouattaras eingestellt und die Waffen gestreckt, nachdem zuvor Hubschrauber der UN-Mission Onuci als auch französische Kampfhubschrauber mit Luftschlägen nahezu alle ihrer schweren Waffen in Abidjan zerstört hatten. Seither verhandelt Gbagbo über sicheres Geleit in ein Drittland und hatte zudem um Schutz durch UN-Truppen gebeten.

          Unglaublich, dass das Schicksal eines Landes bei „einer Pokerpartie ausländischer Mächte” ausgetragen würde, sagte Gbagbo

          Gbabo lehnt Rücktritt ab

          Gleichwohl weigert er sich, formal zurückzutreten und ein Dokument zu unterschreiben, in dem er den Wahlsieg Ouattaras anerkennt, wie es die UN-Mission und Frankreich fordern. „Ich will die Wahrheit der Urnen“, sagte Gbagbo in einem Telefongespräch mit einem französischen Rundfunksender am Dienstagabend. „Ich habe die Wahlen gewonnen. Warum soll ich Ouattara anerkennen?“ Weiter sagte er, „wenn der Tod kommt, dann kommt er eben.“

          Nach der Präsidentenwahl im November vergangenen Jahres hatten sich sowohl Ouattara als auch Gbagbo zum Sieger erklärt. Gbagbos Sprecher Ahoua Don Mello bezeichnete die neuen Attacken der „Forces républicaines“, wie die ehemaligen Rebellen aus dem Norden des Landes genannt werden, als „Mordversuch“. Am Mittwochnachmittag hörten die Schießereien indes auf, ohne das klar wurde, ob Gbagbo gefangenen genommen oder gar getötet wurde.

          Die jüngsten Angriffe erfolgten nach Angaben aus französischen Regierungskreisen auf direkten Befehl von Ouattara, der der Auffassung sei, die Verhandlungen mit Gbagbo über dessen Machtverzicht zögen sich unnötig in die Länge. Ziel sei es aber, Gbagbo „lebendig“ zu fassen.

          Juppé: „Absurde Starrköpfigkeit“

          Der französische Außenminister Alain Juppé bezeichnete Gbagbos Haltung angesichts der Kapitulation seiner Armee als „absurde Starrköpfigkeit“. Die französische Armee bestritt am Dienstag, in die Kampfhandlungen verwickelt zu sein. „Wir tun, was wir schon die ganze Zeit tun, nämlich die Sicherheit von Ausländern zu garantieren“, sagte ein Sprecher der „Opération Licorne“, wie die inzwischen auf 2000 Soldaten gestiegene Militärmission der Franzosen genannt wird.

          Unterdessen verhängte die Europäische Union neue Sanktionen gegen das Regime von Gbagbo. So ist nunmehr der Kauf von ivorischen Staatsanleihen und Schuldbriefen ebenso verboten wie die Gewährung von Krediten an den ivorischen Staat.

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