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Elfenbeinküste : Gbagbos letzte Trumpfkarte: als Märtyrer sterben

  • -Aktualisiert am

Dos Santos hatte am Mittwoch noch einmal deutlich gemacht, dass er Gbagbo als einzig legitimen Präsidenten der Elfenbeinküste betrachtet. Angola und die Elfenbeinküste unterhielten exzellente Beziehungen, seit Gbagbo die Rebellen der angolanischen Unita im Jahr 2000 aus Abidjan hinauswarf, wo sie das Geld aus dem Verkauf von Blutdiamanten wuschen. Im März 2009 unterzeichneten beide Staaten ein Verteidigungsabkommen, dass sowohl die Ausbildung der ivorischen Präsidentengarde durch angolanische Spezialisten vorsah als auch militärische Hilfe im Falle eines Konfliktes.

Dramatischen Rettungsaktion

Solange Gbagbo sich hält, gerät die Lage in Abidjan immer mehr außer Kontrolle. In einer dramatischen Rettungsaktion haben französische Soldaten in der Nacht zum Donnerstag den japanischen Botschafter sowie ein knappes Dutzend seiner Mitarbeiter in Sicherheit gebracht. Gbagbo-Kämpfer hatten seine Residenz als vorgeschobenen Gefechtsstand missbraucht und von dort die französische Botschaft beschossen.

Bei der Rettungsaktion nahmen französische Hubschrauber abermals Stellungen Gbagbo-treuer Kämpfer im Stadtteil Cocody unter Feuer.Daraufhin versuchten Gbagbo-Soldaten, sich gewaltsam Zutritt zur Residenz des französischen Botschafters zu verschaffen, die unmittelbar an die ivorische Residenz angrenzt; sie wurden erschossen. Indien und Israel haben Frankreich am Donnerstag ersucht, ihr Botschaftspersonal ebenfalls aus dem umkämpften Cocody heraus zu eskortieren. Im zentral gelegenen Hotel Novotel im Geschäftsviertel von Abidjan baten 20 ausländische Journalisten darum, von der „Operation Einhorn“ aus einer zusehends gefährlicher werdenden Situation gerettet zu werden.

Es droht eine Katastrophe

Solche Privilegien genießen die fünf Millionen ivorischen Einwohner der Stadt nicht. Sie schlittert vielmehr jeden Tag ein bisschen mehr in das hinein, was mit „humanitärer Katastrophe“ nur unzureichend beschrieben ist: kaum Wasser, kein Strom, nichts zu essen, keine Medikamente, und draußen auf den Straßen ziehen bewaffnete Plünderer umher. Die Regierung Ouattara rief am Mittwochmorgen alle Polizisten und Gendarmen auf, sich unverzüglich zum Dienst zu melden und ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Nachgekommen ist der Aufforderung aber niemand. Zu gefährlich, hieß es.

Der Bunker, in dem sich Gbagbo aufhält, ist übrigens ein Relikt aus Tagen der „Francafrique“. Dass ausgerechnet jener ivorische Präsident, der den Einfluss Frankreichs beschneiden wollte, sich darin verschanzt, ist nicht ohne Ironie. Dieser Bunker mündet nämlich in einen Tunnel, der die Residenz des ivorischen Präsidenten mit der unmittelbar daran grenzenden Residenz des französischen Botschafters verbindet. Die Anlage diente dem Vorgänger Gbagbos, Henry Konan-Bédié, als Rückversicherung gegen unfreundliche politische Entwicklungen. Mit dem Amtsantritt Gbagbos, so versicherte einst ein französischer Botschafter dieser Zeitung, sei der Tunnel zugeschüttet worden.

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