https://www.faz.net/-gpf-yvww

Elfenbeinküste : Gbagbo weiter umzingelt - Japans Botschafter angegriffen

  • Aktualisiert am

Ouattara-Truppen haben den Präsidentenpalast umzingelt Bild: AFP

Die Residenz des abgewählten Präsidenten Gbagbo wird weiterhin von den Truppen des Wahlsiegers Ouattara belagert. Von der anhaltenden Gewalt in Abidjan sind auch ausländische Diplomaten bedroht - der japanische Botschafter wurde vom französischen Militär in Sicherheit gebracht.

          2 Min.

          In der Elfenbeinküste dauert die Belagerung der Residenz des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo an. Das Gebäude in der Hafenstadt Abidjan war auch am Donnerstag von den Truppen des international anerkannten Wahlsiegers Alassane Ouattara umzingelt. Gbagbo, der sich seit November weigert, die Macht zu übergeben, wird aber von schwer bewaffneten Milizen geschützt, die die Angreifer am Mittwoch in stundenlangen Kämpfen auf Abstand halten konnten.

          Auch die französische Einheit „Einhorn“ nahm in der Nacht zu Donnerstag Gbagbos Residenz am Regierungssitz in Abidjan unter Beschuss, wie die französische Botschaft mitteilte. Der japanische Botschafter, der sich nach einem bewaffneten Angriff verschanzt hatte, wurde vom französischen Militär in Sicherheit gebracht. Gbagbos Truppen in der Präsidentenresidenz und rundherum hätten das benachbarte französische Botschaftsgebäude beschossen, erklärte die Botschaft. Die französischen Soldaten hätten daher die Schüsse von Hubschraubern aus erwidert.

          Die französische Einheit griff zudem auf Bitten der Uno und Japans ein, um den japanischen Botschafter Yoshifumi Okamura und seine Mitarbeiter zu retten, die sich nach einem bewaffneten Angriff in einem Zimmer ihrer Botschaft verschanzt hatten. Gbagbo-Anhänger hätten das Dach der japanischen Botschaft mit schweren Waffen besetzt, teilte die französische Botschaft mit. Sie hätten benachbarten Botschaften und der Zivilbevölkerung gedroht. Okamura und seine Mitarbeiter seien wohlbehalten auf den französischen Stützpunkt Port-Bouët gebracht worden.

          Frankreich unterstützt Ouattara nicht aktiv

          Okamura hatte zuvor der Nachrichtenagentur AFP gesagt, seine Residenz in Cocody sei von „Söldnern“ angegriffen worden, die Raketen und Gewehrschüsse abgefeuert und geplündert hätten. „Vier Personen, Sicherheitsbeamte und der Gärtner, sind verschwunden. Es gibt viel Blut im Haus, überall Patronen“, sagte er. Einer seiner Mitarbeiter wurde demnach verletzt. Auch die Vereinigten Staaten teilten mit, dass einige Ausländer in Cocody in Bedrängnis geraten seien. Rund 20 ausländische Journalisten sowie mehrere Diplomaten hätten die Vereinigten Staaten darum gebeten, sie vor den Kämpfen in Sicherheit zu bringen, sagte der für Afrika zuständige Vertreter des amerikanischen Außenministeriums, William Fitzgerald, der Nachrichtenagentur AFP.

          Die Vereinigten Staaten könnten allerdings nicht selbst eine Evakuierungsaktion starten, da sie vor Ort keine Truppen hätten. Die amerikanische Regierung koordiniere die Anfragen daher mit der UN-Mission in der Elfenbeinküste und der französischen Einheit „Einhorn“. Fitzgerald sagte, nach einem Ende des Machtkampfs werde der international anerkannte Wahlsieger Alassane Ouattara vor großen Herausforderungen stehen. Er müsse das Volk einen, die humanitäre Krise beilegen und die Wirtschaft wieder aufbauen. „Ouattara muss den Menschen Hoffnung bringen, und ich denke, das wird er“, sagte Fitzgerald.

          In der westafrikanischen Elfenbeinküste tobt seit der umstrittenen Präsidentenwahl im November ein blutiger Machtkampf zwischen Ouattara und Gbagbo. Seit dem Beginn einer militärischen Offensive der Ouattara-Truppen in der vergangenen Woche kamen mehrere hundert Menschen ums Leben. Am Mittwoch hatte es so ausgesehen, als gehe der Machtkampf endlich zu Ende. Gbagbos verschanzte sich jedoch weiter im Bunker der Präsidentenresidenz. Ouattaras Soldaten gelang es nicht, die Residenz zu stürmen. Frankreichs Verteidigungsminister Gérard Longuet stellte derweil klar, dass sein Land Ouattaras Soldaten bei einer Offensive gegen Gbagbo nicht aktiv unterstützen werde. Möglicherweise wären dazu aber die angolanischen Streitkräfte, eine der schlagkräftigsten Armeen Afrikas, bereit. Angola erkennt Ouattara als Wahlsieger an.

          Weitere Themen

          Sanders siegt, die Basis streitet

          Vorwahlen der Demokraten : Sanders siegt, die Basis streitet

          Der linke Senator Bernie Sanders gewinnt im Bundesstaat Nevada und führt das Feld der Demokraten im Vorwahl-Marathon nun deutlich an. Doch die Freude ist getrübt: Nicht nur Berichte über russische Wahlkampfunterstützung sorgen bei den Demokraten für Unruhe.

          Topmeldungen

          Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders feiert mit seiner Frau Jane und Anhängern im texanischen San Antonio seinen Vorwahlsieg im Bundesstaat Nevada.

          Vorwahlen der Demokraten : Sanders siegt, die Basis streitet

          Der linke Senator Bernie Sanders gewinnt im Bundesstaat Nevada und führt das Feld der Demokraten im Vorwahl-Marathon nun deutlich an. Doch die Freude ist getrübt: Nicht nur Berichte über russische Wahlkampfunterstützung sorgen bei den Demokraten für Unruhe.
          Angekaufter Goldschmuck auf dem Tresen einer Münzhandlung

          Teures Edelmetall : Der unheimliche Aufstieg des Goldes

          Die Gold-Rally scheint kein Ende zu finden. Was sagt das aus über eine Welt, in der Anleger zuhauf ihr Geld in ein zinsloses Edelmetall investieren wollen?
          Menschenleere Straße in der norditalienischen Stadt Codogno

          Wegen Coronavirus : Italien riegelt Städte im Norden ab

          Kein europäisches Land hat mehr Infektionen mit dem Coronavirus registriert als Italien. Nun greift die Regierung zu drastischen Maßnahmen: Zehntausende Menschen werden praktisch eingesperrt, alle Veranstaltungen abgesagt. Auch drei Erstligaspiele fallen aus.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.