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Elfenbeinküste : Brutale Kämpfe und Massaker

  • -Aktualisiert am

Ouattara-treue Truppen bereiten sich auf Kämpfe in Abidjan vor Bild: dpa

In Abidjan kommt es weiter zu brutalen Kämpfen zwischen Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara und der Garde des Widersachers Laurent Gbagbo. Unterdessen verdichten sich die Hinweise, dass Ouattara-Kämpfer bei ihrem Vormarsch ein Massaker mit Hunderten Toten verübt haben.

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          Am dritten Tag schwerer Kämpfe in Abidjan zwischen den Truppen des international anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara und denen seines Widersachers Laurent Gbagbo zeichnete sich Sonntag nach wie vor kein Rückzug von Ghagbo ab. Anscheinend konnte die ihm ergebene Präsidentengarde mit ihren 2500 Soldaten den schwer umkämpften Präsidentenpalast und die Residenz des Präsidenten halten. Über die Zahl der Opfer dieser seit Donnerstag vergangener Woche tobenden Kämpfe liegen keinerlei Informationen vor. Das Ouattara-Lager gab am Sonntag an, seine Truppen außerhalb Abidjans zu sammeln und für den „letzten Angriff“ neu zu formieren.

          Der französische Generalstab in Paris teilte am Sonntag mit, weitere 300 Soldaten nach Abidjan entsandt zu haben, womit die „Opération Licorne“ genannte französische Militärpräsenz nunmehr knapp 1400 Soldaten umfasst. Die Soldaten haben am Sonntag auch die Kontrolle über den internationalen Flughafen von Abidjan übernommen. In dem unmittelbar daran angrenzenden französischen Stützpunkt haben sich inzwischen 1700 Ausländer, darunter 800 französische Staatsbürger, in Sicherheit gebracht.

          Berichte über ein Massaker der Ouattara-Truppen

          Unterdessen verdichten sich die Hinweise, dass die „Forces républicaines“ genannten Rebellentruppen von Ouattara bei ihrem Vormarsch von ihren alten Positionen im Norden in Richtung Abidjan in der westivorischen Stadt Duékoué ein Massaker mit mehreren hundert Toten angerichtet haben. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) hatte am Samstag von 800 Menschen gesprochen, die zwischen Montag und Mittwoch vergangener Woche in Duékoué exekutiert worden waren. Die Rebellen waren am Dienstag nach Duékoué einmarschiert. Die katholische Hilfsorganisation Caritas sprach gar von „1000 Toten und Vermissten“.

          Ein Soldat der Ghagbo-Garde patrouilliert in der Nähe des Präsidentenpalastes

          Während das IKRK von „ethnischen Rivalitäten“ als Auslöser für den Massenmord sprach, machte die UN-Mission in Côte d'Ivoire, Onuci, explizit die Ouattara-Truppen verantwortlich. Nach Angaben der Onuci, die von weitaus geringeren Zahlen (330 Tote) ausgeht, waren 100 Menschen während des Kampfes um Duékoué von Gbagbo-Milizen ermordet worden, die anderen 230 später von den so genannten „Dozo“, womit traditionelle Jäger aus dem Norden der Elfenbeinküste gemeint sind. Die „Dozo“ bildeten bereits bei Beginn des Bürgerkrieges 2002 die Speerspitze der Ouattara-Rebellen und haben sich seither zahlreicher Massaker schuldig gemacht.

          Clinton ruft Truppen Ouattaras zum Schutz von Zivilisten auf

          Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton hielt Ouattara am Sonntag an, seinen Truppen „die Gesetze eines Krieges und den Respekt vor Zivilisten“ klarzumachen. Eine Sprecherin von Ouattara bestritt die Vorwürfe und sagte, bei den Toten handele es sich nicht um Zivilisten, sondern „ehemalige Milizionäre“. Auch bestritt sie, dass auf Seiten Ouattaras die gefürchteten „Dozo“ kämpfen, was allerdings von den Bildern des Einmarsches der Rebellen nach Abidjan widerlegt wird. Unter den Kämpfern befanden sich Dutzende der an ihrem Kopfschmuck und ihren Amuletten eindeutig zu erkennenden „Dozos“.

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