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Wegen Einfahrt nach Pozzallo : „Eleonore“-Kapitän Reisch soll 300.000 Euro Bußgeld zahlen

  • Aktualisiert am

Vor der Einfahrt in den Hafen von Pozzallo kamen Beamte der Guardia di Finanza an Bord der „Eleonore“. Bild: dpa

Gegen den Bescheid habe man Widerspruch eingelegt, erklärte die Mission Lifeline. Das Schiff habe sich in einem Notstand befunden. Die „Alan Kurdi“ wartet derweil mit elf Migranten an Bord auf die Einfahrt in einen sicheren Hafen.

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          Der bayerische Kapitän des Rettungsschiffes „Eleonore“, Claus-Peter Reisch, ist nach Angaben der Organisation „Mission Lifeline“ von den italienischen Behörden mit einem Bußgeld in Höhe von 300.000 Euro belegt worden. Dagegen habe man Widerspruch eingelegt, bestätigte Mission-Lifeline-Sprecher Axel Steier am Freitag. „Wir sehen eine 50-50-Chance, dass man da noch drum rumkommt“, sagte Steier der Deutschen Presse-Agentur und machte den Notstand geltend, in dem sich Reisch aus Landsberg am Lech befunden habe.

          Die „Eleonore“ war am Montag mit gut 100 Migranten an Bord trotz eines Verbots in den Hafen Pozzallo auf Sizilien eingelaufen. Das Schiff wurde beschlagnahmt. „Wir rechnen mit dem Verlust des Schiffes“, sagte Steier. Den Wert der „Eleonore“ bezifferte er auf rund 300.000 Euro, wovon die Hälfte auf die technische Ausrüstung entfalle. Für den Kauf eines neuen Schiffes gebe es schon Spendenzusagen für etwa die Hälfte des Kaufpreises. „Es wäre falsch, jetzt aufzugeben“, sagte Steier. Im vorigen Jahr hatte die Organisation das Schiff „Lifeline“ verloren, das in Malta beschlagnahmt wurde.

          Steier äußerte sich wenig optimistisch, dass sich die harte Haltung Italiens gegenüber privaten Seenotrettern im Mittelmeer nach dem Regierungswechsel in Rom wesentlich ändern werde. Dort war am Donnerstag das Kabinett aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und Sozialdemokraten vereidigt worden. Die rechte Lega, deren Chef Matteo Salvini Innenminister war, gehört der Regierung nicht mehr an.

          Elf Migranten auf der „Alan Kurdi“ 

          Wie laut der deutschen Hilfsorganisation Sea-Eye Italien auf Anfrage der Crew bestätigte, gilt das unter dem bisherigen Innenminister Matteo Salvini eingeführte Sicherheitsgesetz weiter. Es sieht etwa Strafzahlungen zwischen 150.000 Euro und einer Million Euro vor, wenn Hilfsorganisationen ohne Erlaubnis in italienische Gewässer einfahren.

          Das Sea-Eye Schiff „Alan Kurdi“ wartet derweil mit elf Geretteten an Bord vor Malta auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Am Donnerstag wurden zwei Migranten aus gesundheitlichen Gründen nach Malta gebracht, erklärte die Regensburger Organisation auf Twitter. 

          Die Crew der „Alan Kurdi“ hatte laut eigenen Angaben am 31. August 13 Menschen, darunter acht Minderjährige, in maltesischen Gewässern von einem überladenen Holzboot geborgen und wartet seitdem auf Zuweisung eines sicheren Hafens. Italien hatte eine Einfahrt in italienische Gewässer untersagt; auch Malta sah sich bisher nicht zuständig. Sea-Eye kündigte an, vor ein maltesisches Gericht zu ziehen, um die Zuständigkeit der dortigen Koordinierungsstelle für Seenotrettung rechtlich feststellen zu lassen.

          Eine politische Lösung für die verbleibenden elf Geretteten sei weiterhin nicht in Sicht, kritisierte Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler. Die Lage an Bord verschlechtert sich nach Angaben der Crew unterdessen weiter. Zwei Migranten hätten Angstattacken und Selbstmordgedanken, so Missionsleiter Jan Ribbeck.

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