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Eklat um indische Vizekonsulin : Devyani Khobragade verlässt Amerika mit Diplomatenpass

  • -Aktualisiert am

Devyani Khobragade im Juni bei einer Veranstaltung im indischen Generalkonsulat in New York Bild: Reuters

Knapp einen Monat nach ihrer Festnahme hat Devyani Khobragade die Vereinigten Staaten verlassen. Ihr Fall hat einen diplomatischen Eklat ausgelöst. Trotz Immunität soll sie in Haft gezwungen worden sein, sich zu entkleiden.

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          Knapp einen Monat nach dem diplomatischen Eklat um die Festnahme der indischen Vizekonsulin Devyani Khobragade in New York ist die Diplomatin aus den Vereinigten Staaten ausgereist. Die 39 Jahre alte Khobragade habe ein besonderes UN-Diplomatenvisum erhalten, das sonst nur für die Bediensteten internationaler Organisationen gelte, teilte das indische Außenministerium an diesem Freitag mit. Indien habe das Ansinnen der amerikanischen Regierung abgewiesen, Khobragade ihren Diplomatenstatus abzuerkennen.

          Die amerikanische Staatsanwaltschaft erklärte, die Ausreise sei im Zuge einer Einigung mit Indien ermöglicht worden. Bei einer Wiedereinreise in die Vereinigten Staaten muss die Diplomatin allerdings damit rechnen, vor Gericht zitiert zu werden. Ihr wird vorgeworfen, falsche Dokumente für den Visumsantrag ihrer indischen Haushälterin vorgelegt und ihr ein Gehalt weit unter dem amerikanischen Mindestlohn gezahlt zu haben. Statt der angegebenen 4500 Dollar soll ihre Hausangestellte nur 573 Dollar im Monat erhalten haben. Der Ehemann der Betroffenen sagte vor einem Gericht in Delhi, seine Frau habe in „sklavenähnlichen Verhältnissen“ für die Diplomatin arbeiten müssen, täglich von 6 Uhr bis 23 Uhr.

          Demütigende Behandlung in Polizeihaft?

          Khobragade war wegen der Vorwürfe am 12. Dezember festgenommen worden. Anschließend beschwerte sie sich über eine demütigende Behandlung durch die Behörden. Sie habe sich trotz des Verweises auf ihre diplomatische Immunität in Polizeihaft entkleiden müssen und sei mit gewöhnlichen Kriminellen in eine Zelle gesperrt worden.

          Bei ihrer Festnahme war Khobragade in New York zuvor auf offener Straße - angeblich in Handschellen - abgeführt worden. Devyani Khobragade wies die gegen sie erhobenen Anschuldigungen entschieden zurück und erhob ihrerseits schwere Vorwürfe: Ungeachtet der Verweise auf ihre diplomatische Immunität sei sie in eine Zelle mit Drogenabhängigen gesperrt worden. Sie habe sich mehrfach vor den Beamten ausziehen müssen, zitierten indische Zeitungen eine E-Mail Khobragades an Kollegen. Zudem seien ihre Körperöffnungen untersucht worden. „Ich bin bei all den Erniedrigungen mehrere Male zusammengebrochen“, zitierte die Zeitung „Times of India“ die Inderin.

          Der für den Fall zuständige amerikanische Bundesstaatsanwalt Preet Bharara hingegen betont, Khobragades Festnahme sei ordnungsgemäß verlaufen, die Leibesvisitation gehöre zur Standardprozedur. Er wundere sich, dass sich Indien nicht eher darüber empöre, wie die Hausangestellte der Diplomatin mutmaßlich behandelt worden sei.

          Proteste und Entrüstung in Delhi

          Das Vorgehen der amerikanischen Behörden löste eine Welle der Entrüstung in Indien aus. Der Vorfall sei „nicht akzeptabel“ protestierte Indiens Außenminister Salman Khurshid. Die führende Oppositionspartei BJP rief die indischen Behörden auf, alle gleichgeschlechtlichen Partner amerikanischer Diplomaten festzunehmen. Die Partei verwies auf ein Urteil des Obersten Gerichts von Mitte Dezember vergangenen Jahres, wonach homosexuelle Handlungen in Indien wieder unter Strafe stehen.

          Der amerikanische Außenminister John Kerry fühlte sich bemüßigt, sein Bedauern über die Umstände der Festnahme Khobragades auszusprechen. Entschuldigen - wie von Delhi gefordert - wollte er sich freilich nicht.

          Aufgebrachte Inder demonstrieren in Bhopal gegen die schlechte Behandlung einer indischen Diplomatin durch die amerikanische Polizei (am 18 Dezember 2013)
          Aufgebrachte Inder demonstrieren in Bhopal gegen die schlechte Behandlung einer indischen Diplomatin durch die amerikanische Polizei (am 18 Dezember 2013) : Bild: AP

          Die Affäre führte so auch zur Beschneidung der Privilegien der amerikanischen Diplomaten in Indien. So fahndeten in der indischen Hauptstadt Delhi Polizeistreifen intensiv nach Fahrzeugen mit einer „77“ und dem Kürzel „CD“ auf dem Nummernschild. Das sind die Merkmale amerikanischer Diplomaten. Beim Überfahren roter Ampeln oder beim Parken im Halteverbot sollten sie von nun an einen Strafzettel erhalten.

          Auch die amerikanische Botschaft rückte ins Visier der indischen Behörden. Der hauseigene Tennisplatz, die Restaurants, das Schwimmbad, das Fitnesscenter und der eigene Supermarkt mit amerikanischen Lebensmitteln - all das soll es künftig nicht mehr geben. Es handele sich um Gewerbetätigkeiten, die auf dem Gelände der Botschaft nicht zulässig seien und daher bis zum 16. Januar eingestellt werden müssten, teilten die Behörden am Mittwoch mit. Sie beriefen sich dabei auf Artikel 41.3 der Wiener Konvention über diplomatische Beziehungen aus dem Jahr 1961. Danach darf das Botschaftsgelände nicht „inkompatibel“ zur eigentlichen Funktion der Gesandtschaft genutzt werden.

          Khobragade war nach einer Kautionszahlung in Höhe von 250.000 Dollar vor ihrer Ausreise wieder freigelassen worden. Doch die laufenden Ermittlungen sorgen weiter für Spannung im Verhältnis zwischen Amerika und Indien: Bharara zufolge wurde die Familie der Haushälterin aus Indien ausgeflogen, weil dort ein Verfahren gegen sie eingeleitet worden sei, um sie von einer Aussage gegen die indische Diplomatin abzuhalten. Indien wertet das als dreiste Einmischung in sein Rechtssystem. Amerika erhebe sich damit über die Ermittlungsbehörden des Landes, sagte ein indischer Regierungssprecher. Mit der Ausreise Khobragades sind die diplomatischen Differenzen zwischen Delhi und Washington längst noch nicht ausgeräumt.

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