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Papst Franziskus in Moçambique : Mit Kalaschnikow und Feldhacke

Handys zum Himmel: Papst Franziskus in Maputo Bild: EPA

Eine knappe Woche lang ist Papst Franziskus in Südost-Afrika unterwegs – und setzt sich dabei auch für einen nachhaltigen Frieden in dem ehemaligen Bürgerkriegsland Moçambique ein.

          Wenn ein Papst zu Besuch kommt, müssen Straßen für den Verkehr gesperrt werden. So war es auch, als Franziskus am Mittwochabend auf der ersten Station seiner knapp einwöchigen Südost-Afrikareise in Maputo, der Hauptstadt von Moçambique, eintraf. Um welche Straßen es sich handelte, verlas im Staatsfernsehen in einer Art Endlosschleife Eneas Comiche, Bürgermeister von Maputo und verdienter Veteran der marxistischen „Befreiungsfront Moçambiques“ (Frelimo). Unter anderen blieben gesperrt: die Avenida Guerra Popular sowie die Avenidas Vladimir Lenine und Mao Tse Tung.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Es war, als schwelgte der 80 Jahre alte Bürgermeister beim stoischen Verlesen der nach dem Volkskrieg nach Lenin und Mao benannten Straßen ein bisschen in Erinnerungen an die selige Volksrepublik Moçambique (1975 bis 1990). Die wurde zwar offiziell vor fast drei Jahrzehnten von der Republik Moçambique abgelöst, einer Demokratie mit Mehrparteiensystem, Marktwirtschaft, Meinungsfreiheit und so weiter. Aber ganz verblichen ist die Volksrepublik nicht.

          Auf jedem Autokennzeichen prangt das Staatswappen der 1990 gegründeten „República de Moçambique“, noch immer mit Kalaschnikow und Feldhacke, mit rotem Stern und gelbem Zahnrad, umrahmt von einem Maiskolben und einem Zuckerrohr. Auch die einstige Staatspartei Frelimo ist noch immer an der Macht, ununterbrochen seit der Republikgründung. Das dürfte sich nach den Präsidenten-, Parlaments- und Provinzwahlen vom 15. Oktober nicht ändern. Der gegenwärtige Staats- und Parteichef Filipe Nyusi wird gewiss auch der nächste sein.

          Mais und Trommel statt Kalaschnikow und Hacke

          Die Kampagne für die Wahlen Mitte Oktober haben vor kurzem begonnen, und die Leute von Frelimo haben ganze Arbeit geleistet. Allenthalben sind in Maputo die Plakate der Frelimo zu sehen. Die Farben und Symbole der Partei ähneln dem Staatswappen; bei der Frelimo ersetzen ein Maiskolben und eine Trommel die Kalaschnikow und die Hacke. Dazu sieht man überall das Gesicht des Präsidenten und die Worte „Vota Nyusi“.

          Am Donnerstag, dem ersten vollen Tag des Besuches von Franziskus, wich der Präsident ihm nicht von der Seite. Er hielt die Eröffnungsansprache beim Treffen des Papstes mit Diplomaten, Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Er saß neben dem Papst beim interreligiösen Treffen mit rund 5.000 christlichen, muslimischen und hinduistischen Jugendlichen in einem Sportkomplex. Dort gab es viel Tanz, Theater und Gesang, Aufrufe zu Frieden, Verständigung und Versöhnung.

          Nyusi folgte Franziskus am Nachmittag sogar zu dessen als Privatbesuch deklarierter Visite beim Straßenkinderprojekt „Mateus 25“. Nur beim Mittagessen in der Nuntiatur sowie bei der Begegnung mit Bischöfen und Priestern, Ordensleuten und Seminaristen in der Kathedrale Nossa Senhora da Conceição ließ der Präsident den Papst, der sein Staatsgast ist, für einige Stunden aus den Augen.

          „Schutz der Erde ist Schutz des Lebens“

          Der Besuch von Moçambique, Madagaskar und Mauritius ist die 31. Reise des Pontifikats von Franziskus, aber die erste nach Südost-Afrika. In Moçambique, wo die Staatssprache Portugiesisch ist, fühlte sich der Papst aus Argentinien sichtlich zu Hause. Seine Reden hielt er in der Landessprache, einen Übersetzer brauchte er nur bei seinen unvermeidlichen Abschweifungen aus dem Stegreif. Franziskus’ unüberhörbarer spanischer Akzent tat dem Verständnis zwischen Redner und Zuhörern, über die Grenzen von Herkunft und Hautfarbe hinweg, keinen Abbruch.

          Etwa 28 Prozent der rund 30 Millionen Einwohner Moçambiques sind Katholiken. Damit stellen sie zwar noch immer die relative Mehrheit aller Religionsgruppen, doch der Anteil der Muslime nimmt zu und wird auf inzwischen 20 Prozent geschätzt. Auch evangelikale Pfingstkirchen aus Brasilien sind in Moçambique eine wachsende Konkurrenz für die katholische Weltkirche. Mehr als 60 Prozent der Einwohner des Landes leben in extremer Armut.

          Im Zentrum dieser Papstreise stehen die Themen Frieden und soziale Gerechtigkeit, Klimawandel und Ausbeutung der Natur. „Der Schutz der Erde ist zugleich Schutz des Lebens“, sagte Franziskus beim Höflichkeitsbesuch im Präsidentenpalast am Donnerstagmorgen. Zu den Zuhörern des Papstes im Palácio da Ponta Vermelha gehörte auch Oppositionsführer Ossufo Momade von der einstigen Rebellenbewegung und jetzigen rechten Partei „Nationaler Widerstand Moçambiques“ (Renamo).

          Frühere Friedensverträge brachten keine Versöhnung

          Präsident Nyusi und Renamo-Chef Momade haben erst am 6. August in Maputo den Vertrag für einen „definitiven Frieden“ geschlossen, der den faktisch seit der Unabhängigkeit von 1975 andauernden Bürgerkrieg beenden soll. Frühere Friedensverträge, von 1992 und 2013, hatten die in sie gesetzten Hoffnungen auf Versöhnung nicht erfüllen können. „Lassen Sie in Ihrem Einsatz nicht nach, nachhaltigen Frieden zu schaffen“, mahnte Franziskus Nyusi und Momade.

          Zugleich erinnerte der Papst daran, dass es „ohne Chancengleichheit“ und ohne Dialog über die Grenzen der Religion hinweg keine wirkliche Kultur des Friedens geben könne; diese sei ihrerseits die Voraussetzung für „eine produktive, nachhaltige und inklusive Entwicklung“. Obwohl Oppositionsführer Momade, der selbst Muslim ist, beim Papstbesuch deutlich im Schatten von Präsident Nyusi stand, zeigte er sich zuversichtlich. „Die Menschen brauchen Frieden. Wir befinden uns in einer Wahlperiode, aber die Anwesenheit des Heiligen Vaters wird zur Versöhnung beitragen“, sagte Momade der Zeitung „O País“.

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