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Einreisesperren wegen Corona : Israel schirmt sich ab

Angst vor dem Virus: Wähler stehen in Haifa am Montag mit Mundschutz Schlange, um bei der Parlamentswahl ihre Stimme abzugeben Bild: AP

Von Freitag an dürfen Touristen und Geschäftsleute aus Deutschland nicht mehr nach Israel einreisen. So soll eine Ausbreitung des Coronavirus verhindert werden. Dies hat Folgen für die Wirtschaft – und vielleicht auch auf den Prozess gegen Benjamin Netanjahu.

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          Ab Freitagmorgen um sieben Uhr mitteleuropäischer Zeit wird es für deutsche Touristen und Geschäftsleute kaum mehr möglich sein, nach Israel einzureisen. Denn dann treten umfangreiche Maßnahmen in Kraft, mit denen das Land eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern will. So wird Israel nur noch Personen mit israelischem Personalausweis die Einreise aus Deutschland sowie Frankreich, Spanien, Österreich und der Schweiz erlauben. Israelis, die aus diesen Ländern zurückkehren, müssen sich dann in eine 14 Tage dauernde Heimquarantäne begeben. Ausnahmen werden für ausländische Reisende aus diesen Ländern gemacht, die bereit sind und die Möglichkeit dazu haben, sich in Israel ebenfalls in eine zweiwöchige Quarantäne zu begeben. Deutsche Touristen, die sich jetzt bereits in Israel befinden, dürfen ihre Reise allerdings wie bisher fortsetzen, hieß es am Donnerstag aus dem Tourismusministerium.

          Jochen Stahnke

          Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.

          Israels Gesundheitsministerium hat auch internationale Konferenzen untersagt sowie Veranstaltungen mit mehr als fünftausend Menschen verboten. Regierungsangestellte sollen Auslandsreisen vermeiden. Seit Tagen schon verweigert Israel Besuchern aus Italien, China, Japan, Südkorea, Hongkong, Macau, Thailand und Singapur die Einreise. Die israelische Armee sagte ein gemeinsames Manöver mit amerikanischen Streitkräften ab, da einige der amerikanischen Soldaten aus Deutschland eingeflogen wären.

          Gefährlichste Pandemie der vergangenen einhundert Jahre?

          Der amtierende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von „einer weltweiten Pandemie, die vielleicht die gefährlichste der vergangenen einhundert Jahre ist“. Israel habe die Lage gleichwohl unter Kontrolle. In Israel gibt es bislang 15 Corona-Infizierte, Todesfälle sind keine bekannt. Aus dem palästinensischen Bethlehem wurde am Donnerstag von vier weiteren Fällen in einem Hotel berichtet. Die Behörden in Ramallah verhängten ein Besuchsverbot für Touristen in den palästinensischen Gebiete bis mindestens zum 20. März. Derzeit befinden sich mindestens fünfzigtausend Israelis in Quarantäne, darunter zweitausend Schüler und einhundert Lehrer. Netanjahu forderte die Israelis auf, sich nicht mehr die Hände zu geben. Der Chefrabbiner des Landes wies die Bevölkerung an, bei Betreten von Räumen nicht mehr die Mesusa zu küssen, also jene Schriftkapseln mit Tora-Versen, die in den Türrahmen hängen. Der Zugang zur Klagemauer bleibe jedoch offen, sagte Gesundheitsminister Yaacov Litzman.

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          Der kleine Flächenstaat Israel mit neun Millionen Einwohnern wurde vergangenes Jahr von rund vier Millionen Touristen besucht. Dieser vergleichsweise große Besucherstrom hat in Israel die Sorgen vor einer raschen Verbreitung des Coronavirus vergrößert. Und auch wenn die medizintechnische Ausstattung der Krankenhäuser auf westlichem Standard ist, hätte Israel wenig Platz in den schon jetzt überfüllten Krankenhäusern. Ein rasches Bevölkerungswachstum und geringe öffentliche Investitionen haben dazu geführt, dass Israel nur noch 1,78 Krankenhausbetten pro Tausend Einwohner vorhält. Damit liegt Israel am unteren Ende der OECD-Statistiken. Bereits im Normalfall sind die Krankenhäuser nahezu voll wenn nicht überbelegt. Auch vor diesem Hintergrund lassen sich die drastischen Maßnahmen wegen des Coronavirus erklären.

          Der stellvertretende Direktor des Gesundheitsministeriums Itamar Grotto äußerte indes, dass es noch keine Israelis gebe, die sich nicht im Ausland angesteckt hätten. Gleichwohl sei eine Ausbreitung des Virus in Israel unabwendbar, das Gesundheitsministerium könne derzeit die Ausbreitung nur verzögern. Von den 15 bekannten Fällen haben sich Berichten zufolge acht Israelis auf Reisen in Italien angesteckt, drei auf einem Kreuzfahrtschiff vor Japan, vier weitere offenbar bei diesen Betroffenen in Israel.

          Die wirtschaftlichen Folgen der Krise sind für Israel kaum absehbar. Wegen Umsatzeinbußen kündigte die Fluggesellschaft El Al an, rund eintausend seiner sechstausend Angestellten zu entlassen. Die Zeitung „Globes“ berichtete unter Berufung auf das Finanzministerium, dass die makroökonomischen Auswirkungen des Virus derzeit gering seien, sich dies in den kommenden Tagen jedoch ändern könne. Nach Berichten des Sender Kan erwägt das Justizministerium, eine „Notsituation“ auszurufen, in der alle Gerichtsverhandlungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben würden. Dies könnte auch den Prozess gegen Netanjahu betreffen, der am 17. März beginnen soll.

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