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Südkaukasus : Waffenruhe im Konflikt um Berg-Karabach erzielt

  • Aktualisiert am

Aserbaidschan und die nach Unabhängigkeit strebenden Region Berg-Karabach haben nach tagelangen Kämpfen einen Waffenstillstand vereinbart. Bild: AP

Nach tagelangen Gefechten mit Armenien um die Südkaukasusregion Berg-Karabach ist nach Angaben Aserbaidschans am Dienstag eine Feuerpause in Kraft getreten.

          Nach den schwersten Kämpfen seit Jahren zwischen Aserbaidschan und Armenien um die Südkaukasusregion Berg-Karabach haben die Konfliktparteien eine Waffenruhe vereinbart. Die Gefechte wurden am Dienstagvormittag eingestellt, wie das Verteidigungsministerium in Baku mitteilte. Armenien bestätigte dies.

          Seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken am Samstag wurden insgesamt rund 50 Menschen auf beiden Seiten getötet. Es war die heftigste Eskalation in dem Jahrzehnte alten Konflikt seit der Einigung auf einen Waffenstillstand 1994.

          Die Behörden von Berg-Karabach hatten Aserbaidschan unmittelbar vor der Feuerpause den Einsatz schwerer Waffen wie Raketenwerfer vorgeworfen. Die Führung in Stepanakert ordnete die Teilevakuierung von Orten unmittelbar an der Trennlinie zu Aserbaidschan an. Der Beschuss sei zu heftig geworden, sagte ein Bürgermeister.

          Unmittelbar nach Bekanntgabe der Feuerpause habe sich die Lage in Berg-Karabach zunächst beruhigt, hieß es. Nun stehen mehrere diplomatische Initiativen für eine Deeskalation an.

          Mehr als 60 Menschen wurden in den vergangenen Tagen bei Kämpfen getötet.

          Die in dem Konflikt vermittelnde Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) wollte am Dienstagnachmittag zu einem Krisentreffen in Wien zusammenkommen. Der armenische Präsident Sersch Sargsjan wird an diesem Mittwoch zu Gesprächen mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin erwartet. Der russische Außenminister Sergej Lawrow reist am Donnerstag nach Baku. Russland gilt als militärische Schutzmacht Armeniens.

          Die überwiegend von Armeniern besiedelte Region Berg-Karabach hatte sich Anfang der 1990er Jahre in einem Krieg von Aserbaidschan losgesagt. Die Führung in Baku wirft dem Nachbarland Armenien vor, völkerrechtswidrig aserbaidschanisches Gebiet besetzt zu halten. Der UN-Sicherheitsrat hat dies mehrfach verurteilt.

          „Jetzt sind schnelle und deutliche Schritte der internationalen Gemeinschaft nötig, um Aserbaidschan an den Verhandlungstisch zurück zu bringen“, forderte der armenische Außenminister Edward Nalbandjan. Er warf Aserbaidschan vor, absichtlich auf eine gewaltsame Eskalation hinzuarbeiten.

          Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev betonte seinen Willen zu einer Neuauflage der Verhandlungen mit dem Nachbarland. „Auch wenn Gespräche keine Ergebnisse bringen, sind wir bereit für den Verhandlungsprozess“, sagte Aliyev.

          Sein außenpolitischer Berater Ali Gassanow warnte Armenien vor Provokationen. Baku sei in der Lage, Berg-Karabach und andere Gebiete in kürzester Zeit zu erobern. Das aus dem Verkauf von Öl und Gas reich gewordene Land gibt seit Jahren große Summen für Rüstung aus. Auch Aserbaidschans enger Verbündeter Türkei warnte Armenien mit Nachdruck vor Angriffen.

          Aserbaidschan gab seine bisherigen Verluste mit 16 getöteten Soldaten an. Zudem seien vier aserbaidschanische Zivilisten ums Leben gekommen. Der Führung in Eriwan zufolge starben auf armenischer Seite bisher 20 Soldaten und 7 freiwillige Kämpfer sowie 2 Kinder.

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