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Der Einfluss des IS : Zurückgedrängt – aber noch längst nicht besiegt

Der Hass wird bleiben: Ein Propaganda-Schriftzug des IS im syrischen Raqqa. Bild: Reuters

Mit dem Territorium des IS sind auch dessen Finanzen geschrumpft. Doch der Anschlag in Barcelona zeigt: Seine Fähigkeit, Anhänger im Westen zu Terror zu motivieren, ist ungebrochen.

          Mein Staat bleibt erhalten, feuert auf den Feind. Seine Soldaten rufen, dass er erhalten bleibt. Sein Pfad wird nicht beendet werden; sein Licht strebt danach, sich zu verbreiten.“ Es sind die ersten Zeilen einer der jüngsten Propagandahymnen, die der „Islamische Staat“ (IS) produziert hat. Sie ist Eingeständnis und Kampfansage zugleich: Der Text trägt der Tatsache Rechnung, dass das Territorium des IS stetig schwindet.

          Christoph Ehrhardt

          Korrespondent für die arabischen Länder mit Sitz in Beirut.

          Zugleich macht er deutlich, dass der Krieg gegen die Terrororganisation noch lange nicht vorbei ist und dass die Dschihadisten nicht so einfach aufgeben werden. Immer wieder schlagen Terroristen des in seinem arabischen Herrschaftsgebiet bedrängten IS in Europa zu, um Angst zu schüren und die zwischenmenschlichen Beziehungen in den Gesellschaften zu vergiften. Der Anschlag von Barcelona ist ein weiterer dieser Terrorakte, die unter dem Banner des selbsternannten Kalifen Abu Bakr al Bagdadi verübt wurden.

          Anschläge im Westen als Reaktion auf Rückschläge

          Dass der IS dazu übergangen ist, auch im Westen zuzuschlagen, ist eine Reaktion auf die Rückschläge, die sein Staatsbildungsprojekt im Zuge der amerikanisch geführten Militärkampagne erlitten hat. Das Terrain des IS schwindet – und damit sowohl seine Anziehungskraft als auch seine finanziellen Einkünfte. Nach Angaben aus den amerikanischen Sicherheitsbehörden hat der IS seit Juni 2014 Zehntausende Kämpfer verloren und wichtige Strategen in der Führung.

          Die Terrororganisation hat demnach etwa zwei Drittel des Territoriums eingebüßt, das die Dschihadisten im Zuge ihrer spektakulären Eroberungsfeldzüge unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Nach einem langen Abnutzungskrieg wurde die Miliz vergangenen Monat aus der nordirakischen Großstadt Mossul vertrieben, wo sich Bagdadi im Sommer 2014 zum Kalifen erklärt hatte. Im Irak verlagert sich der Krieg jetzt in die Stadt Tell Afar, die an einer strategisch wichtigen Verbindungsroute nach Syrien liegt. Dort steht der IS ebenfalls zunehmend unter Druck.

          „Kalif“: Abu Bakr al Bagdadi lebt im Untergrund.

          Milizionäre der von Amerika unterstützten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ haben den Sturm auf Raqqa begonnen und drängen den IS in seiner syrischen Bastion zurück. Nach Erkenntnissen westlicher Sicherheitsbehörden hat die IS-Führung sich ins Euphrat-Tal im syrisch-irakischen Grenzland zurückgezogen. Schon länger heißt es, dass der Ort Al Mayadin zu einem neuen Zentrum des taumelnden IS-Regimes aufgebaut wurde. Der Kalif lebt im Untergrund.

          Sein inzwischen getöteter Sprecher Abu Muhammad al Adnani hatte schon im vergangenen Jahr vorgebaut. Der Verlust von Städten wie Raqqa, Mossul oder auch Sirte werde nicht das Ende des „Islamischen Staats“ bedeuten, sagte er in einer Botschaft zum Fastenmonat Ramadan. Das Kalifat sei erst besiegt, wenn der Kampfgeist seiner Anhänger gebrochen sei. Er hat zugleich dschihadistische Gewalttäter aus dem Westen ermuntert, die „Ungläubigen“ ihrer Heimat zu treffen, anstatt die Reise in die Levante anzutreten. „Jeder noch so kleine Akt, den ihr auf ihrem Boden begeht, ist uns teurer als der größte Akt hier“, sagte Adnani an die Adresse der „Soldaten und Unterstützer des Kalifats in Europa und Amerika“.

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