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Eine Tote, viele Verletzte : Anschlag auf Linienbus in Jerusalem

Bild: reuters

Bei einem Anschlag auf einen Linienbus in Jerusalem hat es eine Tote und Dutzende Verletzte gegeben. Offenbar handelte es sich nicht um einen Selbstmordanschlag. Bisher hat sich keine Terrorgruppe der Tat bezichtigt.

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          Beim ersten Anschlag auf einen Linienbus seit 2004 ist am Mittwoch in Jerusalem eine sechzig Jahre alte Frau ums Leben gekommen. Nach Polizeiangaben wurden mehr als dreißig Personen verletzt. Den Zustand einiger Überlebender bezeichneten Rettungskräfte als lebensbedrohlich. Nach ersten Erkenntnissen explodierte am frühen Nachmittag ein etwa zwei Kilogramm schwerer Sprengsatz, der an einer Haltestelle in einer Tasche versteckt war.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Explosion ereignete sich unweit des zentralen Busbahnhofs und des Konferenzzentrums Binjanei Hauma an einer der wichtigsten Zufahrtsstraßen in die Stadt. Israelische Regierungsmitglieder sprachen von einem Terroranschlag. Auch im Süden Israels kam es zu neuen Angriffen. Dort beschoss die Terrororganisation „Islamischer Dschihad“ die Stadt Beerscheva mit zwei Grad-Raketen. Dabei wurde ein Israeli leicht verletzt. In der Nacht zuvor waren Raketen auf die Hafenstädte Aschkelon und Aschdod abgefeuert worden.

          Bis zum Abend bezichtigte sich keine Terrorgruppe der Tat in Jerusalem. Dort hatte es seit gut zwei Jahren überhaupt keine Anschläge mehr gegeben. Während der zweiten Intifada nach der Jahrtausendwende, die mehrere Jahre dauerte, waren Hunderte Israelis getötet worden. Ministerpräsident Netanjahu, der am Nachmittag eigentlich nach Moskau fliegen wollte, beriet bis zum Abend mit Kabinettskollegen über das weitere Vorgehen. Innenminister Jischai von der ultraorthodoxen Schas-Partei verlangte „Aktionen gegen den Terror“. Die Regierung erwäge derzeit mehrere Optionen, sagte er. Der palästinensische Ministerpräsident Fajad sprach von einem „schändlichen Terrorakt“. Bundesaußenminister Westerwelle verurteilte in Berlin den „perfiden Anschlag“ aufs Schärfste, für den es keine Rechtfertigung gebe.

          Die Detonation ereignete sich an einem zentralen Busbahnhof

          Raketenbeschuss aus Gaza

          Im Gazastreifen hatte sich zuvor die Terrororganisation Islamischer Dschihad der beiden Raketenangriffe auf Beerscheva bezichtigt. Sie drohte, auch andere Städte ins Visier zu nehmen, die tiefer im israelischen Staatsgebiet liegen. Ein Sprecher der Regierung in Gaza teilte mit, Hamas-Büros und Einrichtungen der Sicherheitskräfte seien geräumt worden, weil weitere israelische Luftangriffe befürchtet würden.

          Der israelische Ministerpräsident Netanjahu kündigte an, dass die Streitkräfte mit aller Härte gegen den Beschuss aus Gaza vorgingen, der in den vergangenen Tagen deutlich zugenommen hat. Auch am Mittwoch griff die israelische Luftwaffe im Gazastreifen mehrere Ziele an. Am Abend gingen im Süden Israels mehrere aus Gaza abgefeuerte Mörsergranaten nieder. Netanjahus Stellvertreter Schalom schloss eine Militäroffensive im Gazastreifen wie vor gut zwei Jahren nicht mehr aus. Die gegenwärtige Lage erinnere ihn an die Tage vor der Militäraktion „Gegossenes Blei“ Ende 2009, bei der mehr als tausend Menschen umkamen. Heimatschutzminister Vilnai sagte im Rundfunk, eine militärische Konfrontation mit der Hamas sei „nur eine Frage der Zeit“.

          Hamas-Ministerpräsident Hanija mahnte nach Agenturberichten die bewaffneten Gruppen in Gaza zur Zurückhaltung. Sie hatten allein am Samstag rund 50 Geschosse abgefeuert. Laut israelischen Presseberichten beteiligte sich aber auch die Hamas nach langer Zeit wieder an Angriffen auf israelisches Gebiet, nachdem die israelische Armee in der vergangenen Woche ein Trainingslager der Organisation beschossen hatte. Den Mittwoch rief die regierende Hamas in Gaza zu einem Trauertag für die acht Palästinenser aus, die am Dienstag im Gazastreifen ums Leben gekommen waren.

          Unter ihnen waren nach palästinensischen Angaben vier Zivilisten; das jüngste Opfer sei elf Jahre alt gewesen. In Ramallah wurde vermutet, dass bewaffnete Kräfte in Gaza mit der jüngsten Eskalation versuchten, die Versöhnungsinitiative von Präsident Abbas zu hintertreiben. Abbas hatte angeboten, sofort nach Gaza zu reisen, um den Bruderkrieg mit der Hamas zu beenden. Die Hamas-Führung hatte zunächst positiv auf seine Ankündigung reagiert.

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