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Eine Putzfrau in Qatar erzählt : Fatma

  • -Aktualisiert am

„Ich hab meinem Boss gesagt: Wenn Gott ihn so begünstigt hat, soll er etwas von seinem Reichtum abgeben.“ Fatma ist anders als andere Hausmädchen. Bild: Thomas Fuchs

Fatma ist Putzfrau in Doha, Qatar. Sie kam vor zwölf Jahren von den Philippinen. Fatma putzt auch die Wohnung unserer Autorin – und erzählt nebenbei ihre Lebensgeschichte.

          Fatma kann im Staub lesen. Sie liest darin, wann zum letzten Mal geputzt wurde, wie viele Menschen in der Wohnung leben und ob sie ihr Leben unter Kontrolle haben. Die meisten, sagt Fatma, lügen, wenn sie fragt, wann sie zum letzten Mal die Küche gewischt haben. Aber der Staub, der lügt nicht.

          Vier, fünf Wohnungen putzt sie am Tag - jeden Tag außer freitags. Es sei denn, es gibt einen Sandsturm, dann klingelt ihr Handy auch freitags im Stundentakt.

          Fatma war meine erste Putzfrau. Sie kam auf Empfehlung von Kollegen, und weil ich nicht recht wusste, wie das üblicherweise läuft, habe ich mitgeputzt. Erst zur Kontrolle, dann der Geschichte wegen.

          Sonntagnachmittag in Doha, alle zwei Wochen: Trrrr. Energisches Türklingeln. Sie steht, verhüllt, von einem Ganzkörperschleier vor der Tür, geht zackigen Schrittes hinein, küsst mich auf beide Wangen, wirft dann ihre schwarze Abaya und den Niqab auf den Wohnzimmersessel, krempelt die Schlafanzughosenbeine hoch und fängt in atemberaubender Geschwindigkeit an zu wischen und zu schrubben. Ich sortiere meine Papierstapel, sie erzählt.

          Ihre Kinder zu verlassen sei das Einzige, was sie für sie tun konnte

          Die Geschichte beginnt im Sommer vor zwölf Jahren. Wie die meisten der 40 000 philippinischen Frauen in Qatar kommt Fatma als Hausmädchen ins Land. Sie füllt ein Formular aus, auf dem ihre Körpergröße, ihre Hautfarbe und ihr Gewicht festgehalten werden. Daneben zwei Fotos, einmal Porträt, einmal ganzer Körper. Darunter Kästchen zum Ankreuzen: Cooking yes/no, Babysitting yes/no, Arabic speaking yes/no. Das sind die Informationen, die qatarische Familien haben, bevor sie ein Hausmädchen aus Asien ins Land holen.

          Fatma hat vier Kinder, die jüngste Tochter war damals acht Monate alt, der Vater mit einer anderen Frau verschwunden. Bald kam die Zusage aus Doha, sieben Tage später sollte sie fliegen. Fatma packte, setzte die Kinder bei ihrer Mutter ab, verabschiedete sich.

          „Ich habe meine Kinder zurückgelassen, um mich um die Kinder einer anderen Frau zu kümmern“, sagt Fatma und putzt ein bisschen langsamer. Sie sagt, ihre Kinder zu verlassen sei das Einzige gewesen, was sie je für sie tun konnte. Dann wechselt sie das Thema.

          „Vorher, auf den Philippinen, habe ich viele Geschichten darüber gehört, wie sie hier mit ihren Dienstmädchen umgehen. Aber elhamdulilah, Gott sei Dank, es sind nicht alle Menschen gleich“, sagt sie, „sie sind so unterschiedlich wie unsere Finger.“ In Doha dann gehörte Fatma zu einer ganzen Mannschaft von Angestellten einer gutsituierten qatarischen Familie: „Drei Dienstmädchen, drei Fahrer, ein Koch und ein Mann für die Wäsche.“ Damaliges Monatsgehalt: 500 Rial, umgerechnet 112 Euro.

          Fatmas Eltern, ihr Bruder und eine Tante warten auf Geld aus Doha, die Kinder sowieso. „Ich hab meinem Boss gesagt, dass ich das Gehalt so nicht akzeptieren kann. Wenn es keine armen Leute wie mich gäbe, dann gäbe es keine reichen Leute wie ihn, habe ich ihm gesagt. Und dass er etwas davon abgeben soll, wenn Gott ihn so begünstigt hat.“ Der Familienvater war einverstanden, seine Frau aber blockierte jede zusätzliche Ausgabe. Eine Gehaltserhöhung gab es trotzdem, nur eben hinter ihrem Rücken. Fatma bekam bald nicht nur mehr Geld, er kaufte ihr auch Kleidung und Kosmetika. Einmal sogar Parfum. Zum Ausgleich schlief sie mit ihm.

          Fatma erzählt das kurz und bündig. Es ist nichts, wofür sie im Staubwischen innehalten müsste. Fatma findet ihre Geschichte normal. Es ist die Geschichte der Hausmädchen in den Golfstaaten, es gibt sie in tausendfachen Varianten, jede besonders und dennoch mit ähnlichen Mustern. Fast immer ist es die Geschichte eines Selbstverkaufs für Geld, das letztlich nicht reicht. Oder doch, aber seinen Preis nicht wert war. Und die Geschichte eines Familiendramas hinter verschlossenen Türen.

          „Die Frau tut so, als ob sie nichts wüsste. Sie kann nicht zugeben, dass ihr Mann mit der Dienerin ins Bett geht. Aber sie spürt es irgendwie. Und dann macht sie dein Leben zur Hölle.“ Anderthalb Jahre nach ihrer Ankunft wurde Fatma zum ersten Mal aus Qatar ausgewiesen. Die Ehefrau schleppte sie nach einem nächtlichen Eklat zurück zur Agentur, die Fatma vermittelt hatte, die Agentur brachte sie zum sogenannten „Deportation Centre“, einer Art Abschiebegefängnis. Zwei Wochen später saß sie in einer Gulf-Air-Maschine nach Manila und hörte den Geschichten der anderen zu.

          Viele Hausmädchen werden misshandelt oder eingesperrt

          Flüge von Doha, Abu Dhabi oder Riad auf die Philippinen sind voll von Hausmädchen mit Gesprächsbedarf. Frauen, die nach Jahren zum ersten Mal nach Hause fliegen und sich auf ihre Familien freuen. Oder solche, die gegen ihren Willen ausgewiesen wurden und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Manchmal auch schwangere Hausmädchen, die ihr Kind in Manila austragen und danach zurück nach Doha fliegen, um für die gleiche Familie weiterzuarbeiten. „Die Familien sagen: Das Kind ist vom indischen Fahrer. Aber alle wissen, dass das nicht stimmt“, sagt Fatma.

          80 Prozent der Frauen, die sie kenne, behauptet sie, hätten irgendwann eine Beziehung mit ihrem Arbeitgeber oder einem anderen Mann im Umfeld der Familie. „Fatma, du übertreibst“, sage ich. Doch niemand kennt genaue Zahlen. Eine verlässliche Sozialforschung über Hausmädchen in den Golfstaaten gibt es nicht, jedenfalls nicht zu diesem Thema. Was es gibt, sind Gerüchte. Und die Labour Offices der Botschaften, die auch für Hausmädchen zuständig sind.

          „An einem durchschnittlichen Tag flüchten fünf, sechs Frauen zu uns“, sagt ein Mitarbeiter der philippinischen Botschaft. „Und von zehn Ausreißerinnen wurden sieben oder acht von ihren Arbeitgebern misshandelt.“ Die häufigsten Fälle: nicht genug zu essen, Schläge, manchmal monatelanges Eingesperrtsein, bis sich eine Möglichkeit zur Flucht ergibt. Und wie viele haben sexuelle Beziehungen zu ihrem Arbeitgeber? „Zwei oder drei von zehn erzählen uns von sexuellen Belästigungen“, sagt der Botschaftsmitarbeiter. „Aber tatsächliche Beziehungen sind selten. Wissen Sie, philippinische Frauen sind sehr gottesfürchtig. Die tun solche Dinge nicht, wenn sie nicht gezwungen werden.“

          Sicher ist: Das Spektrum reicht von Vergewaltigungen über finanzielle Versprechungen bis hin zu verwirrter Verliebtheit auf beiden Seiten. „Es kommt darauf an“, sagt Fatma, „manchmal geht es um Geld. Manchmal sind die Männer in ihrer Ehe unglücklich und einsam. Die Dienstmädchen sind auch unglücklich und einsam. Und dann fangen sie etwas an.“ Manchmal endet das Etwas erst mit dem Ende des Vertrags, wenn das Hausmädchen nach zwei, fünf, auch mehr als zehn Jahren auf die Philippinen zurückkehrt oder die Familie wechselt. Meist aber ende es mit einem Drama, sagt der Botschaftsmitarbeiter.

          „Ich habe gemerkt: Auch andere Leute sind so wie wir“

          Fatma steht in meinem Wohnzimmer, mit dem Schrubber in der Hand, und spielt alle drei Rollen. Die, des Ehemanns, der seiner Frau sagt, dass er sie nicht brauche (“Meine Dienerin macht alles für mich, was willst du noch hier!?“), die der Ehefrau, die aus gekränktem Stolz das Hausmädchen schikaniert; die des Hausmädchens, das sich an den Kindern abreagiert und dann zur philippinischen Botschaft flüchtet. „Das ist das Leben“, sagt Fatma während sie auf die Küchenanrichte steigt und den Ventilator entstaubt.

          Fatma ist heute 37 Jahre alt und in vieler Hinsicht anders als die meisten Filipinas in Qatar. Statt sanft und zart ist sie robust und dickköpfig. Die meisten „cleaning ladies“ wagen nur selten Blickkontakt und nennen mich „Madame“, obwohl ich jünger bin und manche nur für Interviews treffe. Fatma dagegen brüllt „Steeeph“ durchs Haus.

          Fatma ist unkompliziert. Trotzdem habe ich lange gebraucht, bis ich gewagt habe, sie um ein Interview zu bitten, statt nur heimlich Notizen zu machen. Ich dachte, die Geschichte sei ihr zu intim, zu heikel. Falsch gedacht. Fatma freut sich, dass ich neuerdings ein Aufnahmegerät mitlaufen lasse. Sie freut sich über die deutsche Zeitung, die sich für sie interessiert.

          Meine Kollegen und ich sind für sie das, was sie „professional people“ nennt. Das Wort hat in ihrem Mund einen ungeheuer positiven Klang und meint alle, die mit Computern arbeiten und bei der Arbeit nicht schmutzig werden. „Am Anfang wusste ich nicht, wie ich mit professionellen Leuten umgehen soll“, sagt Fatma. „Aber dann hab ich gemerkt: Sie sind wie wir.“ Aus den Badezimmern ihrer Kunden schließt sie, ob es ihnen gut geht oder ob sie morgens gestresst aus der Wohnung hetzen. Und manchmal zählt sie die Taschentücher unter dem Kopfkissen. „Da liegen manchmal lauter Kleenex“, erzählt sie beim Bettenaufschütteln. „Und da hab ich mir gedacht: Auch die professionellen Leute weinen in der Nacht.“

          Sie selbst habe das hinter sich, meint sie. Sie weine nicht mehr, schon gar nicht wegen Männern. „Als ich nach der ersten Abschiebung zurück nach Qatar gekommen bin, bin ich durch die Hölle gegangen“, erzählt sie in jenem unbeteiligt, lakonischen Ton, als ob es nicht um ihr Leben ginge. Dass sie überhaupt zurück nach Doha kam, liegt am zweiten Teil ihres Dramas: Noch am Flughafen kam damals ein Anruf von einem qatarischen Mann, den sie flüchtig kannte und der ihr versprach, sie auf eigene Kosten zurück ins Land zu holen. Er besuchte sie auf den Philippinen, nahm ihren Reisepass mit und schickte bald darauf ein Visum mit neuem Sponsor - so nennt man in den Golfstaaten den Einheimischen, der eine Art Vormundschaft für Migranten übernimmt und von dessen Einwilligung nicht nur das Visum abhängt, sondern auch jeder Arbeitswechsel und die spätere Ausreise. Theoretisch sollte der Sponsor gleichzeitig der Arbeitgeber sein, doch hat sich ein schwunghafter Handel mit den Lizenzen entwickelt. „In seiner Familie konnte ich nicht arbeiten, weil seine Frau eifersüchtig war. Also hat er mich als Hausmädchen zu Freunden von sich getan und ist mich besuchen gekommen“, sagt Fatma. Sie wurde seine Geliebte, diesmal in der Kategorie verkorkste Verliebtheit auf beiden Seiten.

          Ihre Ehe ist ein Deal: sie will ein Visum, er eine Frau

          Es folgt jenes Chaos, das einsetzt, wenn manche religiöse Regeln angewandt, andere uminterpretiert, wieder andere über Bord geworfen werden. Sie konvertierte, von ihm inspiriert, zum Islam und nennt sich seitdem Fatma. Der Name in ihrem Pass bleibt so katholisch wie auf den Philippinen üblich. Ihr Liebhaber versuchte sich in theologischen Rechtfertigungen seines Ehebruchs, verhedderte sich und ließ sein schlechtes Gewissen an ihr aus. „Da habe ich dann angefangen, den Gesichtsschleier zu tragen“, sagt Fatma. Weil das für Dich eine religiöse Regel ist? „Weil ich nicht wie ein Hund behandelt werden will.“ Weil eine Filipina in Jeans und T-Shirt zu viele unmoralische Angebote bekommt. Weil „Filipina“ am Golf für manche nichts anderes bedeutet als: „ein Mädchen, bei dem man es sich erlauben kann“.

          Unter dem Niqab wird sie nicht einmal von ihrem ehemaligen Liebhaber erkannt, den sie schließlich abservierte und nie wieder sehen möchte. Mit Folgen: Visum zurückgezogen, zweite Ausweisung. Und dritter Mann. Der jetzige.

          Gerardo heißt er, arbeitet auf einer Baustelle im Norden Qatars und lebt in einem Arbeitslager für asiatische Gastarbeiter in Doha. Fatmas Onkel brachte die beiden zusammen, sie beschlossen, im Schnellverfahren zu heiraten. Die Ehe ist ein Deal: Sie will ein Visum und eine kostenlose Wohnung. Er will eine Frau. Sie kann durch die Heirat nach ihrer Abschiebung neu als Ehefrau eines Arbeiters einreisen und braucht keinen eigenen Sponsor mehr. Auf seiner Matratze ist Platz für eine zweite Person, die Miete zahlt die Baufirma.

          Gerardo trägt Baseball-Kappen und goldene Kettchen, er lebt seit fünfzehn Jahren im Ausland, erst in Taiwan, dann in den Golfstaaten. Seit Fatma sein Zimmer in Schuss hält, abends kocht und ihm den Rücken massiert, wird er von seinen Kollegen beneidet. In der Unterkunft für etwa 70 Bauarbeiter ist Fatma die einzige Frau.

          Und die einzige, die so viel verdient wie sechs Bauarbeiter zusammen. „Gott hat sich dafür bedankt, dass ich zum Islam gefunden habe“, sagt Fatma. „Ich habe zu ihm gebetet und ihm gesagt: Bitte, gib mir genug Kunden und gib mir einen Mann, der bleibt. Und wenn du mir nicht 100 Prozent geben kannst, dann gib mir 50 Prozent. Es muss ja nicht perfekt sein.“

          Die Hälfte des Wunschs wurde erfüllt. Fatma traf eine Engländerin, die eine Putzfrau suchte und Fatma prompt weiterempfahl. Seit vier Jahren schrubbt sie nun als freischaffende Putzfrau die Wohnungen von Europäern, die bereit sind, dreimal so viel zu zahlen wie für die sonst üblichen Reinigungsfirmen. Manpower-Agenturen vermieten Putzhilfen aus Sri Lanka für weniger als fünf Euro die Stunde. Für die Frau bleiben davon im Monat maximal 200 Euro. Fatma bringt es auf 1150 Euro und auf 1600 Euro in Monaten mit Sandsturm. Seit ihrer Ankunft im Sommer 2000 hat sie ihr Gehalt verzehnfacht.

          Sie hat auf den Philippinen ein Grundstück gekauft, ihren ältesten Töchtern die Ausbildung bezahlt und die Krankenhausrechnungen der ganzen Verwandtschaft. Seit kurzem hat sie einen gebrauchten Laptop und ein Facebook-Account, fast wie „professional people“.

          „Wir sind hier, um Geld zu verdienen“

          Damit wir beim Reden nicht immer nur putzen lädt sie mich zum Abendessen ein. Sie schickt Gerardo zu Freunden (“Er kann morgen die Reste haben.“) und serviert frischen Hummer und eine riesige Schokoladentorte aus einem viel zu teuren Laden. Ich protestiere, sie lächelt nur. Und erzählt später verächtlich, dass sie für ihren Mann das Essen zahlen müsse, obwohl dafür im Islam schließlich der Mann zuständig sei.

          Im Moment ist sie nicht sicher, ob ihre Ehe noch ein strategischer Vorteil ist. Aber die Miete! Und das Visum! Und vor allem: „Es hat schon schlimmere Männer gegeben.“ Doch es gibt da einen Haken: Die Ehe von Fatma und Gerardo ist eine Ehe, die es gar nicht geben dürfte. Denn Gerardo war schon verheiratet. Mit einer Frau, die auf den Philippinen lebt, Mutter seiner drei Kinder ist und denkt, ihr Mann lebe in Doha ganz alleine. Neben zwei Ehefrauen hat Gerardo somit zwei Religionen. Auf den Philippinen ist er Katholik und geht in den Sonntagsgottesdienst. In Qatar ist er für die Heirat mit Fatma zum Islam konvertiert, ihre Ehe ist in Doha nach islamischem Recht eingetragen - und in ihrer Heimat ungültig.

          Fatma versteht das nicht. Bei der philippinischen Botschaft habe man ihr gesagt, ihre Ehepapiere hätten keinerlei Bedeutung. „Gott sind eure Gesetze scheißegal!“, habe sie der Dame am Schalter gesagt. „Er wird ja wohl wissen, wie man die Papiere richtig machen muss.“

          Als wir gerade anfangen, die Schokoladentorte anzuschneiden, kommt Gerardo ins Zimmer. Er setzt sich kurz, dann klingelt sein Handy. Er läuft hektisch aus der Tür und hebt erst draußen ab.

          „Seine Frau“, sagt Fatma. Gerardo läuft vor dem Gebäude auf und ab, Handy eng am Ohr. „Wir haben eine Regel: Wenn ich im Zimmer bin, und sie ruft an, dann muss er raus.“ Es ist vermutlich die einzige Regel, die in ihrer Ehe Bestand hat.

          Wie lange wollt ihr das noch machen? Noch zwei Jahre, sagt sie. Vielleicht drei, sagt er. Dann möchten sie zurück auf die Philippinen und das Geld genießen, das sie hier verdienen. Aber wie, das weiß keiner von beiden. Gerardo könnte zu seiner ersten Familie zurückkehren und so tun als sei nichts gewesen. Fatma könnte eine Entscheidung fordern. Doch die Philippinen sind das weltweit einzige Land, in dem Ehen nicht geschieden, sondern nur annulliert werden können. Er grinst. Sie schweigt. „Wir sind hier, um Geld zu verdienen, nicht um Kopfweh zu kriegen“, sagt Gerardo.

          Fatma betet, dass sich alles irgendwie fügen möge. An freien Abenden spielt sie mit Facebook. Sie hat eine App entdeckt, mit der man das eigene Foto als Cover bekannter Magazine einfügen kann. Sie zeigt lachend ihr Werk: „Forbes“ steht darauf in großen Lettern, darunter Fatmas Foto, sie lächelt darauf in die Kamera, ohne Kopftuch, nur mit Tanktop. Über ihrer Brust der Titel: „Billionaires - the richest people in the world“.

          „Würdest Du nach alldem noch mal nach Qatar kommen?“, frage ich bei unserem letzten Treffen.

          „Natürlich“, sagt Fatma. „Staub ist Geld. Und Qatar ist das staubigste Land der Welt.“

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