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Protest in Russlands Taiga : Die unbändige Wut der Provinz

Aufgebracht: Demonstranten sehen den Norden Russlands als „Müllgrube“ herabgewürdigt. Bild: Friedrich Schmidt

Russland hat ein Müllproblem, besonders im Moskauer Umland ist die Lage prekär. Abhilfe soll nun eine riesige Deponie in der Taiga schaffen. Doch die Bevölkerung wehrt sich gegen das Vorhaben.

          8 Min.

          Tausendzweihundert Bahnkilometer nordöstlich von Moskau, an der Bahnstation Schijes im Archangelsker Gebiet, stehen Hütten und Zelte auf einer in der Taiga gerodeten Fläche. Es liegt Schnee, aus Ofenrohren steigt Rauch auf, ein Stromgenerator brummt. Am Eingang des improvisierten Lagers wehen Dutzende Flaggen. Kommunisten, Anarchisten, Zarenanhänger und Veteranen verschiedener Militäreinheiten haben sie an langen, in den sumpfigen Boden getriebenen Ästen gehisst. Es ist ein Zeichen ihres Bündnisses gegen diejenigen, die hier eine gigantische Deponie für Müll aus der Hauptstadt anlegen wollen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Der Widerstand begann, nachdem zwei Jäger auf der Pirsch im Juli 2018 an der Bahnstation auf Arbeiter getroffen waren. Details der Deponie-Pläne, welche die Politik erst Monate später zugab, sind weiter unklar. Erst seit dem vergangenen Sommer steht ein kleines, blaues Zelt an den Gleisen der Bahnstrecke von Moskau nach Workuta. „Ökotechnikpark Schijes“ und „Informationszentrum“ steht auf einem Schild über dem Eingang. Es klingt nach Umweltschutz und Offenheit. Doch wer sich dem Zelt nähert, wird von maskierten Männern in Schwarz gefilmt. Sie stellen sich nicht vor, bleiben wortkarg und sind nur durch einen Schriftzug ihrem Arbeitgeber zuzuordnen: dem privaten Wachdienst „Sicherheitsgarant“.

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