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Die Opfer aus Christchurch : „Nun ruht er in Frieden“

  • -Aktualisiert am

Menschen trauern an der Gedenkstätte in Christchurch um die 50 Opfer des Attentats. Bild: AFP

50 Menschen sind bei dem Anschlag auf zwei Moscheen in Neuseeland ums Leben gekommen. Eine Erinnerung an die Opfer des grausamen Attentats, das wohl aus einer rassistischen Ideologie heraus begangen wurde.

          Noch immer ist Neuseeland in Schockstarre: Ein Attentäter hat zwei Moscheen gestürmt und 50 Menschen umgebracht. Wie der „Guardian“ berichtet, wurden 42 weitere Menschen verletzt. Noch sind die Leichname der Zeitung zufolge in der Obhut der Behörden – die Todesursachen seien noch nicht abschließend festgestellt, hieß es. Die neuseeländische Polizei rief Angehörige dazu auf, Vermisste auf einer Internetplattform des Roten Kreuzes zu melden.

          Mit seinem Anschlag traf der Täter einen internationalen Schmelztiegel. Die Menschen, die seinem Amoklauf zum Opfer fielen, kommen zum Teil von den Fidschi-Inseln, aus Syrien, Pakistan, Afghanistan, Indien, Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien, Somalia, Kuweit, Bangladesch, Indonesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten.

          Unter ihnen sind ein junger Pilotenschüler und ein palästinensischer Kardiologe, ein pensionierter Ingenieur und ein Dozent der Betriebswirtschaftslehre, ein Maschinenbauer und ein Restaurantbesitzer. Ums Leben kamen Kriegsflüchtlinge, langjährige Bürger Neuseelands sowie kürzlich Eingewanderte. Die Opfer sind zwischen 3 und 77 Jahre alt und überwiegend männlich.

          Wir möchten an dieser Stelle an jene Menschen erinnern, die hinter den Opferzahlen stehen. Stellvertretend für alle möchten wir einige von ihnen vorstellen. Wir haben uns dazu entschlossen, keine Fotos von ihnen zu zeigen.

          Mucad Ibrahim, 3 Jahre alt

          Das jüngste Opfer des Attentats war der drei Jahre alte Mucad Ibrahim, dessen Familie aus Somalia kommt. Mucad war mit seinem Vater und seinem Bruder in der Al-Nur-Moschee, als der Attentäter hineinstürmte. Wie die „Washington Post“ rekonstruierte, verlor sich die Familie in dem Chaos, Vater und Bruder überlebten. Ein Augenzeuge beobachtete, wie Mucad auf den bewaffneten Mann zulief, ohne die Gefahr zu erkennen. Sein jugendlicher Bruder schrieb auf Facebook über Mucad: „Er war lebhaft, verspielt und er mochte es, zu lächeln und viel zu lachen.“

          Daoud Nadi, 71 Jahre alt

          Daoud Nadi ist das erste Opfer, das identifiziert werden konnte. Geboren in Afghanistan, floh Daoud Nadi vor rund 40 Jahren nach Neuseeland. Als Präsident des afghanischen Verbandes in Christchurch galt er als Unterstützer von Migranten. Wie sein Sohn Omar Pressevertretern sagte, habe sich sein Vater schützend vor eine jüngere Person gestellt, als der Täter das Feuer eröffnete. Ein Journalist zitierte Omar Nabi am Samstag auf Twitter: „Als ihm klar war, dass seine Zeit um ist, half er anderen, weil sie jünger waren. Ihre Leben müssen weitergehen.“ Daoud Nadi wurde 71 Jahre alt.

          Atta Elayyan, 33 Jahre alt

          Unter dem Pseudonym „Cr@zyArab“ („Verrückter Araber“) hat der aus Kuweit stammende Atta Elayyan – laut eines Nachrufs des Videospielportals „Daily Esports“ – eine gewisse Berühmtheit in der Szene erlangt. Besonders talentiert sei er im Computerspiel „Counterstrike“ gewesen. 2010 gründete er mit einem Freund eine Firma zur Entwicklung von Handy-Apps. „Er war einer der interessantesten Menschen der Welt“, heißt es in dem Nachruf. Nebenbei spielte Atta laut dem „Sydney Morning Herald“ als Torhüter in der nationalen Futsal-Mannschaft, einer von der Fifa anerkannten Variante des Hallenfußballs. Atta ist erst kürzlich Vater geworden.

          Sayyad Milne, 14 Jahre alt

          Sayyad Milne träumte davon, internationaler Fußballstar zu werden, wie seine Familie laut dem „Guardian“ berichtete. Er war in Neuseeland aufgewachsen und besuchte ein Gymnasium. Seinen Angehörigen bleibt er als gutmütiger, netter und fußballverrückter Jugendlicher in Erinnerung. Sein Vater sagte dem „New Zealand Herald“: „Es ist so hart … zu sehen, wie ihn jemand niederschoss, der sich um nichts und niemanden scherte.“ Nun ruhe er in Frieden. Der 14 Jahre alte Junge war am Freitag mit seiner Mutter in die Al-Nur-Moschee gegangen. Dem Guardian zufolge ist ihr die Flucht gelungen.

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