https://www.faz.net/-gpf-p5px

Einbürgerungszeremonie : Willkommen in Amerika

  • -Aktualisiert am

An einem Tag werden mehr als 7100 Frauen und Männer eingebürgert Bild: Matthias Rüb

Aufstehen für den Treueeid: Sie kommen aus aller Herren Ländern, genaugenommen aus 130 Staaten. Wenn die Zeremonie beendet ist, werden sie alle nur noch "einer Nation unter Gott" angehören.

          10 Min.

          Es ist eine besondere Prozession, die zum Pomona "Fairplex" pilgert. Manche gehen am Stock oder werden gar im Rollstuhl geschoben. Andere streben ausgreifenden Schrittes ihrem Ziel entgegen. Die einen kommen im Sonntagsstaat, tragen einen Blumenstrauß, haben sich selbst und ihren Kindern eine Krawatte umgebunden oder das hübsche Kostüm aus dem Schrank geholt. Andere tragen die informelle amerikanische Freizeituniform aus Jeans, T-Shirt und Turnschuhen. Wieder andere kommen im Sari oder in der Ausgehuniform der Luftwaffe oder der Marineinfanterie. Einige Frauen haben ihr Haar unter einem Kopftuch verborgen, andere kommen frisch vom Friseur. Die Männer tragen breitkrempige Hüte aus Lateinamerika, allerlei Mützen und Kappen aus dem Orient oder aus Asien. Auch ein buddhistischer Mönch mit kahlgeschorenem Haupt und signalorange Gewand ist dabei.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Sie kommen aus aller Herren Ländern, genaugenommen aus 130 Staaten. Wenn die Zeremonie in der riesigen Halle 4 auf dem Messe- und Ausstellungsgelände "Fairplex" von Pomona, einer Vorstadt im Osten von Los Angeles, beendet ist, werden sie alle nur noch "einer Nation unter Gott" angehören. Sie werden Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika sein, ausgestattet mit einer Einbürgerungsurkunde, die sie berechtigt, ohne Einschränkung eine Arbeit anzunehmen, einen amerikanischen Paß und die Eintragung ins Wahlregister zu beantragen und mithin Gemeinde- und Stadträte, Bürgermeister, Schulamtsleiter, Richter, Polizeichefs, Abgeordnete und Senatoren für den Kongreß in Washington und natürlich einen Präsidenten für das Weiße Haus zu wählen. Und sie werden hin und wieder als Schöffen in Geschworenengerichten dienen müssen.

          640 000 Einwanderer erhalten amerikanische Staatsangehörigkeit

          Es ist etwa halb acht Uhr morgens. Bis zum Mittag wird sich die Sonne durch den Morgendunst von Los Angeles durchgekämpft haben. Masseneinbürgerungen finden im Distrikt von Los Angeles ungefähr jeden Monat statt, meistens auf dem Messegelände in Pomona. Heute werden bei einer Zeremonie um neun Uhr morgens und einer weiteren um halb zwei Uhr nachmittags zusammen 7130 Frauen und Männer "naturalisiert", wie es auf amerikanisch heißt. Man muß die Naturalisierungen in zwei Etappen vornehmen, weil selbst die riesige Messehalle eine solche Menge nicht auf einmal fassen könnte. Am 4. Juli sowie an den Tagen kurz vor und nach dem Unabhängigkeitstag werden im ganzen Land 16 000 Immigranten eingebürgert - eine Art Geburtstagsgeschenk Amerikas an sich selbst aus Anlaß des 228. Jahrestages der Unabhängigkeitserklärung.

          7,4 Millionen Einwanderer erhielten im letzten Jahrzehnt die amerikanische Staatsbürgerschaft.

          Mehr als 640 000 Einwanderer erhalten dieses Jahr die amerikanische Staatsangehörigkeit. Masseneinbürgerung von Ausländern gibt es nicht nur in Kalifornien, dem mit etwa 34,5 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten amerikanischen Bundesstaat, sondern auch in anderen Staaten mit einem hohen Anteil an Einwanderern wie New York und Florida. In Kalifornien, wo der österreichische Einwanderer Arnold Schwarzenegger im Oktober 2003 zum Gouverneur gewählt wurde, leben seit Anfang 2000 mehr Angehörige der hispanischen, asiatischen und schwarzen Minderheiten zusammengenommen als Weiße. Auch New Mexico und wahrscheinlich Texas gehören inzwischen zur Kategorie der "Minderheiten-Mehrheit", und bis etwa 2040 dürften die Weißen in den Vereinigten Staaten insgesamt in der Minderheit gegenüber den Minderheiten sein.

          Vereinigten Staaten wollen wachsen

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Japans Ministerpräsident Shinzo Abe

          Notstand in Japan : Abes steile Lernkurve

          Vor kurzem wollte er noch Olympische Spiele in Tokio veranstalten. Jetzt hat Ministerpräsident Abe dort den Notstand ausgerufen. Er ist in der Wirklichkeit gelandet.

          Dominic Raab : Wer regiert jetzt Großbritannien?

          Dominic Raab ist Boris Johnsons Wunsch-Vertretung. Der Außenminister bezeichnet sich als „neuer Konservativer“ und war früh für den Brexit. Sein Stil unterscheidet sich fundamental von dem des Premierministers.

          F.A.Z. exklusiv : Industrie erhöht den Druck für Exit-Strategie

          „Die Unternehmen müssen wissen, woran sie sind“, fordert DIHK-Chef Eric Schweitzer im Gespräch mit der F.A.Z. Auch die Autoindustrie warnt: „Der Hochlauf wird anspruchsvoll und Zeit benötigen“, meint VDA-Chefin Müller.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.