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Eisenbahndiplomatie : Ein Zug fährt von Süd- nach Nordkorea

Der südkoreanische Zug passiert am Freitag die Grenze nach Nordkorea. Bild: Reuters

Die Eisenbahndiplomatie zwischen Seoul und Pjöngjang kommt ins Rollen. Nach monatelanger Verzögerung querte am Freitag ein Zug von Süden nach Norden die innerkoreanische Grenze.

          Zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt hat am Freitag ein Zug die innerkoreanische Grenze überquert. Der Zug aus Südkorea mit sechs Wagen soll 18 Tage lang in Nordkorea Zugstrecken entlang der Küste abfahren, um die Qualität der Gleise und Anlagen zu inspizieren. Die beiden koreanischen Staaten hatten die Inspektionsfahrt im April vereinbart als Vorbereitung für eine Modernisierung der Gleise und regelmäßige Bahnverbindungen zwischen Nord und Süd.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Versuch, durch die Verknüpfung der Eisenbahntrassen auch die politische Bande zwischen Nordkorea und Südkorea zu stärken, hing lange in der Luft. Im August hatte das amerikanisch dominierte Kommando der Vereinten Nationen, das die entmilitarisierte Zone zwischen den koreanischen Staaten überwacht, die Testfahrt eines Zuges von Süd- nach Nordkorea aus formalen Gründen verhindert. Das galt als eines der sichtbarsten Signale, das den Vereinigten Staaten die rasche Annäherung zwischen Seoul und Pjöngjang zu schnell ging. Auch stand im Raum, ob Südkorea mit der Reise Sanktionen verletzte. Mittlerweile aber hat die südkoreanische Regierung eine Ausnahmegenehmigung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen erhalten.

          Der Zug kreuzte am Freitagmorgen zwischen den Bahnhöfen Dorasan und Panmun die Grenze. In Panmun übernahm eine nordkoreanische Lokomotive die sechs Waggons, darunter ein Passagier- und ein Schlafwagen. Der Zug soll in einer ersten Etappe mit mehr als zwei Dutzend süd- und nordkoreanischer Eisenbahnspezialisten und Vertretern des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums an der nordkoreanischen Westküste bis zur koreanisch-chinesischen Grenzstadt Sinuiju fahren. Danach kreuzt er die Halbinsel zur nordkoreanischen Ostküste und prüft dort die Qualität der Eisenbahnlinie von Wonsan nach Norden bis zur nordkoreanisch-russischen Grenze.

          Für die südkoreanische Regierung ist die Inspektion der Eisenbahntrassen ein erster Schritt zur Vision von Präsident Moon Jae-in, durch die grenzüberschreitenden Eisenbahnlinien Südkorea an das eurasische Eisenbahnnetz anzuschließen. Nach dem Plan soll die Eisenbahn auch zur wirtschaftlichen Integration der beiden koreanischen Staaten beitragen. Moon versucht, die stockenden Gespräche zwischen Nordkorea und Amerika wieder in Schwung zu bringen. Noch vor Jahresende will die Regierung in Seoul – wie mit Pjöngjang vereinbart – in einer gemeinsamen feierlichen Zeremonie eine Art Grundsteinlegung für die Eisenbahnverbindung vollziehen. Das dürfte eher ein zeremonieller Akt werden. Nach der Inspektionsreise erwartet das südkoreanische Vereinigungsministerium zunächst weitere Planungen und Kontrollbesuche. Notwendige Bauarbeiten würden im Einklang mit Fortschritten bei der nuklearen Abrüstung Nordkoreas erfolgen, heißt es.

          Grenzüberschreitende Zugbewegungen auf den seit 1945 getrennten Bahntrassen gab es zuletzt vor zehn Jahren. Damals befuhr ein südkoreanischer Zug zu Inspektionszwecken die nordkoreanische Strecke nach Sinuiju. Von Dezember 2007 bis November 2008 gab es regelmäßigen Frachtverkehr zwischen Dorasan und Panmun, um Material in den gemeinsamen Industriepark Kaesong auf nordkoreanischem Boden zu bringen. Danach verhinderten politische Spannungen den grenzüberschreitenden Zugverkehr.

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