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Ein Tag mit Geert Wilders : Da weiß man, was man bekommt

  • -Aktualisiert am

Bild: Reuters

Projektionsfläche, Islamfeind und Getriebener: Die Popularität Geert Wilders’ speist sich aus einer diffusen Unzufriedenheit – und einer perfekten Inszenierung.

          VALKENBURG, 12. März. Wo Geert Wilders ist, sind viele Menschen. Das fängt mit den sieben Männern an, die bei seinem Auftritt dicht um ihn herum stehen. Sie tragen nachtblaue Anzüge, die Gesichter sehr ernst – es sind seine Leibwächter. Drei Polizisten stehen vor ihm. Sie beobachten, wer sich nähert. Eine Handvoll Beamte in Zivil schwirrt im direkten Umfeld herum. Und mit drei Metern Abstand sechs Polizisten in kurzen Hosen, sie führen Fahrräder an der Hand. Mit diesem Hofstaat läuft Wilders an einem Metallgitter vorbei, das man für seine Ankunft aufgebaut hat. Eine große Menschenmenge hat sich im kleinen Ort Valkenburg an der deutsch-niederländischen Grenze gebildet, und es werden immer mehr. Wilders schüttelt Hände, macht Selfies, fragt lächelnd, ob es den Leuten gut gehe.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Was als „Spaziergang am Samstagmorgen“ angekündigt wurde, wirkt wie ein Staatsbesuch. In der Luft kreist ein Hubschrauber, Mannschaftswagen der Polizei stehen am Anfang und am Ende der umliegenden Straßen. Geert Wilders hat kein besonderes Amt inne, er ist Vorsitzender der von ihm gegründeten islamfeindlichen Partei voor de Vrijheid (PVV), die in der Opposition ist. Er ist der bekannteste Politiker der Niederlande, bekannter als Ministerpräsident Mark Rutte (VVD). Und Wilders ist wahrscheinlich die am meisten gehasste Person im Lande – und damit könnte seine Partei die Parlamentswahlen am kommenden Mittwoch gewinnen.

          Die Sicherheitsbehörden wollen jetzt keinen Fehler machen. Drei Wochen ist es her, dass einer von Wilders’ Leibwächtern festgenommen wurde. Er soll Einzelheiten über die Sicherheit des Politikers an eine marokkanische Bande weitergegeben haben. Der zuständige Polizeichef betonte, die Sicherheit des Abgeordneten sei zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Wilders aber sagte erstmal alle seine Termine ab. Er weiß: Ein abgesagter Termin sorgt für mehr Aufsehen. Es war eine gute Gelegenheit, auf seine Lage aufmerksam zu machen: Vor zwölf Jahren erhielt Wilders die ersten Morddrohungen, seitdem steht er unter Polizeischutz. Er schläft an unterschiedlichen Orten und hat mehrere Wohnungen im Land. Er ist ein Getriebener.

          Seit ein paar Tagen tritt Wilders wieder auf, es sind nur wenige, ausgesuchte Termine. Vor der türkischen Botschaft in Den Haag zum Beispiel, da entrollte er in einer Ein-Mann-Demo am vergangenen Mittwoch ein Transparent: „Wegbleiben – Das ist unser Land“ stand da auf Türkisch und Holländisch. Ein paar Journalisten machten Fotos, Wilders trat vor die versammelten Fernsehkameras. Genau wie die meisten niederländischen Politiker lehnte er die Auftritte türkischer Minister im Land ab. Fügte aber, typisch Wilders, noch hinzu, Erdogan sei ein „Diktator“ und ein „Islamist“. Damit war er in den Hauptnachrichten. Wilders hat den Minimalismus öffentlicher Inszenierung perfektioniert. Hände schütteln, Selfies machen, zu den Fernsehkameras und weiter. Längere Gespräche, Wahlkampfreden oder Klinken putzen, das macht er nicht. Weil er sich rar macht, scheinen die Leute tatsächlich interessiert zu sein, ihn zu sehen. In Valkenburg kommt er eine Stunde zu spät, die Polizei ist schon da, alles ist abgeriegelt. Und immer mehr Leute bleiben stehen. „Was passiert denn da?“ – „Der Wilders kommt gleich.“

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