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Königin Elisabeth II. : Ein Symbol für Stabilität

Der wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Mensch der Welt: Königin Elisabeth II. Bild: dpa

Die Queen bewahrt in allen Lebenslagen Haltung. Auch wenn Boris Johnson am Mittwoch zu ihr in den Buckingham-Palast kommt und um die Erlaubnis zur Regierungsbildung bittet, wird sie wohl keine Miene verziehen.

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          Sie ist eine der „öffentlichsten“ Personen im Vereinigten Königreich. Es heißt, sie sei der wahrscheinlich am häufigsten fotografierte Mensch der Welt. Und doch sind manche Dinge über sie nicht bekannt und werden es wohl auch nie werden. So ist es im Interesse des großen Ganzen, das Elisabeth II. als Königin seit dem 6. Februar 1952, dem Todestag ihres Vaters, repräsentiert, wahrscheinlich ganz gut, dass ihre (tages)politischen Überzeugungen hinter den Mauern des Buckingham-Palastes bleiben.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

          Wenn sie bei ihren zahllosen öffentlichen Auftritten einmal eine Bemerkung macht, die man als Beitrag zur aktuellen politischen Diskussion interpretieren könnte, ist das jedes Mal eine große Nachricht. Vor einigen Jahren sah es zum Beispiel so aus, als trete sie gegen eine Unabhängigkeit Schottlands ein. Auch Bemerkungen Elisabeths in der Brexit-Debatte wurden eingehend studiert. Ist die Monarchin womöglich eine heimliche Remainerin? Falls es so ist, werden es frühestens die Historiker in einigen Jahrzehnten erfahren.

          Als sicher kann gelten, dass sie die aktuelle Politik aufmerksam verfolgt. Dafür sorgt schon der Brauch, dass sie einmal pro Woche im Palast Besuch von ihrem Premierminister bekommt, mit dem sie dann den Lauf der Welt aus britischer Perspektive bespricht. Dass dem Regierungschef dabei manch guter royaler Rat mit auf den Weg gegeben wird, darf man annehmen. Einige Premierminister haben auch schon öffentlich gesagt, sie seien sehr froh über die Gespräche mit der erfahrenen Monarchin. Aber auch der Inhalt dieser Gespräche bleibt ein gut gehütetes Geheimnis.

          An diesem Mittwoch wird es besonders lebhaft zugehen im Buckingham-Palast. Zuerst hat sich Theresa May angekündigt. Die Noch-Premierministerin wird der 93 Jahre alten Monarchin mitteilen, dass sie ihr Amt aufgibt. Dann, so verlangt es das Protokoll, wird Elisabeth Boris Johnson zur Audienz bitten. Der wird sie dann um die Erlaubnis bitten, eine neue Regierung bilden zu dürfen, und dies damit begründen, dass er im Parlament über ausreichend Unterstützung verfüge. Elisabeth wird ihm das selbstverständlich erlauben. Mit welchen Gefühlen sie das tun wird, wird womöglich sogar Johnson verborgen bleiben.

          Denn Elisabeth ist ein Muster an Disziplin. Sie lebt nach dem Grundsatz, es gelte, in allen Lebenslagen die Haltung zu bewahren. Die Königin ist außerdem – je älter sie wird, umso mehr – die Konstante und das Symbol für Stabilität im britischen politischen System. Boris Johnson wird der vierzehnte Premierminister, den die Königin seit 1952 in ihren Räumen empfängt. Der erste war Winston Churchill, wie Elisabeth ein „Kind“ des britischen Empire.

          Die Argumente ihres neuen Premierministers für den Austritt aus der Europäischen Union und die angeblich goldene Zukunft Britanniens in der Zeit danach klingen zuweilen sehr imperial. Den Ton versteht Elisabeth nur zu gut. Sie wird Boris Johnson zuhören – und in der Öffentlichkeit keine Miene verziehen.

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