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Proteste in Belarus : Ein Symbol für die Niedertracht des Regimes

Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja bei einer Pressekonferenz am 10. August, dem Tag nach der Präsidentenwahl in Belarus Bild: AFP

Oppositionskandidatin Tichanowskaja hat unter Druck zu einem Ende der Proteste aufgerufen. Doch der Versuch Lukaschenkas, die Bevölkerung so zu demoralisieren, könnte das Gegenteil bewirken.

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          Noch deutet nichts darauf hin, dass jenes Video die Demonstranten in Belarus demoralisiert, in dem die Oppositionskandidatin Swetlana Tichanowskaja zum Ende der Proteste aufruft. Die von ihr stockend abgelesene Botschaft, die vermutlich noch in Belarus aufgenommen wurde, könnte zusammen mit der Videobotschaft, die sie aus dem Exil in Litauen geschickt hat, sogar das Gegenteil bewirken. „Verhüte Gott, vor einer solchen Wahl zu stehen wie ich“, sagt sie darin, sichtlich gezeichnet, und schließt: „Kinder sind das Wichtigste, was es in unserem Leben gibt.“

          Die Lücke zwischen diesen beiden Ansprachen kann jeder mit seiner Vorstellungskraft selbst füllen: Womit hat das Regime von Aleksandr Lukaschenka die Mutter zweier Kinder, deren Mann seit Ende Mai in Haft ist und aus deren engster Umgebung in den vergangenen Tagen mehrere Personen festgenommen wurden, unter Druck gesetzt?

          Tichanowskaja konnte zu einem Symbol des Protests werden, weil sie in einem so ist wie die Mehrheit der Belarusen: Sie hatte bis zu diesem Sommer nichts mit Politik zu tun, sondern versuchte nur, ein normales Leben zu leben. Der Versuch, sie zu brechen, ist deshalb ein Angriff auf die Selbstachtung derer, die ihr auf den Kundgebungen vor der Wahl zugejubelt haben. Die Videos sind ein für jeden verständliches Symbol der Niedertracht dieses Regimes. Diese – und die Unterstützung aus Moskau – können die Proteste freilich noch immer ersticken.

          Reinhard Veser
          Redakteur in der Politik.

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