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Treffen von Trump und Kim : Ein Handschlag wie aus einer anderen Zeit

Ein Handschlag wie aus einer anderen Zeit: der amerikanische Präsident Donald Trump und Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un vor einem Jahr in Singapur Bild: AFP

Vor genau einem Jahr trafen sich Donald Trump und Kim Jong-un in Singapur. Der Gipfel zwischen beiden Staatschefs brachte vollmundige Worte und eine gemeinsame Erklärung hervor. Heute verspürt niemand mehr die Lust zu feiern.

          Das Gipfeltreffen zwischen dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Singapur war als „historisch“ gepriesen worden. Doch heute, genau ein Jahr später, verspürt niemand die Lust zu feiern. Eine Veranstaltung im Luxushotel Capella, wurde sogar kurzfristig abgesagt. Wie die Zeitung „Straits Times“ berichtete, sollte dabei eine Plakette genau dort enthüllt werden, wo sich Trump und Kim am 12. Juni die Hände geschüttelt hatten.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Es war das erste Mal, dass sich ein amtierender Präsident Amerikas und einer der Führer aus der Kim-Dynastie zu Verhandlungen getroffen hatten. Der nordkoreanische Botschafter Kim Chol Nam hatte zu diesem Anlass für den heutigen Mittwoch zu einem Sektempfang in das Hotel geladen. Doch in einer E-Mail an die Teilnehmer sagte die Botschaft die Veranstaltung kurzfristig wieder ab. Als Ursache führte sie lediglich „unvorhergesehene Gründe“ an.

          Die Absage dürfte ein weiteres Zeichen dafür sein, dass es um den „Friedensprozess“ zwischen den Ländern derzeit nicht gut bestellt ist. Das zweite Treffen der beiden im Februar in Hanoi war sogar abgebrochen worden, weil sich die Verhandlungspartner nicht über das Ausmaß der nordkoreanischen Denuklearisierung und die Lockerung der Sanktionen einigen konnten.

          Kims „schöner Brief“ und sein ermordeter Halbbruder

          Der Vierpunkteplan, den sie vor einem Jahr in Singapur beschlossen hatten, bleibt eine reine Absichtserklärung. Nordkorea hat nach dem Treffen auch wieder Raketentests durchgeführt, wenn auch nicht mit Atomwaffen und Langstreckenraketen. Zwar zeigen sich Washington ebenso wie Pjöngjang im Prinzip offen für ein drittes Treffen der beiden Staatschefs. Aber beide Seiten verlangen von der jeweils anderen Partei Änderungen in ihrer Position als Voraussetzung.

          Allerdings hatte Trump erst am Dienstag berichtet, er habe einen „schönen Brief“ von Kim Jong-un erhalten. Den Inhalt des Briefes referierte Trump nicht, äußerte aber die Erwartung, dass „etwas Positives“ passieren könne. Auch sonst zeigte sich Trump wieder konziliant gegenüber dem Nordkoreaner. Auf einen Bericht des „Wall Street Journal“, wonach der Halbbruder der Diktators, der im Februar 2017 in Kuala Lumpur vergiftete Kim Jong-nam, Verbindungen zum amerikanischen Geheimdienst CIA gehabt habe, sagte Trump: „Ich hätte das nicht zugelassen.“

          Dabei hatte ein Sprecher des nordkoreanischen Außenministeriums Washington noch in der Woche zuvor vorgeworfen, sie riskiere, dass die Singapur-Erklärung zu einem „leeren Papier“ werde, wenn sie nicht ihre „feindselige Politik“ gegenüber Nordkorea einstelle. Sie warf Washington vor, den Geist, der sich in der Vereinbarung von Singapur gezeigt habe, nicht aufrichtig zu verfolgen.

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