https://www.faz.net/-gpf-9gan2

Nach Aufhebung von Todesurteil : Ehemann von pakistanischer Christin bittet Italien um Asyl

  • Aktualisiert am

Ashiq Masih und seine Tochter Eisham bei einem Interview über Asia Bibi Mitte Oktober Bild: AFP

Weil er um die Sicherheit seiner Familie fürchtet, hat der Mann von Asia Bibi nach den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern Italien um Hilfe gebeten. Ein Menschenrechtsexperte der CDU fordert Schutz für die Christin in Deutschland.

          2 Min.

          Die Familie der pakistanischen Christin Asia Bibi bittet Italiens Regierung um Hilfe für eine Ausreise und um Asyl. Das teilte das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ in Rom am Dienstag unter Berufung auf ein Telefonat mit Bibis Ehemann Ashiq Masih mit. Bereits im Februar war Masih mit seiner Tochter nach Rom gereist und dort von Papst Franziskus empfangen worden. Die Aufhebung des Todesurteils gegen die Christin durch Pakistans Obersten Gerichtshof hatte zu massiven Protesten radikaler Muslime geführt. Aus Angst um ihr Leben halte sich die Familie versteckt, sagte Masih laut „Kirche in Not“.

          Die pakistanische Regierung hatte der radikalislamischen Partei TLP zugesichert, Asia Bibi dürfe das Land nicht verlassen. Zudem könne es einen Antrag auf Neueröffnung des Verfahrens geben. Derzeit ist die Frau noch weiter im Gefängnis. Sie war 2009 wegen Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden. Auslöser für den Vorwurf der Gotteslästerung soll ein banaler Streit um ein Trinkgefäß mit einigen Musliminnen aus Bibis Dorf in der Provinz Punjab gewesen sein. Die Frauen warfen ihr später vor, Bibi habe den Propheten Mohammed geschmäht. Fünf Tage später bezichtigte der Dorfprediger Bibi per Lautsprecher der Blasphemie. Eine Menschenmenge verprügelte die Christin, bis die Polizei kam und sie festnahm. Das spätere Urteil gegen sie sorgte international für Aufsehen.

          Der Anwalt der Familie, Saif ul-Malook, der selbst Muslim ist, verließ Pakistan vergangenen Freitag aus Furcht vor Übergriffen. Der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ sagte der Jurist, er räume einer Neueröffnung des Verfahrens keine großen Chancen ein. Allerdings fürchte er um die Sicherheit der Familie Asia Bibis sowie um die seiner eigenen. Zuvor hatte Masih auch Amerika und andere Länder um Hilfe gebeten.

          Indes hat CDU-Menschenrechtsexperte Michael Brand Schutz für Bibi in Deutschland gefordert. „Obwohl die obersten Richter Asia Bibi Freiheit zugesprochen haben, ist ihr Leben jetzt auf das Höchste bedroht“, sagte der menschenrechtspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag am Dienstag laut einer Mitteilung. „Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, dass Asia Bibi in Freiheit und in Sicherheit leben kann.“ Sie müsse zum Schutz auch einen Platz in Deutschland finden können.

          Das Todesurteil gegen Asia Bibi war 2014 von einem Gericht in Lahore bestätigt worden. Im Juli 2015 ordnete ein anderes Gericht die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung an. Ein weiteres Berufungsverfahren verzögerte sich immer wieder. Laut pakistanischen Medien erhielten die Richter Drohungen von Islamisten. Blasphemie gilt im mehrheitlich islamischen Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden darunter verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden. Das reichliche vage gehaltene Gesetz steht in der Kritik.

          Weitere Themen

          Wohltat oder Show von Sánchez?

          Spanien streitet über EU-Geld : Wohltat oder Show von Sánchez?

          Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez sieht den Corona-Wiederaufbaufonds der EU als Geldsegen für sein Land. Verschiedene Regionalpräsidenten werfen dem Regierungschef jedoch Willkür und Profilierung vor.

          Aufbruchstimmung passé Video-Seite öffnen

          Tunesien in politischer Krise : Aufbruchstimmung passé

          Das Musterland des Arabischen Frühlings befindet sich in einer kritischen Lage. Viele Tunesier erleben ihre Situation heute sogar schlechter als während der autoritären Herrschaft bis 2011. Die Krise gilt jedoch als hausgemacht.

          Topmeldungen

          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

          Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.