https://www.faz.net/-gpf-8p5fi

Zum Tode Rafsandschanis : Der Machiavelli Irans

Der ehemalige iranische Staatspräsident Akbar Rafsandschāni (hier auf einem Archivbild aus dem Jahr 2011) ist gestorben. Bild: AFP

Er galt als einer der Architekten der iranischen Revolution und gerissener Machtpolitiker. Jetzt ist der ehemalige Präsident Ali Akbar Haschemi Rafsandschani im Alter von 82 Jahren gestorben.

          Kurz bevor Ali Akbar Haschemi Rafsandschani am Sonntagabend an den Folgen eines Herzinfarkts starb, hatte ihn noch der iranische Präsident Hassan Rohani im Teheraner „Krankenhaus der Märtyrer“ besucht. Rohani wäre im Sommer 2013 ohne die Unterstützung Rafsandschanis wohl kaum zum Präsidenten der Islamischen Republik gewählt worden. Doch nachdem der mit konservativen Theologen besetzte Wächterrat Rafsandschani als Kandidat für das Amt des Präsidenten disqualifiziert hatte, stellte sich der hinter Rohani, um so die Wahl eines Hardliners zu verhindern. Beide gehörten zum Lager der Pragmatiker und grenzten sich von den konservativen Kräften, zu denen der frühere Präsident Mahmud Ahmadineschad zählt, ebenso ab wie von den Reformern, die auf einen Umbau des Islamischen Republik dringen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der Tod des 1934 geborenen Rafsandschani schwächt die gemäßigten Kräfte, deren Kandidat bei der für Mai geplanten Präsidentenwahl wieder Rohani sein wird. Denn Rafsandschani war über Jahrzehnte der Machiavelli der iranischen Politik und der gerissenste Machtpolitiker der Islamischen Republik. Seinen Spitznamen „Kusseh“ (Haifisch) verdankte er zwar seinem geringen Bartwuchs. Er bezog sich aber auch auf Rafsandschanis Politikstil und die Art und Weise, mit der er Verbindungen knüpfte und Mehrheiten schmiedete. Seit dem Tod von Revolutionsführer Chomeini im Jahr 1989 galt Rafsandschani als der zweitmächtigste Mann Irans – nach dessen Nachfolger Chamenei.

          Der „Bankier Chomeinis“

          Rafsandschani hatte sich im Alter von 15 Jahren als einziger der zehn Söhne eines reichen Pistazienproduzenten aus der Stadt Rafsandschan für das Studium der islamischen Theologie entschieden. In Ghom wurde er Schüler von Chomeini. Als dieser ins Exil ging, wurde Rafsandschani, der nicht nur Theologe, sondern auch erfolgreicher Unternehmer war, zum „Bankier Chomeinis“. Der dankte es ihm und machte ihn 1980 zum Sprecher des neuen Parlaments, des Madschlis.

          Sein Leben war von Siegen und Niederlagen gekennzeichnet. Mal war er ganz oben, dann wieder völlig abgeschrieben. Er hatte 1988 maßgeblichen Anteil an der Beendigung des Kriegs mit dem Irak. Als er 1989 zum Präsidenten gewählt wurde, öffnete er das Land vorsichtig, liberalisierte die Wirtschaft und berief Technokraten in die Regierung. In diese Zeit fielen auch Serienmorde an politischen Gegnern. Er nahm damals Kontakte zu Saudi-Arabien auf. In Iran gilt er als der Politiker, der am stärksten auf die Aussöhnung mit Saudi-Arabien hingearbeitet hat.

          2005 unterlag Rafsandschani bei der Präsidentenwahl Ahmadineschad. Bei der Wahl von 2009 sprach er sich gegen diesen aus, der von Ajatollah Chamenei favorisiert wurde. Er forderte größere politische Freiheiten und fiel in Ungnade. Nach einer Kampagne gegen ihn, in der er als korrupt und skrupellos bezeichnet wurde, zog er sich 2011 vom Vorsitz des einflussreichen Expertenrats zurück. Als Chamenei ihn danach zum Vorsitzenden des Schlichtungsrates berief, kehrte er auf die politische Bühne zurück.

          Weitere Themen

          Scholz lässt seine Pläne offen Video-Seite öffnen

          Bewerbung auf SPD-Vorsitz : Scholz lässt seine Pläne offen

          „Ganz klar ist, wir müssen in Deutschland vorankommen mit unserem Land. Wir müssen dafür sorgen, dass der Zusammenhalt besser wird“, sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz nach Bekanntwerden seiner Kandidatur für die SPD-Spitze.

          EU-Außenminister fordert Gewaltverzicht

          Proteste in Hongkong : EU-Außenminister fordert Gewaltverzicht

          An diesem Sonntag werden in Hongkong wieder massive Proteste erwartet. Die EU hat nun China ermahnt, die Grundfreiheiten der Demonstranten zu respektieren und den Autonomiestatus von Hongkong unangetastet zu lassen.

          Topmeldungen

          Gletscher Okjökull : Das Eis verlässt Island

          Die Gletscherschmelze ist ein eindrückliches Merkmal der Klimaerwärmung: Der einstige Gletscher Okjökull auf Island ist heute keiner mehr. Die isländische Ministerpräsidentin appelliert an die Weltgemeinschaft.
          In einem Gedenkgottesdienst nehmen Angehörige, Freunde und Nachbarn Abschied von dem achtjährigen Jungen

          Nach Frankfurter Gewaltat : Abschied von getötetem Achtjährigen

          Nach der grausamen Tat am Frankfurter Hauptbahnhof haben Angehörige, Freunde und Nachbarn in einem Gedenkgottesdienst Abschied von dem getöteten Jungen genommen. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier war anwesend.
          Angestellte von Google und Youtube beim Gay Pride Festival in San Francisco, Juni 2014

          Trump gegen Google : Man nennt es Meinungsfreiheit

          Ohne das Internet wäre Donald Trump wohl nicht amerikanischer Präsident geworden. Jetzt beschwert er sich über politische Ideologisierung bei Google. Aus dem Silicon Valley schallt es zurück.
          Im Jahr 2016 ist es in Kalkutta zwar noch wuseliger, aber die Anzahl der Läden und Fahrzeuge deuten auf einen Entwicklungsfortschritt hin.

          Wohlstand, Gesundheit, Bildung : Der Welt geht es immer besser

          Kurz bevor er starb, hat der schwedische Arzt Hans Rosling noch ein Buch geschrieben. Es hat eine zutiefst erschütternde These: Der Zustand der Welt verbessert sich, doch keiner bekommt es mit. Woran liegt das?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.