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Abgestürztes Flugzeug : Russischer Geheimdienstchef spricht von Anschlag

  • Aktualisiert am

Was geschah mit dem mutmaßlich abgestürzten Egypt-Air-Flugzeug? Bild: dpa

Nach dem mutmaßlichen Absturz eines Egypt-Air-Flugzeugs über dem Mittelmeer verdichten sich offenbar die Hinweise, dass ein Terrorakt die Ursache des Unglücks war. Die Suche nach Wrackteilen geht unterdessen weiter.

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          Der Chef des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB geht nach dem Verschwinden einer Egyptair-Maschine auf dem Flug von Paris nach Kairo von einem Anschlag aus. „Allem Anschein nach ist es ein Terrorakt, bei dem 66 Bürger verschiedener Staaten umgekommen sind“, sagte Alexander Bortnikow am Donnerstag der Agentur Interfax zufolge. Details nannte er nicht. Zuvor hatte auch der ägyptische Luftfahrtminister gesagt, ein Anschlag sei als Absturzursache wahrscheinlicher als ein technischer Fehler.

          „Wir rufen alle auf, einschließlich der Partner aus Europa, gemeinsam jene Personen aufzuspüren, die an diesem terroristischen Akt beteiligt sind“, sagte der russische FSB-Chef Bortnikow bei einem Besuch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Er war Ende 2015 eng in die Ermittlungen nach dem Absturz eines russischen Ferienfliegers in Ägypten eingebunden. Eine Bombe, die vermutlich von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gelegt wurde, riss damals 224 Menschen in den Tod. Russland warf Ägypten daraufhin mangelnde Sicherheit im Flugverkehr vor und brach die Direktverbindungen in das beliebte Urlaubsland ab.

          Vom Radar verschwunden: Die Karte zeigt die Route des nun vermissten Egypt-Air-Fliegers.

          Russlands Präsident Wladimir Putin übermittelte am Donnerstag den Staatschefs Frankreichs und Ägyptens sein Beileid. Putin wünsche den Angehörigen der Passagiere viel Kraft, teilte der Kreml mit.

          Auch Frankreichs Präsident François Hollande sprach am Donnerstag von der Möglichkeit eines Unfalls oder eines terroristischen Hintergrunds – keine Schlussfolgerung sei auszuschließen. 66 Menschen waren an Bord des Airbus A320, dessen Spur sich am frühen Donnerstagmorgen verlor. Retter suchten im östlichen Mittelmeer nach der Maschine, Hollande sprach am Donnerstag von einer Suche nach Wrackteilen. Deutsche waren der Fluggesellschaft zufolge nicht an Bord der Maschine. Auch Griechenlands Verteidigungsminister Panos Kammenos ging von einem Absturz aus. Das Flugzeug sei etwa zehn bis fünfzehn Seemeilen im ägyptischen Luftraum in einer Höhe von 37.000 Fuß (knapp 11.300 Kilometer) ins Trudeln geraten. „Dann machte es eine Drehung von 90 Grad nach links und danach eine andere Drehung von 360 Grad nach rechts und fiel auf eine Höhe von 15.000 Fuß. Sein Radarbild verschwand auf einer Höhe von 10.000 Fuß“, sagte Kammenos.

          Gegen 2.30 Uhr vom Radar verschwunden

          Der Airbus war nach Angaben des Flughafens Charles de Gaulle um 23.21 Uhr am Mittwoch in Paris losgeflogen. Gegen 2.30 Uhr am Donnerstag - eine gute halbe Stunde vor der geplanten Ankunft in Kairo – verschwand er vom Radar. Das Flugzeug war zu dieser Zeit südöstlich der griechischen Insel Kreta und etwa 280 Kilometer vom ägyptischen Festland entfernt. Es befand sich Egyptair zufolge etwa 16 Kilometer innerhalb des ägyptischen Luftraums, als es vom Radar verschwand – dies deckt sich mit den Angaben von Kammenos.

          In den vergangenen Monaten hat es bereits mehrere Zwischenfälle mit Flugzeugen aus Ägypten gegeben. Ende März hatte ein Mann mit einer Bombenattrappe eine Egyptair-Maschine nach Zypern entführt. Ende Oktober war ein russischer Ferienflieger über der Sinai-Halbinsel abgestürzt, nachdem an Bord eine Bombe explodiert war. Zu der Tat, bei der 224 Menschen getötet wurden, bekannte sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

          An der Suche nach dem nun vermissten A320 im Mittelmeer beteiligten sich Schiffe und Flugzeuge aus Frankreich, Griechenland und Ägypten. Aus Kreisen des Luftfahrtministeriums in Kairo verlautete recht früh, die Maschine sei abgestürzt. In Kairo und in Paris wurden Krisenstäbe eingerichtet. Die Piloten der Maschine hatten sich nach Angaben des Chefs der griechischen zivilen Luftfahrtbehörde noch gegen 1.55 Uhr (MESZ) normal bei den griechischen Behörden gemeldet und keine Probleme erwähnt. Beim Verlassen des griechischen Luftraums hätten sich die Piloten aber nicht mehr gemeldet – wie es üblich gewesen wäre.

          Unter den gelisteten 56 Passagieren des Flugs MS804 waren laut Egyptair 30 Ägypter, 15 Franzosen und 2 Iraker. Deutsche standen nicht auf der via Twitter veröffentlichten Liste. Das Auswärtige Amt bemühte sich darum, bei den Behörden in Frankreich und Ägypten Gewissheit darüber zu bekommen. Das zuständige Krisenreaktionszentrum arbeite „mit Hochdruck an der Aufklärung“, hieß es aus dem Ministerium. Zwischenzeitlich hatte es Verwirrung um ein vermeintliches Notsignal gegeben - nach Angaben des ägyptischen Luftfahrtministers Scharif Fathi wude ein solches Signal nicht abgesetzt. Eine anderslautende Nachricht von Egyptair, die von einem automatischen Notsignal um 4:26 Uhr gesprochen hatte, sei eine Fehlinformation gewesen.

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