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Edward Miliband : Dem Bruder dicht auf den Fersen

Eng verbunden: Ed und David Miliband Bild: REUTERS

Es ist eines der Grundmuster menschlicher Konflikte: Der jüngere Bruder übertrumpft den älteren. Doch Edward Miliband, der Sieger, will nicht über den Wettkampf gegen seinen Bruder um den Labour-Vorsitz reden, sondern über die Partei, über deren Erneuerung und künftige Wahlsiegeschancen.

          Es ist eines der Grundmuster menschlicher Konflikte: Der jüngere Bruder übertrumpft den älteren. In diesem Falle hieß der Ältere noch dazu David. Doch Edward Miliband, der Kleinere, der Sieger, legt auf diese Perspektive seines Triumphes keinen Wert. Nicht über den ausgestandenen Wettkampf gegen seinen Bruder um den Labour-Vorsitz mag er jetzt und künftig reden, sondern über die Partei, die er fortan führt, über deren Erneuerung und künftige Wahlsiegeschancen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Aber trotzdem wollen alle Wähler zuerst wissen, warum sich „der kleine Miliband“, der jetzt als Labour-Parteichef offizieller Oppositionsführer wurde - also dereinst nach einem Unterhaus-Wahlsieg britischer Premierminister sein könnte - im vergangenen Mai nach einigem Zögern entschloss, ausgerechnet gegen seinen großen Bruder zu konkurrieren. David Miliband, zuletzt Außenminister im Kabinett des Labour-Premierministers Brown, galt lange als potentieller Putschist gegen den abgekämpften Brown und als einer der ehrgeizigsten Anwärter auf dessen Nachfolge. David war der Schrittmacher einer steilen politischen Laufbahn, in der ihm allerdings Edward immer auf den Fersen blieb.

          Mit dem Bruder eng verbunden

          Beide wuchsen in einem politischen Elternhaus auf: Ihr Vater Ralph Miliband hatte sich als Jugendlicher mit seinem Vater als jüdischer Flüchtling von Belgien aus rechtzeitig nach England gerettet. Später wurde Ralph Miliband einer der führenden marxistischen Theoretiker an der London School of Economics. Ed berichtete kürzlich, wie sein älterer Bruder mit den Gästen der Eltern an der Abendtafel politisiert habe, während er, unter den Tischbeinen sitzend, in den Zauberwürfel Rubiks Cube vertieft gewesen sei.

          Beide Brüder besuchten im Abstand von vier Jahren dieselbe Gesamtschule, dieselbe Universität (Oxford) und erreichten Abschlüsse in ähnlich renommierten weiterführenden Studiengängen; Ed absolvierte seine Examina in Volkswirtschaft an der LSE. Sein politischer Lebenslauf begann mit einem Praktikum bei Tony Benn, der Galionsfigur der Labour-Linken. 1997, nach dem Wahlsieg Labours, wurde Ed persönlicher Referent des Finanzministers Gordon Brown (sein Bruder David war als Leiter des politischen Planungsstabes Tony Blairs schon einen Schritt weiter). Ed stieg im Finanzministerium zu einem der wichtigsten Mitarbeiter Browns auf, errang 2005 ein eigenes Abgeordnetenmandat (David hatte 2001 erstmals seinen Wahlkreis gewonnen) und hielt schließlich unter Brown 2008 das neue Ressort für Klimaschutz und Energie (David war 2005 Umweltminister geworden).

          Auch privat blieb Edward dem Bruder eng verbunden; bis vor kurzer Zeit wohnten sie beide mit ihren Familien in jenem Elternhaus am Primrose Hill im Norden Londons, in dem sie mit den eigenen Eltern die Kindheit verlebt hatten; schließlich zog Ed, dessen Lebensgefährtin gegenwärtig das zweite gemeinsame Kind erwartet, in ein eigenes Haus in der Nachbarschaft. In den nächsten Tagen muss sich zeigen, ob das Erscheinungsbild Labours harmonischer wirken wird.

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