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„Economist“ : Hohe Auflage mit Berlusconi

Gut für die Auflage: „Berlusconi”-Titel des Economist Bild:

Der „Economist“ erhebt schwere Vorwürfe wegen des Mißbrauchs seiner Machtfülle gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und weist den Vorwurf einer Kampagne zurück.

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          Das Wochenmagazin Economist ist eher für seine Analysen bekannt als für investigative Artikel, die es in dieser Woche mit seiner Titelgeschichte über den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in den Vordergrund rückt. Meistens glänzt das 160 Jahre alte Magazin durch seine Hintergrundberichterstattung, durch das Aufzeigen von Zusammenhängen und durch seine Kommentierung, die von der Wirtschafts- bis zur Rechtspolitik durch und durch liberal ist.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Immer mal wieder aber packt die Redaktion der Ehrgeiz, nicht nur zu erklären, sondern auch zu enthüllen. In den vergangenen fünf Jahren recherchierte das Blatt intensiv in den Geschäften des saudischen Prinzen Al Waleed bin Talal, des britischen Unternehmers Richard Branson, des deutschen Medienzars Leo Kirch oder des Formel-1-Managers Bernie Ecclestone.

          Mißbrauch der Machtfülle

          Die scharfen Vorwürfe gegen den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hält das Blatt für notwendig, weil in keiner anderen westlichen Demokratie die Machtfülle eines Mannes derart mißbraucht werde. Dies sagte der Journalist Tim Laxton, der die Geschichte geschrieben hat. Den Vorwurf einer Kampagne weist er zurück. Der Großteil seiner Informationen beruhe auf öffentlich zugänglichen Gerichtsdokumenten. Daher sei er auch so zuversichtlich, daß Berlusconi dem Economist nichts anhaben könne.

          Das Magazin hatte seine erste Attacke gegen den Ministerpräsidenten in Form einer kritischen Titelgeschichte am 28. April 2001 gefahren. Zwei Wochen zuvor hatte der Economist Berlusconi 51 Fragen zugesandt, aber keine Antworten erhalten. Bis heute warte das Magazin darauf, sagte Laxton. Statt zu antworten, habe Berlusconi am 2. Mai 2001 gegen den „Economist“ eine Verleumdungsklage eingereicht. „Es ist bemerkenswert, daß Berlusconi bei seinen eigenen Machenschaften die italienischen Gerichte nicht Recht sprechen lassen will. Zu seiner Verteidigung gegen den Economist aber will er sie nutzen“, sagte Laxton.

          Schrumpfende Umsätze

          In die Auseinandersetzung mit Berlusconi kann die Economist-Gruppe, zu der neben dem Magazin verschiedene andere publizistische Organe gehören, aus einer wieder etwas gestärkten finanziellen Position gehen. Im Finanzjahr 1999/2000 war das Unternehmen noch mit mehr als 50 Millionen Pfund (70 Millionen Euro) in die Verlustzone gerutscht. 2002/2003 aber stieg der Gewinn vor Steuern von 15 auf 21 Millionen Pfund. Die Anzeigenflaute macht sich allerdings in schrumpfenden Umsätzen bemerkbar.

          Dafür kommt das Blatt beim Leser an. Die Auflage ist in den letzten fünf Jahren um 32 Prozent auf mehr als 900.000 Exemplare gestiegen, vor allem in den Vereinigten Staaten, wo heute mehr als ein Drittel der Ausgabe verkauft wird. In Großbritannien dagegen setzt der Economist nur noch 16 Prozent seiner Auflage ab. Rund 80 Prozent der Käufer sind Abonnenten, der Kioskabsatz spielt also eine nicht zu vernachlässigende Rolle. In Italien verkaufe sich das Blatt gut, sagte eine Verlagssprecherin. Dabei hätten besonders die Artikel über Berlusconi das Interesse erhöht.

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