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Serbien : Putin, Milch und Honig

Er versprach dort Maßnahmen gehen die „Industrielobby aus dem Westen“, die für die Schließung serbischer Fabriken verantwortlich sei. Als Erstes müsse die „Importlobby“ zerstört und die heimische Wirtschaft mit Zöllen geschützt werden. „Und dann öffnen wir die Tore weit dem russischen Markt“, sagte Šešelj und musste in dem aufbrandenden Beifall eine Pause einlegen. Die westlichen Sanktionen gegen Russland seien eine Chance für den serbischen Export – wäre da nicht der böse Westen. „Wir dürfen jetzt nicht mehr nach Russland exportieren, aber holländische Lebensmittel und polnische Äpfel dürfen Serbien überschwemmen!“, skandierte Šešelj, wiederum unterbrochen von Sprechchören auf Serbien und Russland.

Bewerbungsrede um Moskauer Hilfe

Über weite Strecken hörte sich Šešeljs Rede an wie eine Bewerbungsrede um russische finanzielle Unterstützung für seine Partei. „Niemand, der dem serbischen Volk aufrichtig Gutes wünscht, will, dass Serbien Mitglied der EU wird“, sagt Šešelj, als er wieder gegen die Begeisterung anreden konnte. „Denn dort sind unsere Feinde versammelt. Von 28 Mitgliedstaaten der EU haben 23 die Unabhängigkeit des Kosovos anerkannt.“ Serbien müsse sich entscheiden: „Wollen wir in den Westen oder in den Osten? Im Westen sind jene, die uns mehrfach bombardiert, getötet und einen Genozid an unserem Volk verübt haben. Aber im Osten sind jene, die uns durch die Geschichte hindurch nur geholfen, uns unterstützt und ihr Blut für unsere Freiheit vergossen haben.“ Daher strebe die SRS „die engstmögliche Integration mit Russland und ihren Verbündeten, Weißrussland, Kasachstan und den anderen, an. Hier verebbte der Beifall freilich, denn „Kasachstan“ ist kein Reizwort, das serbische Slawophile zu Begeisterungsstürmen verleitet.

Es sei nicht genug, Wladimir Putin mit einer feierlichen Militärparade in Belgrad zu empfangen, wie unlängst geschehen, schimpfte Šešelj. Die russische Diplomatie sei nicht so naiv, dass sie sich vom äußeren Glanz blenden ließe. Die SRS werde in den kommenden Monaten ihre neue Wirtschaftspolitik formulieren, um die Regierung mit wirtschaftlichen, sozialen und nationalen Argumenten zu schlagen, verkündete Šešelj zum Abschluss und sagte siegesgewiss: „Sie sagen, ich sei nach Belgrad gekommen und habe kein langes Leben mehr. Aber ich habe sehr viel stärkere Gegner besiegt als diese zwei kleinen Metastasen auf der Leber.“

Tausende Nationalisten feierten seinen Auftritt. Aber werden sie Šešelj auch wählen, wenn es ernsthaft darauf ankommt, sich zwischen der EU und Russland zu entscheiden? Einstweilen hat Šešelj andere Aufgaben: Die einst mächtige SRS verpasste bei der Parlamentswahl 2012 den Einzug in das serbische Parlament. Mit Šešelj an der Spitze könnte sie wieder erstarken – sofern ihr Idol die beiden Metastasen Nikolić und Vučić besiegen kann.

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