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Dutzende Tote bei Anschlag in Moskau : Putin: „Die Terroristen werden vernichtet“

  • -Aktualisiert am

Polizisten evakuieren die U-Bahn-Station Park Kultury in der Moskauer Innenstadt Bild: AP

In der russischen Hauptstadt sind bei zwei Anschlägen in der Metro 38 Menschen getötet und 65 zum Teil schwer verletzt worden. Laut Geheimdienst hatten sich Selbstmordattentäterinnen mit Verbindung zum kaukasisch-islamistischen Untergrund am Montagmorgen in die Luft gesprengt.

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          In der russischen Hauptstadt sind am Montagmorgen bei zwei Anschlägen in der Metro 38 Menschen getötet und 65 zum Teil schwer verletzt worden. Bei den Tätern handelte es sich nach Angaben des Chefs des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB Aleksandr Bortnikow vermutlich um Selbstmordattentäterinnen, die Verbindung zur Kaukasusregion und dem dort operierenden islamistischen Untergrund hatten.

          Präsident Medwedjew sagte auf einer Krisensitzung, Terroranschläge dieser Art seien genau geplant und sollten die Lage in Russland und in der russischen Gesellschaft destabilisieren. Der Geheimdienst müsse die Lage kontrollieren, um Destabilisierung zu verhindern und sich notfalls selbst operativ einmischen. Ministerpräsident Putin gab sich in Krasnojarsk überzeugt, dass die Sicherheitskräfte die Verbrecher, die hinter den Anschlägen stünden, finden. „Die Terroristen werden vernichtet“, sagte Putin, der ebenso wie Medwedjew, die Sicherheitskräfte aufforderte, die Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Verkehr zu verbessern. Auch Medwedjew kündigte einen unerbittlichen Kampf gegen Extremisten an. Russland werde ohne zu Zögern den „Krieg gegen Terror“ fortsetzen. Die Sicherheitskräfte würden kompromisslos gegen Terroristen vorgehen. Die Menschenrechte müssten aber bei Polizeieinsätzen gewahrt bleiben. Die Sicherheitsvorrichtungen wurden landesweit verschärft. Der Dienstag wurde zum Tag der Trauer erklärt.

          In der Duma wurde derweil damit gerechnet, dass das Gesetz über den Antiterrorkampf verschärft wird. Der FSB hatte früher vergeblich gefordert, dass auch außerhalb des Nordkaukasus in bestimmten Situationen unter den Bedingungen von „Antiterroroperationen“ vorgegangen werden müsse. Der Geheimdienst hatte sich damit aber nicht durchsetzen können. Das Antiterrorgesetz war nach der Geiselnahme in Beslan vom September 2004 beschlossen worden. Der Chef der kommunistischen Partei, Gennadij Sjuganow, forderte zudem die Wiederanwendung der Todesstrafe für Terroristen. Die Todesstrafe kann in Russland zwar verhängt werden, die Vollstreckung ist jedoch ausgesetzt.

          Lubyanka ist die zweite Station, auf die ein Anschlag verübt wurde.

          Kurz vor acht Uhr hatte einer der Attentäter, offenbar eine Frau, in einem Zug der Untergrundbahn an der Haltestelle Lubjanka, die sich unter dem Sitz des Geheimdienstes FSB befindet, einen am Körper angebrachten Sprengsatz gezündet, als der Zug hielt und sich die Türen öffneten. Vierzig Minuten später wurde an der Haltestelle Park Kultury, die auf der gleichen Metrolinie liegt, ein zweiter Anschlag verübt, ebenfalls in einem Wagen der Metro, dessen Türen sich gerade öffneten. Insgesamt starben bei beiden Explosionen 38 Menschen. Filmmaterial aus Überwachungskameras ergab, dass die beiden Selbstmordattentäterinnen von zwei anderen Frauen zur Station „Jugosapadnaja“ im Südwesten Moskaus gebracht worden waren. Nach den beiden Frauen wird gefahndet. In den Waggons, in denen sich die Explosionen ereigneten, wurden Überreste des Sprengstoffes gefunden und Körperfragmente der wahrscheinlichen Attentäterinnen.

          Die Anschläge haben in Moskau den Krieg im Nordkaukasus wieder in die öffentliche Debatte gebracht und ebenso den Zustand, in dem sich die russische Miliz befindet. In der Duma wurde von der Kremlpartei „Einiges Russland“ gefordert, die Ideologie des Terrors auszurotten. Aus Grosnyj forderte der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow dagegen, vor allem den Kampf gegen die Terroristen zu verschärfen. Die Ideologie lasse sich nicht ausrotten. In Tschetschenien war im vergangenen Jahr zwar offiziell die „Antiterroroperation“, die eine Fortsetzung des amtlich schon vor Jahren für abgeschlossen erklärten Kriegs war, beendet worden. Aber der bewaffnete Untergrund war zu diesem Zeitpunkt längst in die benachbarten Kaukasusrepubliken ausgewichen.

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