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Dubai : Mord in Zimmer 230

Fotos Mabhuhs bei dessen Beerdigung Ende Januar Bild: REUTERS

Der Tod eines wichtigen Hamas-Führers zeigt sich erst auf den zweiten Blick als Auftragsmord. Schnell fällt der Verdacht auf den Mossad. Israels Geheimdienst soll zuletzt verstärkt im Ausland gegen die Hamas und ihre Unterstützer vorgegangen sein.

          Die Überwachungskameras waren Zeuge. Sie hatten die Mordverdächtigen während ihres knapp eintägigen Aufenthalts in Dubai aufgenommen - am Flughafen bei der Ein- und Ausreise, in den Hotels, an verschiedenen Orten der Stadt. Die Filme zeigen auch, wie der Palästinenser Mahmud Mabhuh am 19. Januar um 20.24 Uhr zum letzten Mal die Lobby seines Hotels in Dubai betreten hatte und wie seine mutmaßlichen Mörder - zehn Männer und eine Frau - um 20.46 Uhr das Hotel kurz nacheinander und fast unauffällig verließen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Was zunächst wie ein natürlicher Tod aussah, entpuppte sich schließlich als Auftragsmord an dem Gründer der gefürchteten Izeddin-Brigaden der radikalen islamistischen Palästinenserorganisation Hamas. Fast einen Monat lang arbeitete die Polizei von Dubai an dem Fall, bis sich ihr Chef Dahi Chalfan Tamim an die Öffentlichkeit wandte, Fotos der Tatverdächtigen zeigte und den Tathergang rekonstruierte.

          Sie erwarteten ihn in Dubai

          Demnach waren die elf, alle ausgestattet mit europäischen Pässen, professionell vorgegangen. Von verschiedenen Flughäfen Europas waren sie am Abend des 18. Januar nach Dubai geflogen. Einige trugen falsche Bärte, andere große dunkle Sonnenbrillen und Hüte, einer trug eine Perücke. In Dubai teilten sie sich in fünf Gruppen auf und checkten in verschiedene Hotels ein. Vier Gruppen sollten beobachten und überwachen, die fünfte sollte Mabhuh töten. Sie zahlten stets bar und benutzten keine Kreditkarten, hatten keine Waffen bei sich und telefonierten nicht mit Mobilfunkgeräten. Stattdessen setzten sie Telekommunikationsgeräte ein, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten nicht benutzt würden, sagte Tamim. Was sie sich mitteilten, sei verschlüsselt gewesen. Zwei Stunden nach der Tat hätten alle elf das Land schon wieder verlassen.

          Ein Überwachungsvideo zeigt zwei der elf Verdächtigen

          Verdacht hatte da noch keiner geschöpft. Mabhuh war schon tot. Erst um 15.20 Uhr war er an diesem Nachmittag aus Damaskus kommend in Dubai eingetroffen. Schon in der syrischen Hauptstadt, wo Mabuh seit 1989 lebte, waren ihm die elf offenbar schon auf den Fersen. Nun erwarteten sie ihn in Dubai. Mabhuh checkte unter falschem Namen im Hotel „Al Bustan Rotana“ im Stadtteil Garhoud ein, nicht weit vom Flughafen. Er erhielt Zimmer 230. Mabhuh dürfte nicht bemerkt haben, dass ein Mann, der sich als Peter Elvinger und französischer Staatsbürger ausgab, neben ihm an der Rezeption stand und gleich nach ihm das Zimmer 237 auf dem selben Stock zugeteilt bekommen sollte. Eine Stunde ruhte sich Mabhuh auf seinem Zimmer aus. Dann machte er sich allein und ohne Leibwächter zu einem Gang durch die Stadt auf. Er traf Palästinenser aus Gaza und kaufte ein Paar Schuhe, wie Polizeichef Tamim anmerkte. Ein wenig kannte sich Mabhub in der Stadt aus. Im Mai 2009 hatte er sich in Dubai medizinisch behandeln lassen.

          Dubai bereitet Haftbefehle vor

          Als er um 20.24 Uhr sein Hotelzimmer wieder betrat, war zumindest einer der Täter schon in sein Zimmer eingedrungen. Die Täter hätten ihrem Opfer wahrscheinlich zuerst einen Elektroschock versetzt und es danach erstickt, sagte der Polizeichef. Geschickt hätten sie den Raum so arrangiert, dass es zunächst nach einem natürlichen Tod ausgesehen habe. Sie hätten es so eingerichtet, dass das Zimmer, nachdem sie es verlassen hatten, von innen verriegelt war. Der Weg zum Flughafen war nicht weit. Der Polizei sei bekannt, wohin jeder einzelne geflogen sei, sagte Polizeichef Tamim. Zehn reisten nach Europa aus, einer flog nach Hongkong.

          Der als Koordinator des Mordes beschriebene Elvinger etwa sei über Qatar nach München gereist. Dort muss er angekommen sein, bevor am 20. Januar das Hotelpersonal den toten Hamas-Führer fand. Sechs der Mordverdächtigen sind mit einem britischen Pass gereist, drei mit einem irischen. Dazu der Franzose Elvinger und ein deutscher Staatsbürger, der sich als Michael Bodenheimer ausgab. Gegen sie alle bereite Dubai Haftbefehle vor, kündigte der Polizeichef an. Zwei Palästinenser, die in Dubai leben und dem Kommando assistiert haben sollen, sind schon festgenommen worden.

          Trotz aller Vorsicht entfuhr es dem Dubaier Polizeichef, dass sehr wohl der israelische Geheimdienst Mossad hinter dem Mord stecken könne. Der Mossad, sagte er, führe ja in vielen Ländern Morde durch, auch in befreundeten, und der Mord in dem Hotel ähnele einer Hinrichtung durch den Mossad.

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