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„DSK“ unter Hausarrest : Mit Fußfessel und Wachleuten

  • -Aktualisiert am

In diesem Wohnblock in Manhattan wird Strauss-Kahn offenbar seinen Hausarrest verbringen Bild: AFP

Dominique Strauss-Kahn darf gegen Zahlung einer Kaution seine Einzelzelle verlassen - im Hausarrest und unter strengen Auflagen wird er des Vergewaltigungsprozesses harren. Die nächste Anhörung ist Anfang Juni.

          „Monitoring Madoff“: Bislang war die Überwachung des Milliardenbetrügers und ehemaligen Finanz- und Börsenmaklers Bernhard Madoff der prominenteste Strafrechtsfall für das amerikanische Sicherheitsunternehmen Stroz Friedberg. Nun kann es sich auf seiner Website mit einem neuen spektakulären Auftrag schmücken: „Monitoring Strauss-Kahn“. Knapp eine Woche nach seiner Festnahme wegen angeblicher sexueller Angriffe auf ein Zimmermädchen darf der zurückgetretene Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) seine Einzelzelle auf der Gefängnisinsel Rikers Island verlassen. Das ist die gute Nachricht für Strauss-Kahn und sein Anwaltsteam.

          Die schlechte, wenngleich nicht überraschende Nachricht für ihn ist, dass er wegen schwerer Sexualdelikte angeklagt wurde. Wegen sieben Punkten muss sich der Franzose demnächst vor einem New Yorker Geschworenengericht verantworten, entschied eine aus New Yorker Bürgern bestehende Anklagejury. Die sogenannte Grand Jury gab damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, nachdem sie zwei Tage lang Zeugen angehört und Beweise gesichtet hatte. Versuchte Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Freiheitsberaubung lauten einige der Vorwürfe. Zudem wird Strauss-Kahn ein „krimineller sexueller Akt“ angelastet, womit nach New Yorker Strafrecht erzwungener Oral- oder Analverkehr gemeint ist.

          Für die schwersten Taten ist im Höchstmaß eine Freiheitsstrafe von 25 Jahren vorgesehen. „Die Beweislast ist umfangreich, sie wächst jeden Tag weiter“, sagte Staatsanwalt John McConnell triumphierend, as er die Anklageschrift verlas. Nach seinen Worten bestätigen die vorläufigen Ergebnisse einer forensischen Untersuchung die Vorwürfe, die das Zimmermädchen gegen Strauss-Kahn erhoben hat. Der nächste Gerichtstermin wurde für den 6. Juni festgesetzt. Dann erhalten Strauss-Kahn und seine Anwälte Gelegenheit, sich zu der Anklage zu äußern.

          Mit dem erfolgreichen Kautionsantrag haben die Anwälte ihrem Mandanten zunächst nur ein kleines Stückchen Freiheit erkämpft. Richter Michael Obus gab dem Gesuch unter strengen Auflagen statt: Eine Million Dollar Kaution muss der frühere IWF-Chef zahlen. Weitere fünf Millionen Dollar muss er in Form von Bürgschaften hinterlegen. Ferner wurde Strauss-Kahn unter Hausarrest gestellt, den er in einem Appartement in Manhattan verbringen wird, das seine Frau Anne Sinclair gemietet hat; die Journalistin und Strauss-Kahns Tochter Camille saßen bei der Anhörung am Donnerstag auf der Zuschauerbank. Sinclair wird ihrem Mann angeblich während seines Hausarrests Gesellschaft leisten. Um jede Möglichkeit auszuschließen, dass der Franzose aus den Vereinigten Staaten flieht, muss er eine elektronische Fußfessel tragen und sich in seinen vier Wänden von einer Videokamera überwachen lassen.

          Hausarrest kostet 200.000 Dollar im Monat

          Außerdem werden vor dem Haus rund um die Uhr bewaffnete Sicherheitskräfte stehen – von Stroz Friedberg. Ausgang in Begleitung von Wachmännern ist Strauss-Kahn nur aus medizinischen Gründen, zu religiösen Zwecken und für die Erledigung juristischer Angelegenheiten gestattet. Ferner muss er seinen Pass abgeben und unterschreiben, dass er auf Überstellungsgesuche nach Frankreich verzichtet. Die Kosten für den Hausarrest, die Strauss-Kahn selbst tragen muss, werden auf 200.000 Dollar monatlich geschätzt.

          Die Verteidigung hatte das umfangreiche Kautions- und Sicherheitspaket zähneknirschend mitgeschnürt, um nicht abermals eine Schlappe vor Gericht zu erleiden. Denn am Montag hatte die Haftrichterin Melissa Jackson es auf Antrag der Staatsanwaltschaft noch abgelehnt, Strauss-Kahn gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen. Zu groß schien ihr die Gefahr, dass der frühere IWF-Chef fliehen könne. Auch in der Anhörung am Donnerstag beantragte die Anklagebehörde, Strauss-Kahn weiter hinter Gittern zu halten. Dabei bediente sie nach Kräften das Raubtierklischee, das in amerikanischen Medien über Strauss-Kahn kursiert. Der Angeklagte habe „impulsives kriminelles Verhalten“ erkennen lassen, indem er das Hotel, in dem der Angriff auf das Zimmermädchen stattgefunden haben soll, „sehr hastig“ verlassen habe, argumentierte Staatsanwalt McConnell. Strauss-Kahn schüttelte dazu schweigend den Kopf.

          „Ehrenhafter Mann“

          Die Gegenrede übernahm Verteidiger William Taylor. Es sei „aberwitzig“ anzunehmen, dass Strauss-Kahn Fluchtversuche unternehmen werde. Sein Mandant sei ein „ehrenhafter Mann“, dessen einziges Interesse es sei, seinen Namen reinzuwaschen. Richter Obus schien diesen Versicherungen nicht ganz zu trauen. Jedenfalls hielt er es für geboten, dem vor kurzem noch so mächtigen Angeklagten klar zu machen, dass jetzt andere über sein Schicksal entscheiden. „Ich erwarte, dass Sie hier erscheinen“, sagte Obus streng, als er auf den Termin im Juni hinwies. „Beim kleinsten Problem“ müsse Strauss-Kahn damit rechnen, wieder in Untersuchungshaft genommen zu werden.

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