https://www.faz.net/-gpf-9zp8m

Kritik an Johnson-Berater : „Er muss zurücktreten oder rausfliegen“

  • Aktualisiert am

In der Kritik: Johnson-Berater Dominic Cummings Bild: EPA

Boris Johnsons Wahlkampfstratege Dominic Cummings soll trotz des Corona-Lockdowns mehr als 400 Kilometer zu seinen Eltern gereist sein, als er an Covid-19-Symptomen litt. Nun wächst der Druck auf den Premierminister, ihn zu entlassen.

          2 Min.

          Nach Berichten über einen Bruch der Lockdown-Regeln durch den wichtigsten Berater des britischen Premierministers Boris Johnson, Dominic Cummings, werden die Rufe nach einem Rauswurf des Wahlkampfstrategen lauter. Wie der „Guardian“ und der „Daily Mirror“ am Freitagabend berichteten, reiste Cummings Ende März von London in die rund 430 Kilometer entfernte nordostenglische Grafschaft Durham zu seinen Eltern. Damals hatte er nach Angaben der Regierung selbst Symptome von Covid-19. Nur rund eine Woche vorher hatte die Regierung zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie strenge Auflagen für die Bewegungsfreiheit erlassen. Das Reisen war mit Ausnahme unverzichtbarer Gründe nicht erlaubt. Wer Symptome aufweist, muss zudem sieben Tage in Selbstisolation verbringen.

          Ein Regierungssprecher verteidigte das Verhalten von Cummings am Samstag. Es sei für ihn unumgänglich gewesen, die Betreuung seines jungen Kindes sicherzustellen, hieß es in einer Mitteilung. Seine Schwester und Nichten hätten Hilfe angeboten, als seine Frau Symptome von Covid-19 gezeigt habe und auch er mit einer Erkrankung habe rechnen müssen. Cummings sei überzeugt, vernünftig und rechtmäßig gehandelt zu haben. „Sein Handeln war in Einklang mit den Coronavirus-Richtlinien.“

          Harsche Kritik kam von der Opposition. „Die Position Dominic Cummings' ist vollkommen unhaltbar - er muss zurücktreten oder rausfliegen“, sagte der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei SNP im britischen Parlament, Ian Blackford. Der konservative Regierungschef habe nun ernste Fragen zu beantworten, so Blackford am Samstag auf Twitter. Die Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq sagte dem „Guardian“, die Regierung müsse nun rasch Erklärungen liefern. „Die britische Öffentlichkeit erwartet nicht, dass es eine Regel für sie gibt und eine andere für Dominic Cummings“, sagte die Abgeordnete. Rückendeckung bekam Cummings von Staatsminister Michael Gove. „Sich um seine Frau und sein Kind zu kümmern, ist kein Verbrechen“, twitterte er. Außenminister Dominic Raab warf Kritikern vor, den Vorfall für politische Grabenkämpfe ausschlachten zu wollen.

          Cummings wurde den Berichten zufolge in Durham von einem Anwohner gesehen und bei der Polizei angezeigt. Die Polizei bestätigte laut britischer Nachrichtenagentur PA, am 31. März eine solche Anzeige erhalten zu haben, ohne jedoch einen Namen zu nennen. Die Besitzer der fraglichen Adresse seien von Beamten angesprochen und ihnen seien die Ausgangsbeschränkungen und die Regeln zur Selbstisolation erläutert worden, hieß es.

          Dieser Darstellung widerspricht Cummings laut der Regierungsmitteilung. Zu keinem Zeitpunkt seien er oder seine Familie von der Polizei deswegen kontaktiert worden. Erst Anfang Mai hatte der renommierte Wissenschaftler Neil Ferguson vom Imperial College seinen Posten als Regierungsberater aufgeben müssen, weil er während des Lockdowns Besuch von seiner Freundin erhielt. Auch die oberste medizinische Beraterin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, hatte sich über die eigenen Regeln hinweggesetzt und deswegen ihren Hut nehmen müssen.

          Weitere Themen

          „Er ist durchgefallen“

          Kritik an Johnson : „Er ist durchgefallen“

          Nachdem er seinen Chefberater trotz Lockdown-Verstöße verteidigt hatte, richtet sich die öffentliche Wut nun gegen Boris Johnson. Der britische Premierminister versucht, die Affäre möglichst kleinzureden.

          Topmeldungen

          Astronauten zur ISS : Nerdige Milliardäre erfinden amerikanische Raumfahrt neu

          Wenn das Wetter mitspielt, fliegen an diesem Mittwoch um 22.33 Uhr deutscher Zeit Doug Hurley und Bob Behnken an Bord einer Dragon-Kapsel des Raumfahrtunternehmens SpaceX zur ISS. Startpunkt ist das Kennedy Space Center, wo auch schon die bemannten Apollo-Missionen und die Spaceshuttles abhoben.

          Staatshilfen : Lufthansa-Aktionäre haben keine Wahl

          Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in den kommenden Wochen müssen die Lufthansa-Aktionäre entscheiden: Ein Rettungspaket der Bundesregierung, das ihre Anteile deutlich verwässert. Oder ein Totalverlust.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.