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Verhaftung bei Türkei-Einreise : Von saudischen Trollen und besorgten Touristen

Dem türkischen Innenminister Suleyman Soylu wird vorgeworfen, deutsche Urlauber bedroht zu haben. Bild: AFP PHOTO / ADEM ALTAN

In den arabischen Medien zirkulierte in den vergangenen Tagen ein Video, welches den türkischen Innenminister zeigt, wie er systemkritischen Türkei-Urlaubern mit der Verhaftung droht. Türkische Medien halten dagegen und verweisen auf saudische Trolle.

          Die Türkei und Saudi-Arabien tragen ihren Konflikt, den die Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi ausgelöst hat, nun auch zunehmend in den sozialen Medien aus. Türkische Medien, unter ihnen Haber7, berichten, die Verkürzung einer Aussage von Innenminister Süleyman Soylu gehe auf saudische Trolle zurück. Soylu habe angekündigt, Touristen bei der Einreise festzunehmen, die sich kritisch gegenüber der Türkei geäußert haben.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Dazu zirkuliere, als eine Art Vergeltung gegenüber der Türkei, in arabischen Medien ein Video von Soylu. Der arabische Untertitel dazu lautet: „Innenminister Soylu bedroht jeden Touristen, der die Türkei kritisiert.“ Damit sollten offenbar arabische Urlauber von einer Reise in die Türkei abgeschreckt werden. Der saudische Dissident Khashoggi war am 2. Oktober in Istanbul im Generalkonsulat seines Landes von einem saudischen Sonderkommando aus 15 Personen ermordet worden.

          Soylu hatte am 26. Februar im Istanbuler Stadtteil Eyüp vor Bürgermeistern eine Rede gehalten, in der er die Türkei auf eine neue Runde des Konflikts mit der PKK vorbereitete, die nach dem Ende des Winters beginnen werde. Der Minister sprach zu Beginn des Wahlkampfs für die Kommunalwahlen am 31. März davon, dass die gewählten kurdischen Bürgermeister in den kurdischen Regionen der Türkei durch staatliche Treuhänder ersetzt worden seien, was die Sicherheit erheblich verbessert habe.

          In diesem Zusammenhang sagte er laut türkischen Medien, dass die Ministerien für Inneres, Justiz und Äußeres sowie der Geheimdienst MIT im Ausland große Operationen durchführten. „Sollen die PKK-Leute doch aus dem Ausland kommen, wir werden sie dann auf dem Flughafen festnehmen“, so Soylu. Schließlich sei die Türkei kein Land, das keine Kenntnis von dem habe, was sich jenseits ihrer Grenzen abspiele. Daher würden Dossiers zu Feinden außerhalb der Türkei angelegt. Diese Sätze wurden offenbar verkürzt und entstellt wiedergegeben.

          Am Sonntag legte Soylu in Ankara nach: „Da gibt es jene, die in Europa und in Deutschland an den Veranstaltungen der Terrororganisation teilnehmen und dann in Antalya, Bodrum und Mugla urlauben.“ Es werde nicht mehr so einfach sein, draußen Verrat zu begehen und sich dann in der Türkei zu amüsieren. Das Außenministerium in Ankara teilte mit, Touristen aus Deutschland und allen anderen Ländern seien nach wie vor willkommen. Aussagen Soylus seien „eindeutig aus dem Zusammenhang gerissen und verzerrt“ wiedergegeben worden.

          Nachdem in den vergangenen Jahren in der Türkei ausländische Staatsbürger festgenommen worden waren und Ankara türkische Bürger im Ausland hatte entführen lassen, war nicht auszuschließen, dass die türkische Regierung nun auch Kritiker des Landes verhaften würde. So befinden sich weiter fünf Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund aus politischen Gründen in Haft.

          Bei seinem Staatsbesuch im Oktober in Deutschland hatte Präsident Recep Tayyip Erdogan von Berlin die Auslieferung von 136 türkischen Flüchtlingen gefordert. Selbst tätig wurde in den vergangenen Jahren der türkische Geheimdienst MIT. Der frühere Regierungssprecher Bekir Bozdag hatte im April 2018 gesagt, die Türkei habe aus 18 Ländern bereits 80 „Fetö-Terroristen“, also Gülen-Anhänger, „zurückgeholt“. Bekannt sind Entführungen aus Bulgarien, der Ukraine, Malaysia, der Mongolei, Burma, Gabun, Pakistan sowie dem Kosovo.

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