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Drohnenangriffe : Und die Piloten sitzen in Langley

  • -Aktualisiert am

Meistens in Nordwasiristan im Einsatz:Eine amerikanische Drohne vom Typ Predator Bild: dpa

Weit mehr als tausend Extremisten und Unbeteiligte sollen durch amerikanische Drohnen in den Stammesgebieten von Pakistan getötet worden sein. Nicht nur das Pentagon, vor allem die CIA setzt auf die ferngesteuerten Waffen.

          Begonnen hat alles mit dem "Mann in Weiß". Am 7. September 2000 - fast genau ein Jahr vor den Terroranschlägen in New York und Washington - startete zum ersten Mal ein unbemanntes amerikanisches Flugzeug zu einer Aufklärungsmission über Afghanistan. Der streng geheime Jungfernflug über dem Hindukusch war ein Test. Erst auf Druck des Weißen Hauses hatten das Pentagon und der Geheimdienst CIA ihr Gerangel um Kosten und Kompetenzen beigelegt und sich auf eine zweimonatige Erprobung des vielversprechenden Systems verständigt.

          Schon von ihrem ersten Flug schickte die Drohne des Typs Predator (Raubtier) Bilder nach Washington, deren Qualität die Anti-Terror-Spezialisten begeisterte. Beim Überfliegen eines Anwesens außerhalb von Kandahar soll inmitten einer Gruppe von Männern eine hochgewachsene Gestalt in einem langen, weißen Kaftan zu erkennen gewesen sein. Ein zweiter Überflug am 28. September gab den Geheimdienstleuten dann angeblich Gewissheit, dass es sich bei dem "Mann in Weiß" um Usama Bin Ladin handelte. CIA-Direktor George Tenet sagte später vor der Kommission zur Untersuchung des 11. Septembers 2001 aus, "physische und operationelle Merkmale" hätten auf eine Übereinstimmung der beobachteten Person mit dem Al-Qaida-Anführer schließen lassen.

          Bin Ladin unschädlich machen

          Diese Namen waren im Herbst 2000 nur wenigen geläufig. Doch die amerikanische Regierung beschäftigte sich seit den Bombenanschlägen auf ihre Botschaften in Kenia und Tansania im August 1998 beinahe täglich mit Bin Ladin und seiner Terrororganisation. Präsident Bill Clinton, so ist es im Untersuchungsbericht der offiziellen "9/11 Commission" nachzulesen, drängte seine engsten Berater voller Ungeduld, eine "militärische Option" zu finden, wie der Mann aus Saudi-Arabien unschädlich gemacht werden könne - sei es durch seine Gefangennahme in einer Kommandoaktion, sei es durch eine gezielte Tötung. In öffentlichen Äußerungen wurde der Name des Al-Qaida-Führers bewusst nicht erwähnt. Man wollte ihm damals, zwölf Monate vor dem Angriff auf Amerika, nicht zu größerer Bekanntheit verhelfen.

          Höher, schneller, weiter: Das 2007 eingeführte Modell Predator-B wird auch Sensenmann genannt

          Zehn Jahre später ist es den scharfäugigen Raubvögeln noch immer nicht gelungen, Usama Bin Ladin aufzuspüren und ganz unzeremoniell hinzurichten - denn das ist zweifellos die Absicht. Einigen seiner einflussreichsten Gefährten indes sind die leichtgewichtigen Drohnen, die 24 Stunden über ihrem Beobachtungsobjekt kreisen und inzwischen auch mit Bomben oder Raketen bestückt werden können, zum Verhängnis geworden. Präsident Bush hatte der CIA schon wenige Tage nach dem 11. September 2001 in einer geheimen Anweisung erlaubt, Angehörige von Al Qaida, wo immer man ihrer habhaft werden konnte, gezielt zu töten.

          Moderne „vernetzte“ Kriegführung

          Das Waffensystem Predator kommt seit 2004 in den unzugänglichen, halbautonomen Stammesgebieten der Paschtunen im Nordwesten Pakistans zum Einsatz. Dort hatten die Führungen von Al Qaida und anderer radikalislamischer Gruppen nach der militärischen Intervention in Afghanistan Zuflucht gefunden und sich nach Einschätzung der Geheimdienste mit gewissen Erfolgen reorganisiert. Bush hoffte vergebens, dass noch vor dem Ende seiner Amtszeit ein spektakulärer Vergeltungs- und Vernichtungsschlag gegen führende Dschihad-Terroristen gelingen werde. Ein Drohnen-Angriff schon wenige Tage nach der Amtseinführung seines Nachfolgers zeigte aber, dass die Anti-Terrorismus-Operationen der CIA fortgesetzt würden. Präsident Obama weitete die Praxis sogar aus.

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