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Brexit-Verhandlungen : Fünf vor Zwölf in London

Kommt der No-Deal-Brexit? Für Großbritannien ist es fünf vor zwölf. Bild: dpa

Wenn Donald Trump abgewählt wird, kann Boris Johnson die Hoffnung auf ein komfortables Handelsabkommen mit Amerika nach dem Brexit begraben. Schlägt dann doch noch die Stunde der Vernunft?

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          Ob das Vereinigte Königreich ohne Folgeabkommen die EU verlässt, hängt vielleicht auch, vielleicht sogar in nicht geringem Maße, vom Ausgang der amerikanischen Präsidentenwahl ab. Denn sollte der Demokrat Biden im Weißen Haus einziehen, dann hätte der britische Premierminister nicht nur seinen amerikanischen Patron und Brexit-Freund Trump verloren. Fürs erste könnte er sich auch ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten abschminken. London stünde da, wo es vor Jahren schon Obama eingeordnet hatte: am Ende der Schlange. Für Biden, der sich überdies Sorgen um den irischen Frieden macht, hätte ein Abkommen mit der EU in jedem Fall Vorrang. Britanniens Rückkehr als globale Macht fiele dann erst einmal ins Wasser, zumindest weniger glorreich aus als erträumt.

          Im Falle eines Regierungswechsels in Washington hätte also die Regierung Johnson Anlass, einen No-Deal-Brexit zu überdenken, auf den sie jetzt die Wirtschaft des Landes vorzubereiten sucht, und für den sie schon mal prophylaktisch der EU, wenig überraschend, die Schuld gegeben hat. Ein Last-Minute-Freihandelsabkommen mit der EU wäre schwierig, aber doch machbar.

          Immer mehr Unternehmen sehen einer handelspolitischen Nulllösung mit Grauen entgegen; anglikanische Kirchenleute sehen in Bestimmungen des heimischen Binnenmarktgesetzes eine Gefahr für Frieden und Demokratie. Das sind keine Spinner, sondern Mahner, Vernunft walten zu lassen.

          Klaus-Dieter Frankenberger

          verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.

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